Protest gegen Info-Stand

Einig gegen die AfD

Während Rathausparteien und -gruppierungen auf den Sparkassenplatz Flagge zeigten, blieb es am Stand der AfD auf der anderen Straßenseite ruhig. Foto: Alex Blinten2020/02/Feucht-AfD-Demo1-scaled.jpg

FEUCHT – Eigentlich wollten die Feuchter zunächst nur eine gemeinsame Reaktion zeigen gegen den von der AfD im Feuchter Ortstzentrum geplanten Infostand. Dann kamen die Morde von Hanau und alles bekam noch einmal eine ganz eigene Dynamik. Rund 200 Menschen, Anhänger aller im Rathaus der Marktgemeinde vertretenen Parteien und Gruppierungen, haben sich am Samstag am Sparkassenplatz versammelt. Hermann Hagel von der Friedensinitiative Feucht hatte im Vorfeld noch einmal per Mail mobil gemacht und mit dafür gesorgt, dass neben Feuchtern auch Mitstreiter aus Nachbarkommunen vor Ort waren.

„Schämt euch“

Während Hagel und weitere Redner kurze Stellungnahmen zur aktuellen polititschen Situation und zur Rolle der AfD in der deutschen Politik gaben, blieb es auf der anderen Straßenseite am Stand der von allen kritisierten Partei ruhig. Passanten beäugten misstrauisch die beiden AfD-Vertreter: Klaus Norgall war am Stand, Feuchter Bürger und AfD-Kreisvorsitzender, und ein Parteifreund, der anonym bleiben will, weil er berufliche und andere Nachteile befürchtet, wenn er seinen Namen in der Zeitung liest. Ins Gespräch mit den politischen Gegnern, sagt Norgall, sei man tatsächlich kurz gekommen, weil eine Gruppe um Inge Jabs (SPD) die Straße überquerte und mit ihm und seinem Mitstreiter gesprochen habe. Die Debatte blieb aber kurz und an der Oberfläche. Während der AfD-Kreisvorsitzende das dem Redakteur des Boten erzählt, tritt ein Passant heran: „Schämt euch“, ruft er, wendet sich ab und geht weiter.

Politik soll „durchgreifen“

Hermann Hagel bezieht sich in einer Rede kurz darauf auf eine Stellungnahme der Nürnberger Allianz gegen Rechts, die ihre Solidarität mit den Angehörigen der Opfer von Hanau ausgesprochen hatte. Tanja Holl aus Schwarzenbruck zeichnet ein düsteres Bild: Die Situation sei extrem schwierig, man müsse Angst haben und immer fürchten, bedroht zu werden. „Das darf nicht sein, dass die ihre Spielchen wie in Thüringen spielen und uns an der Nase herum führen.“ Die AfD sei menschenverachtend, deren Ausländer- und Islamfeindlichkeit kaum auszuhalten, hier müsse die Politik endlich durchgreifen.

In Feucht jedenfalls sah es am Samstag so aus, als hätte die AfD ohnehin einen schweren Stand. Der geballten Einigkeit der Rathausparteien und -gruppierungen hatte die Partei nichts entgegenzusetzen, Norgall und sein Mitstreiter hörten sich lediglich an, was ihre Gegner auf der anderen Straßenseite ins Mikrofon sprachen. Darunter auch Kai-Uwe Kuwertz aus Schwarzenbruck, der den Schwarzenbrucker Unternehmer Peter Weber ins Visier nahm. Der habe mit „Hallo Meinung“ eine Gruppierung ins Leben gerufen, auf deren Webseite Kommentatoren von einem Umsturz sprechen würden. „Dagegen müssen wir angehen“, fordert Kuwertz.

Für Ernst Klier macht die AfD die Demokratie verächtlich. Deshalb sieht er auch die Demokratie durch die neue Partei bedroht. Klaus Norgall dagegen weiß nicht so recht, wie er mit solchen Befürchtungen umgehen soll.

„Die sind in Deckung gegangen“

Als er seinen Infostand vorbereitete, sagten ihm Parteifreunde Unterstützung zu und versicherten auch, am Samstagvormittag mit ihm am Stand zu sein. „Die sind nun aber alle in Deckung gegangen“, sagt der AfD-Kreisvorsitzende. Vielleicht haben die Ereignisse von Hanau mit dazu geführt, dass sich Parteimitglieder nicht in der Öffentlichkeit an einem Infostand zeigen wollten. Außerdem: Den Gegenwind von der anderen Straßenseite muss man ja auch erst einmal aushalten können.

Genau für diesen Gegenwind wollen die Aktivisten aus der Feuchter Friedensinitiative um Hermann Hagel aber weiter sorgen.

Wenn die AfD erneut in Feucht informieren will, wird sie abermals mit Protesten konfrontiert sein. Am Samstag allerdings gaben sich Norgall und sein Mitstreiter nach außen unbeeindruckt.

Dass Hermann Hagel mit einer Lautsprecheranlage am Sparkassenplatz erschien, selbst Statements verlas und das Mikro an andere Redner weitergab, kam am Ende nicht bei allen Marktgemeinderäten gut an. Vorher sei doch lediglich eine Schweigeminute zum Gedenken an die ermordeten Menschen von Hanau vereinbart gewesen, stellte der dritte Bürgermeister Gerd Steuer (UCS) fest.

Klaus Norgall blieb schließlich angesichts der Proteste gegen seine Partei entspannt. Die Veranstaltung am Sparkassenplatz, da ist er sich sicher, bringe der AfD nur zusätzliche Aufmerksamkeit.

Die Polizei war mit mehreren Streifenwagen präsent, musste aber zu keinem Zeitpunkt einschreiten.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten