Kampagne des Tierschutzbundes

Die Tierheime helfen. Helft den Tierheimen!

Sind sich einig, dass in Sachen Tierschutz und auch zum Schutz der Schützer einiges getan werden muss: Stellvertretende Tierheimleiterin Gitta Teufel, Leiterin Ulrike Lang, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes Thomas Schröder, 1. Vorsitzender des Feuchter Tierheims Herbert Sauerer, Andreas Brucker vom Bayerischen Landesverband des Tierschutzbundes und stellvertretende Landrätin Cornelia Trinkl. Die hübsche und zutrauliche Podencomix-Hündin Yumas ist übrigens noch zu haben. | Foto: Hornung2016/08/Feucht-Tierheim-Tierheimtour1.jpg

FEUCHT – Im Rahmen ihrer Tierheimtour besuchten der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes Thomas Schröder und der Vertreter des Bayerischen Landesverbandes Andreas Brucker das Tierheim in Feucht. Mit ihrer Tour und der Kampagne „Tierheime helfen. Helft Tierheimen!“ wollen sie auf die besorgniserregende Situation der bayerischen Einrichtungen aufmerksam machen und die politischen Organe in die Pflicht nehmen.

Alle Jahre wieder im Sommer bricht der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes Thomas Schröder auf, um sich vor Ort ein Bild der Lage derer zu machen, die er vertritt. Derzeit sind das mehr als 740 Tierschutzvereine und über 550 Heime deutschlandweit. Die Lage der Einrichtungen in Bayern, das wusste er schon im Vorhinein, ist dramatisch. Deswegen ist die diesjährige Sommertour zugleich eine Kampagne für eine größere öffentliche Aufmerksamkeit und um den Druck auf Land und Kommunen zu erhöhen. Bevor er auf Ursachen der Krise und Lösungsansätze einging, gratulierte Schröder den Feuchtern für ihre ausgezeichnete Arbeit. 2014 wurde der Einrichtung der Deutsche Tierschutzpreis verliehen, zu Recht, wie er betonte. Man merke, dass das Haus mit Liebe, Herz und Verstand geführt werde. Dennoch bekomme man auch hier die Krise zu spüren, in der sich viele Tierheime zur Zeit befinden.

Längerfristige Planungssicherheit sei kaum möglich. Auch in Feucht wisse man lediglich für die kommenden drei bis sechs Monate, wie es weiter gehe. Den Hauptgrund dafür sieht Schröder darin, dass Bundesland und Kommunen ihrer gesetzlichen Verpflichtung in puncto Tierschutz nicht nachkommen und die Heime nicht ausreichend finanzieren, während die Herausforderungen und Aufgaben für die Einrichtungen stetig steigen.

Kommunale Pflichtaufgabe

Zu den kommunalen Pflichtaufgaben gehört die artgerechte Unterbringung von Fund- und beschlagnahmten Tieren nach dem Bundesgesetzbuch für mindestens sechs Monate. Durchschnittlich sind die Heime zu etwa 70 bis 80 Prozent mit solchen Tieren belegt. Die Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben ist verbunden mit Kosten für Quarantäne- und Krankenstationen, Räumlichkeiten und fachlich geschultes Personal. Weder die Dauer von Zahlungen aus öffentlicher Hand noch die Höhe der erstattungsfähigen Kosten sind jedoch gesetzlich und einheitlich geregelt. Infolgedessen werden nur etwa 25 bis 30 Prozent der Ausgaben tatsächlich von Behörden übernommen. Das Tierheim Feucht gibt jährlich etwa 65.000 Euro allein für die Fundtierbetreuung aus. Von Land und Gemeinde bekommt es etwa 12.000 Euro – also nicht einmal 20 Prozent. „Und das sind nur die Kosten, die für die Fundtiere anfallen“, betont Schröder nochmals. Hinzu kommen Personal- und Bewirtschaftungskosten. An eigentlich notwendige Rücklagen für Baumaßnahmen sei nicht zu denken. Aus ethischen und aus Satzungsgründen sind Tierheime verpflichtet zu helfen. Diesem Selbstverständnis sei es wohl zu verdanken, dass sie die öffentliche Aufgabe des Tierschutzes übernehmen, ohne dass die zuständigen Institutionen die Kosten decken. „Ministerpräsident Horst Seehofer muss das Thema ‚Fördertopf für Tierheime‘ endlich zur Chefsache machen“, erklärt Thomas Schröder. Ein Problem, das auch das Tierheim Feucht immer wieder betrifft, ist der illegale Welpenhandel. Mit verschärften Grenzkontrollen steigen auch derartige Tierfunde.

Andreas Brucker sieht die Landesregierung hier besonders in der Pflicht: „Wir brauchen dringend einen Maßnahmen- und Finanzierungsplan, der mit den Tierheimen und den Grenz- und Veterinärbehörden abgesprochen ist, damit der praktische Tierschutz in Bayern stabilisiert werden kann.“ Um die betroffenen Tierheime baldmöglichst zu entlasten und eine Erstaufnahme zu garantieren, hat der Deutsche Tierschutzbund die Aufstellung von zehn Überseecontainern in Autobahnnähe entlang der Grenze beschlossen. 200.000 Euro nehme man dafür in die Hand. Auch das Tierheim Feucht bekommt eine kleine Finanzspritze: Schröder verspricht eine Spende von 5000 Euro, die der Tierschutzbund verdoppelt, wenn die örtlichen Kommunen bereit sind, ebenso viel dazu zu geben.

Trinkl als Fürsprecherin

Stellvertretende Landrätin Cornelia Trinkl versprach, sich als Fürsprecherin bei den Bürgermeistern für eine Fundtierpauschale und die Anliegen der Tierschützer einzusetzen. Das Angebot, den Zuschuss zu verdoppeln, betrachte sie als Herausforderung.

Was die Landespolitik betreffe, müsse man gemeinsam an einer Verbesserung arbeiten. Auch Feuchts zweite Bürgermeisterin Katharina von Kleinsorgen, die gemeinsam mit ihrem Kollegen, dem dritten Bürgermeister Gerd Steuer, erschienen war, versicherte: „Wo ich Einfluss habe, werde ich ihn nutzen.“

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