Lob statt Parolen: Bundesinnenminister auf Stippvisite in Feucht

Im Stechschritt durch die Zeidlergemeinde

Die gut gelaunte CSU-Runde bei ihrem Spaziergang durch Feucht. Bürgermeister Konrad Rupprecht (Mitte) zeigt Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (zweiter von rechts) das Neubaugebiet. Mit dabei: MdL Hermann Imhoff, Bezirksrat Norbert Dünkel, MdB Marlene Mortler und Bezirkstagskandidatin Cornelia Griesbeck (von links). Foto: Kappes2013/09/friedrich_nland_neu.jpg

FEUCHT – Gestern besuchte Innenminister Hans-Peter Friedrich die Gemeinde Feucht. Im historischen Ortskern und im Neubaugebiet sah er sich genauer um – und sparte nicht am Lob.

„Eine tolle Sache“, sagt Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich und verzieht anerkennend die Mundwinkel. Der CSU-Politiker steht mitten im Neubaugebiet Feuchts, wo sich 350 Familien den Traum vom eigenen Haus erfüllt haben. Beeindruckt sei er. „Das ist das, was junge Leute brauchen. Das ist eine Perspektive.“ Drei Kinderzimmer? Sehr gut!

Marlene Mortler, Bundestagsabgeordnete für das Nürnberger Land, hatte den promineten Politiker in der Endphase des Wahlkampfes nach Feucht geholt. Schließlich ist der Innenminister für das Thema Städte-
planung und Städteentwicklung zuständig. Da sei ihr gleich Feucht eingefallen, so Mortler.

Staunen im Neubaugebiet

Im Stechschritt war der Minister mit seiner Delegation vom Drei-Schlösser-Rundweg zum ehemaligen Fella-Gelände angerückt. Von einer Autofahrt konnte der Politiker nicht überzeugt werden. „Mit dem Auto? So groß ist Feucht?“, fragt er und macht große Augen. Zu Fuß geht es also hoch zum Neubaugebiet. Den Anblick der hohen Außenwände, die sich vor ihm auftun, quittiert der Bundespolitiker mit Schweigen. Stattdessen lauscht er Bürgermeister Konrad Rupprecht, der ihn über die Notwendigkeit der hohen Wälle informiert. Der Immissionsschutz sei schuld. Wohl ein versteckter Appell des Bürgermeisters, dieses Gesetz noch einmal auf Bundesebene zu überdenken.

Trotz seiner Begeisterung, jungen Familien ein eigenes Heim zu ermöglichen und den Bevölkerungsschwund in der Gemeinde auszugleichen, eine augenzwinkernde Bemerkung kann sich Friedrich dennoch nicht verkneifen: Die Sicherheitslage innerhalb der Neubauten sei sicherlich gut. Schließlich handle es sich um einen geschlossenen Bereich. Die CSU-Runde quittiert die Anmerkung mit lautem Lachen. Insgesamt gibt man sich gut gelaunt und siegessicher bei der Partei. Viele Schultern werden geklopft, der Spaziergang für private Gespräche genutzt und gute Wünsche für die letzten Tage vor der Wahl ausgetauscht. Bürger waren gestern Nachmittag allerdings nicht erschienen, um den Innenminister näher in Augenschein zu nehmen.

Rupprecht verpasst nicht die Gelegenheit, bei seinem Gast die Vorzüge seiner Gemeinde anzupreisen – und ein wenig auf die Geschichte und den Namen einzugehen. „Feucht kommt nicht von nass, sondern vom althochdeutschen Wort für Fichte“ stellt er bei der Begrüßung im Rathaus gleich mal klar. Den frisch sanierten Ortskern präsentiert er anschließend mit sichtlichem Stolz. Oberfranke Friedrich spart an Wahlkampfparolen, dafür aber nicht am Lob für Ort und Gemeindeoberhaupt, bewundert die Schlösser und die Neubauten an der Hauptstraße. Er verstehe, dass alle Feuchter glücklich seien, sagt der CSU-Politiker. „Nicht alle“ erwidert Rupprecht lachend. „Sie hätten aber allen Grund dazu“, meint Friedrich.

Rupprecht stellt auch das „Sorgenkind der Gemeinde“ vor, wie er es selbst nennt: Die Reichswaldhalle. Eine Sanierung verbunden mit zehn Millionen Euro Kosten stehe an. Doch danach dürften die Veranstaltung in der auf Vordermann gebrachten Halle nicht länger als bis zehn Uhr gehen – schon wieder ist der Immissionsschutz Schuld. Friedrich verzichtet auch hier auf Wahlkampfparolen und harte Worte. Schlägt stattdessen eine Einigung mit dem Landratsamt vor.

„Jetzt sehe ich Feucht mit anderen Augen“ lautet das Fazit des Innenministers. Bisher habe er Feucht nur mit der Rastanlage verglichen. Und im Zentrum war er bislang auch noch nicht gewesen. Die Zeit ist um, Friedrich steigt in seine Limousine. Nächster Halt: Roth.

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren
N-Land Kai Mirjam Kappes
Kai Kappes