Die Linke hat die Fünf-Prozent-Marke fest im Blick

FEUCHT — Richard Schlappa ist zuversichtlich. Fünf Prozent kann Die Linke bei der Landtagswahl schaffen, sagt der Feuchter, der am 28. September für die aus PDS und WASG verschmolzene neue Partei als Spitzenkandidat im Wahlkreis Nürnberger Land in den Ring steigt. Themen, mit denen Die Linke punkten kann, gibt es nach Schlappas Überzeugung zuhauf. Beispiel Mindestlohn. ,Hier hat die SPD allerdings bei uns abgeschrieben, nachdem sie Ende letzten Jahres noch im Bundestag gegen dessen Einführung gestimmt hatte“, so der selbstständige Kaufmann.

Zum Kandidaten gekürt hat Die Linke den Feuchter im Frühjahr dieses Jahres. Bewusst entschied man sich damals für ein Mitglied des Kreisvorstands. Dieser ist zwischenzeitlich von drei auf sechs Mitglieder erweitert worden, Schlappa ist einer der drei gleichberechtigten Vorstandssprecher. Politisch aktiv wurde der gebürtige Oberschlesier erst 2004, seitdem er mit zunehmendem Unmut beobachten musste, wie sich die politische Richtung und das ökonomische Umfeld in Deutschland zunehmend veränderten – aus seiner Sicht zu Lasten ganzer Bevölkerungsschichten.

2004 trat er in die WASG ein. ,Ein wesentlicher Gedankenanstoß war für mich, dass mich meine Kinder einmal fragen könnten: Warum habt ihr damals eigentlich nichts unternommen?“, sagt er. In der Wahlalternative Soziale Gerechtigkeit sah Schlappa seinerzeit die Möglichkeit, auf politischer Ebene etwas zu bewegen. Seit Gründung der Linken ist er im Nürnberger Land Mitglied des Vorstands. Derzeit ist die Mitgliederzahl seiner Partei im hiesigen Wahlkreis mit 40 noch recht übersichtlich, allerdings beobachtet Schlappa, dass die Zahl stetig wächst. ,Wir haben ständig Zugänge, das macht uns sehr optimistisch“, so der studierte Betriebswirt. Auch für Feucht, wo es noch keinen Ortsverband der Linken gibt.

Der Spitzenkandidat für die Landtagswahl möchte einen solchen lieber heute als morgen aus der Taufe heben – allerdings müssen sich dazu Mitstreiter finden. Die kann man aber nur zu einem Engagement bewegen, wenn man bekannt ist. Schlappa wollte deshalb den Infokasten der Gemeinde nutzen, der für die örtlichen Parteien zur Verfügung steht. Mit dem Hinweis, dass die Linke in Feucht keinen Ortsverband hat, lehnte man das Ansinnen im Rathaus ab. Jetzt soll Schlappa abwarten, bis der Hauptstraßenumbau abgeschlossen ist und dann mit seinem Wunsch noch einmal an die Marktgemeinde herantreten.

Der Kaufmann steht für die Positionen der Linken: Ausstieg aus der Atomenergie, Kostenfreiheit im Bildungswesen, Kampf gegen den Einfluss von Unternehmen und Lobbyisten auf die Politik, Abzug aus Afghanistan und größtmögliche Beteiligung der Öffentlichkeit am politischen Geschehen im Bund und im Freistaat.

Der 59-jährige Spitzenkandidat der Linken spricht sich auch für eine personelle Verbesserung bei Polizei, Justiz und Finanzbehörden aus. Insbesondere die Wirtschaftskriminalität erfordere qualifizierte und personell gut ausgestattete Verfolgungsbehörden. Den Verfassungsschutz freilich hält Schlappa für überflüssig und würde ihn abschaffen. Derzeit haben die Verfassungsschützer die Linke bekanntermaßen noch im Visier und beobachten, ob Schlappa und seine Parteifreunde sich verfassungsfeindlich betätigen.

Alex Blinten

N-Land Hersbrucker Zeitung
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