Neuer Verkehrsübungplatz in Altdorf

Feucht wehrt sich gegen „Luxuslösung“

Schulkinder sollen auf dem neuen Verkehrsübungsplatz radeln. Über die Planungen für den Neubau gibt es bei den beteiligten Gemeinden nun aber unterschiedliche Meinungen. | Foto: Fotolia2018/10/NL-Verkehrserziehung-Verkehrsuebungsplatz-2-Fotolia.jpg

NÜRNBERGER LAND – Schulkinder aus sechs Kommunen radeln auf dem Altdorfer Verkehrsübungsplatz. Folglich zahlen auch alle sechs Kommunen für den Neubau der Anlage an der Weidentalstraße. Die konkreten Pläne des Altdorfer Stadtrates aber stoßen in Feucht auf wenig Verständnis. Und die Kritik könnte noch lauter werden, wenn die anderen Gemeinden über das Vorhaben beraten haben.

Gut 920.000 Euro soll der neue Verkehrsübungsplatz südlich der Skateanlage in Altdorf kosten (wir berichteten). Da sich die Kommunen Feucht, Schwarzenbruck, Burgthann, Winkelhaid und Leinburg auch an den Kosten des Grundstücks beteiligen sollen, schätzte Feuchts Bürgermeister Konrad Rupprecht (CSU) die Gesamtkosten in der vergangenen Sitzung des Marktgemeinderats auf „über eine Million Euro“.

Feucht schickt unter den sechs Gemeinden die zweitmeisten Kinder zur Verkehrserziehung und ist damit zweitgrößter Gebührenzahler. Die Kosten für den Neubau werden sich nämlich nach der Zahl der beschulten Kinder richten. Kein Wunder also, dass in Feucht Verwaltung und Gemeinderat die Investition besonders kritisch hinterfragen.

Den Neubau des Verkehrsübungsplatzes an sich stellten die Gemeinderäte nicht in Frage. Auch nicht, dass es sanitäre Einrichtungen und einen Platz zum Unterstellen braucht. Für Aufregung sorgte ein geplanter Schulungsraum, der allein rund 275 000 Euro kosten soll. Herbert Bauer (CSU) und Hannes Schönfelder (SPD) sprachen in diesem Zusammenhang von „Luxuslösung“ und „Luxusvorstellungen“, Rita Bogner (Grüne) geiselte die Pläne als „maßlos übertrieben“.

„Maßlos übertrieben“

Zunächst hatte Rupprecht aus einem Schreiben der Polizei zitiert, die sich für einen solchen Raum ausspricht. Die Beamten möchten praktischen und theoretischen Unterricht parallel anbieten. Dass ein Teil der Klasse auf dem Platz radelt, während ein anderer im Schulungsraum mit ihrerem Lehrer den Schilderwald studiert, bezeichnete der frühere Grundschul-Konrektor Herbert Bauer als „weltfremd“. In der Realität sei der Lehrer stets in den praktischen Unterricht eingebunden.

SPD-Gemeinderätin Ines Stelzer bestätigte diese Einschätzung mit ihrer Berufserfahrung als Grundschullehrerin. „Die Theorie findet im Klassenzimmer statt, die Praxis auf dem Verkehrsübungsplatz“, sagte sie und erläuterte, dass jede Klasse das Thema sechs Wochen lang im Unterricht behandelt: vier Stunden pro Woche. Zusätzlich geht es für drei Doppelstunden auf den Verkehrsübungsplatz. Das ergebe für den Verkehrsübungsplatz eine Auslastung von 75 Stunden pro Jahr – für alle sechs Kommunen zusammen. „Ein Schulungsraum für 75 Stunden? Das ist doch nicht zu rechtfertigen“, meinte Schönfelder daraufhin und Oliver Siegl (CSU) kritisierte, dass Nutzungsdauer und Kostenvolumen in keinem Verhältnis zueinander stünden.

Schließlich sprach sich der Marktgemeinderat einstimmig für den Bau des Verkehrsübungsplatzes sowie eine Zweckvereinbarung mit den anderen Kommunen aus. Ein Schulungsgebäude in der geplanten Form aber lehnten die Mitglieder ab und beauftragten Bürgermeister Rupprecht stattdessen, in Verhandlungen eine „deutlich abgespeckte Version zu erwirken“.

Winkelhaid stimmt Plänen zu

Seine Chancen diesbezüglich stehen nicht allzu schlecht. Grundsätzlich befürworten alle Kommunen den Neubau. Dem einstimmigen Beschluss des Altdorfer Stadtrates gefolgt ist bislang aber nur der Gemeinderat in Winkelhaid. In Burgthann, Schwarzenbruck und Leinburg wird der Verkehrsübungsplatz Mitte November auf der Tagesordnung stehen.

Einen Beschlussvorschlag hat Leinburgs Bürgermeister Joachim Lang (Freie Wähler) bislang nicht vorliegen. Auf den Widerstand in Feucht angesprochen meint er, die Kostenfrage „könnte bei uns auch aufkommen“. Burgthanns Bürgermeister Heinz Meyer war für eine Stellungnahme leider nicht zu erreichen. Sein Kämmerer Heinz Rupprecht erstellt gerade eine allgemeine Beschlussvorlage, die der Gemeinderat nach seinen Vorstellungen auszuarbeiten habe. Und Schwarzenbrucks Bürgermeister Bernd Ernstberger (SPD) meint: „Die Frage der Feuchter, ob es das braucht, ist durchaus legitim.“

In Altdorf habe man die Planungen eines Verkehrsübungsplatzes in Oberfranken eins-zu-eins übernommen – inklusive Schulungsraum. Warum der theoretische Unterricht künftig dort und nicht im Klassenzimmer stattfinden soll? Das will Ernstberger bis zur Sitzung des Gemeinderates geklärt haben.

Nötig wird der Neubau des Verkehrsübungsplatzes, weil die Stadt Altdorf auf dem Gelände an der Grundschule eine neue Mehrzweckhalle errichten will. Der bestehende Platz wird Mitte nächsten Jahres aufgelassen, der neue Verkehrsübungsplatz soll dann bereits fertiggestellt sein.

N-Land Christian Geist
Christian Geist