Alkoholkranker gibt nicht auf

Leben in den Griff bekommen

Wein und Bier waren die bevorzugten Getränke von Peter, hochprozentigen Schnaps hat er gemieden, wurde aber trotzdem schon in jungen Jahren schwer alkoholkrank. | Foto: Adobe Stock2020/02/Feucht-Alkohol-scaled.jpg

FEUCHT – Ein Mitglied des Feuchter Freundeskreises für Suchtkrankenhilfe erzählt von seinem schweren Weg aus der Alkoholabhängigkeit.Ein Freitagnachmittag im Oktober vor sechs Jahren hat Peters Leben verändert. Die blitzartige Erkenntnis, dass er am Ende einer Sackgasse angelangt war, hat ihn damals gerettet. Peter, der im wirklichen Leben einen anderen Namen hat, ist Alkoholiker. Heute ist er trocken, seit 2014 hat er nicht mehr getrunken. Als er damals erkannte, dass es einfach nicht mehr weiter ging, war sein Körper vom Alkohol bereits schwer geschädigt.

„Im Fußballverein haben wir uns als Teenager regelmäßig Räusche angetrunken und anschließend darüber gelacht“, erzählt Peter. Schlechte Stimmung, nicht Alkohol war das Problem. Und je schlechter die Stimmung, desto mehr hat Peter schon als junger Mensch getrunken. Immer Bier und Wein. Hochprozentiges hat er zwar nicht gemocht, dafür hat er aber umso mehr niedriger Prozentiges getrunken. Mit 21 dann die Heirat, kurz darauf kommt das erste Kind zur Welt. „Und dann musst du funktionieren“, sagt Peter. Damals hat er angefangen, täglich Wein zu trinken, und die Mengen wurden immer größer. Mit 25, das steht für ihn in der Rückschau fest, war er bereits schwer alkoholkrank.
Als er zum Arzt geht und sein Blut untersuchen lässt, wird bei ihm eine Fettleber diagnostiziert. Da ist er 35 Jahre alt und muss eigentlich den ersten Warnschuss hören. Den ignoriert er aber und trinkt weiter. Bis er mit knapp 40 Jahren zusammenbricht. Akute internistische Probleme stellen die Mediziner bei ihm fest. Ursache: Alkoholmissbrauch. Wenn er so weiter trinken würde, das sagen ihm die Ärzte, dann würde er sich umbringen.

Großer Druck

Peter ist Mitarbeiter in einem großen Nürnberger Unternehmen, das in den 90er Jahren schließen muss. Sein Wechsel in eine andere Firma, wo plötzlich ganz neue Herausforderungen anstehen, ist mit großem Druck verbunden. Die Warnungen der Ärzte vor weiterem Alkholmissbrauch schlägt er deshalb in den Wind.
Seine Familie ist hilflos. Kinder und Ehefrau beobachten, wie der Vater von einem Kontrollverlust zum nächsten taumelt. Allerdings immer in seiner Freizeit, es gelingt ihm über Jahre, seine Alkoholabhängigkeit vor den Kollegen in der Firma und vor seinem Arbeitgeber zu verbergen.

Als Alkoholiker erkannt

2008 kommt Peter nach Engelthal zur Behandlung, wird rückfällig und erleidet zwei Jahre später einen Nervenzusammenbruch. Erneut wird er in Engelthal aufgenommen. Nach seiner Entlassung ist er zwar soweit, dass er sich selbst als Alkoholiker erkennt. Er kann aber nicht aufhören zu trinken. Als Frau und Kinder zuhause Alkohol vor ihm verstecken, fängt Peter an, vom Keller bis zum Dachboden geheime Depots mit Wein und Bier anzulegen. Wenn seine Frau wieder einmal ein Versteck entdeckt, gibt es heftigen Streit. Mit dem Trinken aufhören kann Peter aber immer noch nicht. Trotzdem hält seine Frau weiter zu ihm. Auch seine Kinder verurteilen ihren Vater nicht für seinen Alkoholmissbrauch, ab einem bestimmten Alter überwiegt bei ihnen das Mitleid den Ärger.

Entschluss, endlich aufzuhören

Peter schämt sich, leidet und trinkt weiter. Bis zu jenem Freitagnachmittag im Oktober 2014. Was da in seinem Kopf genau passiert ist, kann Peter sich bis heute nicht erklären. „Ich habe einfach den Entschluss gefasst, mit dem Trinken aufzuhören und sofort zur Entgiftung ins Altdorfer Krankenhaus zu gehen.“ Was nicht so ganz einfach ist, wenn man am Freitagnachmittag von einem Arzt eine Überweisung ins Krankenhaus braucht. Seine Frau unterstützt Peter dann und bringt ihn nach Altdorf. Damit ist der erste Schritt in die Freiheit getan.
Ihm gelingt der Ausstieg aus der Sucht.  In der Firma weiß niemand, dass er eine Alkoholentgiftung hinter sich hat. Deshalb und weil er zuverlässig arbeitet, ist seine Stelle nie in Gefahr.

Stabiler denn je

Bis heute ist Peter trocken und will bis zu seinem Lebensende abstinent bleiben. Gesundheitlich fühlt er sich viel besser als in all den Jahren, in denen er exzessiv Alkohol trank. Dass er heute stabil ist und kein Problem damit hat, wenn er mit Freunden feiert und Wasser oder Cola Zero trinkt, hängt auch mit seinem regelmäßigen Besuch beim Feuchter Freundeskreis zusammen. Die Mitglieder sind trockene Alkoholiker aus Feucht und der Umgebung, die sich wöchentlich zum Austausch treffen. Ihr Motto: Voneinander lernen, füreinander da sein, Erfahrung, Kraft und Hoffnung miteinander teilen.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten