Tierheim muss weiterhin ausgesetzte Tiere aufnehmen

Elli allein im Körbchen

In diesem Korb wurde Elli gefunden – mit Futter, einer Decke und einem Zettel mit ihrem Namen. | Foto: Tierheim Feucht2017/08/Feucht-ausgesetzte-Katze.jpg

FEUCHT – Obwohl es nach dem Tierschutzgesetz verboten ist, setzen Besitzer weiterhin ihre Haustiere einfach auf die Straße – gerade jetzt in der Sommerferienzeit. Die Täter werden laut Polizei so gut wie nie gefunden. „Das ist feige“, finden die Tierschützer, vor allem weil es Alternativen gibt.

Im kleinen Katzenkorb hat sie kaum Bewegungsfreiheit. Ein Zettel mit ihrem Namen ist noch im Körbchen, etwas Futter und ein Kissen. Ende Juli hat jemand am Parkplatz eines Supermarktes die Katze Elli zurückgelassen. Jetzt ist sie im Tierheim Feucht.

Tiere aussetzen ist nach dem Tierschutzgesetz verboten. Bis zu 25 000 Euro Strafe kann das den Täter kosten. Allerdings ist es für Tierheime oft nur schwer zu unterscheiden, ob ein Fundtier ausgesetzt wurde oder ob es weggelaufen ist. „Der klassische Fall ist, dass jemand ein Tier vor dem Tierheim abgestellt oder angebunden hat“, erzählt Herbert Sauerer, der Vorsitzende des Tierheims Feucht. In diesem Fall erstattet das Tierheim Anzeige bei der Polizei. Das passiert in der Regel während der Urlaubszeiten. „Ob Sommer- oder Winterferien macht da keinen Unterschied“, sagt Sauerer.

Zusätzliche Arbeit

Dieses Jahr hat das Tierheim Feucht vier ausgesetzte Tiere aufgenommen. Zum Vergleich: 2016 waren es acht, 17 im Jahr 2015 und vier in 2014. Insgesamt kommen etwa 700 Tiere im Jahr neu dazu. Vier Tiere bei 700 insgesamt erscheinen auf den ersten Blick wenig. Doch das Aussetzen von Tieren ist eine Straftat und sollte überhaupt nicht passieren. Falls es jemandem aus guten Gründen nicht mehr möglich ist, sein Tier zu halten, kann er es ins Tierheim bringen. „Wir reißen da niemanden den Kopf ab“, sagt Sauerer. Hunde und Katzen können lange leben, da ist es durchaus möglich, dass sich die Lebensumstände so verändern, dass Halter ihre Tiere nicht mehr versorgen können. Dafür gibt es das Tierheim.

Das Tier einfach auszusetzen, macht es dem Tierheim zusätzlich schwer. Gibt ein Besitzer sein Haustier ab, fragen die Mitarbeiter nach dem Tierarzt, dem Futter und worauf sie sonst achten müssen. „Wir quetschen die Besitzer da richtig aus“, sagt Regina Landgraf, die Assistentin der Tierheimleitung. Vor allem müssen sie wissen, ob das Tier geimpft ist. „Wenn es ausgesetzt wurde, müssen wir praktisch bei Null anfangen“, erklärt Pflegerin Sabine Schäfer. Dann kommt es erst einmal in Quarantäne.

Keine Chance für die Polizei

Den Täter finden die Ermittler selten. „Es ist eigentlich unmöglich“, sagt Herbert Lasch von der Polizei Altdorf. Das liegt daran, dass niemand sein Tier aussetzt, wenn er weiß, es ist gechipt oder tätowiert. Deswegen haben die Ermittler keinen Anhaltspunkt für ihre Suche. Auch denjenigen, der Elli in ihrem Körbchen zurückgelassen hat, konnte die Polizei nicht finden.

Wer in den Urlaub fahren möchte, sollte sich bereits vor der Anschaffung eines Haustieres überlegen, was er während der Ferien mit ihm machen kann. Eine Lösung können Nachbarn, Kinder oder Bekannte sein, die sich in der Zeit der Abwesenheit um das Tier kümmern. Eine andere Möglichkeit ist eine Tierpension. Tierheime dagegen nehmen Tiere nur in sehr seltenen Fällen für begrenzte Zeit auf. Wer keine Lösung findet, kann eben nicht in den Urlaub fahren. „Das muss man sich schon vorher überlegen“, sagt Landgraf.

Tiere auszusetzen stößt bei den meisten auf absolutes Unverständnis. „Das ist furchbar. Ich dachte, das gäbe es nur in Frankreich, aber anscheinend werden auch in Deutschland Tiere ausgesetzt“, sagt Jutta Weiß, die in Frankreich lebt und in Feucht einen Hund adoptieren möchte. „Ich find‘s schwach. Wer ein Tier hält, hat auch die Verantwortung dafür“, meint Schäfer.

Es gibt verschiedene, andere Wege, auf denen Tiere ins Tierheim kommen können. Sie werden entweder von Besitzern übergeben, gefunden, im Heim geboren oder von der Polizei zur Verwahrung abgegeben. Im Normalfall werden tatsächlich auch alle Tiere, die in die Feuchter Einrichtung kommen, weitervermittelt.

Momentan befinden sich 210 Tiere in der Obhut des Feuchter Vereins, der Platz für etwa 250 hat. „Wir vermitteln quasi drei Mal im Jahr das ganze Tierheim weiter“, schmunzelt Regina Landgraf.

Sarah Grünewald

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren