Freundeskreis Feucht seit gut einem Jahr

FEUCHT – Die Treffen sind offen für direkt Betroffene und Angehörige. Wer Probleme mit Alkohol, Drogen, Medikamenten, Nikotin, Wetten, Spielsucht oder Essstörungen hat, ist willkommen: Seit gut einem Jahr trifft sich der Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe jeden Freitagabend in Feucht. Inzwischen gibt es einen festen Stamm, der fast jede Woche kommt.

Klaus Walter initiierte die Selbsthilfegruppe in Feucht. Lange Jahre war er Alkoholiker und fand Unterstützung beim Freundeskreis in Wendelstein. Im vergangenen Jahr rief er die Treffen in seiner Heimatgemeinde ins Leben.

Bundesweit gibt es rund 800 Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe, allein in Bayern 23 Gruppen. Bei ihnen gelten die Grundprinzipien Freiwilligkeit, Selbstbetroffenheit, Gleichberechtigung, Selbstbestimmung und Eigenverantwortung.

Der Name Freundeskreis kennzeichnet die Gruppe als Gemeinschaft: Ein Freund ist ein Mensch, der einen versteht, annimmt und nicht gleich bewertet. Offene Zuwendung, gegenseitige Wertschätzung und ein wirkliches Ernstnehmen der Probleme prägen die Atmosphäre.

Menschen kommen in Selbsthilfegruppen, weil sie am Ende sind und ihre Probleme mit Suchtmitteln nicht mehr allein bewältigen können. Die Erfahrungen der anderen Betroffenen machen Mut und können einen Umdenkungsprozess in Gang setzen. Neue und andere Möglichkeiten, das eigene Leben zu gestalten, eröffnen sich. Das betrifft insbesondere auch den Umgang mit Konflikten. Somit können Menschen in der Selbsthilfe persönlich reifen und sich weiterentwickeln.

In den Selbsthilfegruppen der Freundeskreise gibt es keine Hierarchien, keine Statuten oder schriftliche Verpflichtungen. Einzig die selbst auferlegte Verpflichtung, über Inhalte des Gruppengesprächs nach außen zu schweigen, ist notwendig, damit das Gespräch in der Gruppe funktionieren kann. „Bei uns herrscht 100-prozentige Diskretion“, versichert Walter. „Was in diesem Raum besprochen wird, bleibt auch hier.“

Die meisten Suchtkranken empfinden das Leben als trist und langweilig. Alkohol oder Medikamente dienen ihnen als Hilfsmittel, um durch den Alltag zu kommen.

„Wir wollen durch unsere Gespräche klarmachen: Das Leben ist

schön.“ Die Unterstützung setzt sich abseits der wöchentlichen Treffen fort: Gemeinsame Aktivitäten wie Grillen, gegenseitige Besuche oder die Teilnahme an einem Minigolf-Turnier prägten den Kontakt untereinander, erzählt Siglinde Walter, die als Angehörige dem Freundeskreis angehört. Außerdem gibt es auch einen Zettel mit Telefonnummern anderer Mitglieder, die im Notfall helfen. Nicht nur durch einen Artikel in unserer Zeitung wurden direkt oder indirekt Betroffene auf diese Selbsthilfegruppe aufmerksam. Klaus Walter pflegt auch Kontakte zu den örtlichen Kirchengemeinden, zum Krankenhaus Altdorf, dem Gesundheitsamt am Laufer Landratsamt und der Suchtberatungsstelle.

Die Flyer des Freundeskreises Feucht liegen an mehreren Stellen aus, um auf dieses Hilfsangebot aufmerksam zu machen. Im nächsten Jahr wird man mit einem Infostand beim Feuchter Familienfest vertreten sein. Regelmäßig wird in unserer Zeitung in der Rubrik Vereinsnachrichten auf die wöchentlichen Treffen hingewiesen. Eine kleine finanzielle Unterstützung für die Öffentlichkeitsarbeit, die Klaus Walter weiter intensivieren möchte, kommt von der Firma Excella.

Wertvolle Hilfe kommt auch von anderen Freundeskreisen, die unter einander vernetzt sind. Bundesweit werden Seminare und Freizeiten angeboten. M.R.

Die Treffen des Freundeskreises Feucht finden freitags (außer an Feiertagen) von 19 bis zirka 20.30 Uhr in der Hauptstraße 35, 2. Stock, statt. Weitere Informationen gibt Klaus Walter, Telefon 09128/3720. Bei Bedarf und wenn die Gruppe weiteren Zuwachs bekommt, können auch andere feste Terminen vereinbart werden.

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