Interview: Ex-Astronaut plädiert für Kulturareal in Feucht

„Für die Welt ist Feucht gleich Oberth“

In der jetzigen Situation haben weder Hermann-Oberth-Raumfahrtmuseum, noch Bücherei und Zeidelmuseum Erweiterungsmöglichkeiten. Die Trägervereinsvorsitzenden der Museen fordern nun in einem Schreiben an die Fraktionen im Marktrat einen „ernsthaften Dialog und belastbare Planungsperspektiven zur Lösung ihrer Platzprobleme“. | Foto: Märtl2015/12/db-museumsmeile.jpg

FEUCHT – Die beiden Feuchter Museen haben der Gemeinde einen umfassenden Vorschlag für eine Neuordnung der Kultureinrichtungen in der Pfinzingstraße unterbreitet (wir berichteten). Am Donnerstag befasst sich der Marktgemeinderat erstmals mit dem Konzept. Der Bote sprach mit Ulrich Walter. Er ist Physiker, ehemaliger Astronaut und Inhaber des Lehrstuhls für Raumfahrttechnik an der Technischen Universität München.

Herr Professor Walter, ist das von den Museen vorgelegte Konzept für einen Ort von der Größe Feuchts nicht völlig übertrieben? Schließlich muss die Gemeinde mittelfristig erheblich investieren.

Ulrich Walter: Bevor ich und auch die Gemeinde diese Frage beantworten kann, muss erst festgestellt werden, wie hoch der Investitionsbedarf tatsächlich ist und wie viel, abzüglich der Zuschüsse von Land und Bund, die Gemeinde zu tragen hat. Ich vermute dieser Anteil ist gar nicht so hoch. Dem gegenüber stände ein erheblicher, nachhaltiger Qualitätsgewinn: Für die Museen, Bibliotheken und der beiden Gemeindeämter im Pfinzingschloss. Und insgesamt reden wir von einem erheblichen Wertegewinn für die Gemeinde. Vor allem wenn man noch die kostenfreie Übertragung des Grundstücks für den Neubau der Bibliothek von dem Hermann-Oberth Raumfahrt Museum an die Gemeinde im Rahmen des Kulturareal-Konzepts berücksichtigt. Die Marktgemeinde sollte es sich in der Sitzung am Donnerstag nicht entgehen lassen, dies in einer Evaluierung zahlenmäßig feststellen zu lassen. Sollte die Auswertung für die Gemeinde nicht so zufriedenstellend ausfallen, kann sie später immer noch „Nein“ zum Kulturareal-Konzept sagen. Die Gemeinde kann also mit einer Entscheidung für eine Evaluierung nur gewinnen!

Aber noch einmal: Kann ein Ort wie Feucht sich so etwas auf Dauer überhaupt leisten?

Walter: Lassen Sie mich das mit einer Gegenfrage beantworten: Kann es sich Feucht leisten, seinen weltbekannten Ehrenbürger Oberth nicht angemessen in einem Museum zu ehren? Oberth, der neben Ziolkowski und Goddard zu den drei anerkannt größten Vätern der Raumfahrt gehört. Oberth, den die ganze Welt bewundert, den die renommierteste Zeitung der Welt, die New York Times, mit seinem Tod im Jahre 1989 in einem eigenen Nachruf gewürdigt hat. Oberth, dem selbst ein Mondkrater gewidmet ist. Die ganze Welt schaut auf Feucht! Für die ganze Welt dort draußen ist Feucht gleich Oberth!

Warum ist die Gemeindebücherei als Baustein in dem Konzept wichtig?

Walter: Beide Museen haben umfangreiche Buch- und Dokumentenbestände, die bisher nicht sachgerecht untergebracht werden können. Sie sind deshalb auch nicht ohne weiteres zugänglich. Der kulturhistorisch wichtige Nachlass von Oberth etwa, ist Eigentum des Marktes Feucht. Das ist ein Segen, weil dadurch sichergestellt ist, dass er im Zusammenhang erhalten bleibt. Aber damit geht auch die Verantwortung einher, für eine sachgerechte Unterbringung zu sorgen. In einem Neubau könnte man die eklatante Raumnot der Gemeindebücherei und diese objektiven Anforderungen in Einklang bringen. Wir vom Hermann-Oberth-Raumfahrt-Museum würden dazu einen Beitrag leisten: Wir überlassen dem Markt Feucht einen Teil des Grundstücks hinter dem Pfinzingschloss. Dieses ist uns aus dem Erbe der Familie Oberth zugefallen.

 

In welchem Zeithorizont könnte ihrer Meinung nach das „Kulturareal“ realisiert werden?

Walter: Für eine genaue Antwort darauf ist es zu früh, sie ist Teil der Evaluierung, deren Startschuss der Marktgemeinderat geben sollte. Die Dauer hängt von der Dauer der genauen Ausarbeitung des Konzeptes ab: Wann das neue Bibliotheks-Gebäude gebaut wird und fertig ist zum Bezug und wann und wie das Bauamt und die Kämmerei umziehen können. Insgesamt können sicher ein paar Jahre ins Land gehen. Aber ganz klar: Der Marktgemeinderat hat bei jedem Schritt das letzte Wort.

Glauben Sie persönlich an eine Realisierung des „Feuchter Kulturareals“?

Walter: Ja, denn die Gemeinde würde eine historische Chance verpassen, ihre einmaligen geschichtlichen Werte aller Welt angemessen darzustellen. Aber meine Meinung ist nicht relevant. Was zählt ist, dass die Gemeinde die Chance für ihr einmaliges Kulturerbe und für ihre eigenen Vorteile für die Verwaltung erkennt und nutzt. Das ist eine dieser seltenen Win-Win-Situation für alle.

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