Junger Moosbacher stürzte in Gleisbett

Brüder retteten Jungen aus tödlicher Gefahr

Genau hier ist es passiert – an der Bahnsteigkante in Moosbach, jenseits der weißen Sicherheitslinie. Dominik und Niklas Rehwinkel reagierten blitzschnell und retteten einem jungen Moosbacher das Leben. Foto: Blinten2017/06/Niklas-und-Dominik-Rehwinkel1.jpg

MOOSBACH – Ein Brüderpaar hat in Moosbach einem Jugendlichen das Leben gerettet. Es hievte den ohnmächtig ins Gleisbett gestürzten Jungen vor dem Herannahen der S-Bahn auf den Bahnsteig.

Wenn Peter heute über den Vorfall am Moosbacher S-Bahnhof spricht, der ihn beinahe das Leben gekostet hätte, wirkt er ganz gelassen. Cool heißt das in der Sprache des 14-Jährigen, der seinen richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen will und den wir deshalb einfach Peter nennen. Der junge Moosbacher erinnert sich nicht mehr an alles, was da am Bahnsteig passiert ist, nur bruchstückhafte Bilder sind noch da in seinem Kopf.

Ein Freitagmorgen am Bahnhof in Moosbach: Viele Leute stehen am Bahnsteig und warten auf die S-Bahn, Berufs-Pendler und Schüler. Die Leute plaudern miteinander und sind gut gelaunt. Das Wochenende ist nicht mehr weit. Peter geht ein paar Schritte auf und ab, überquert dabei die weiße Sicherheitslinie und gelangt nahe an die Bahnsteigkante. Dann wird ihm plötzlich schwindlig. Erinnern kann Peter sich heute nur noch, dass ihm irgendwie schwarz vor Augen wurde.

Sturz ins Gleisbett

Der junge Moosbacher bricht an jenem Freitagmorgen an der Bahnsteigkante zusammen und stürzt 1,30 Meter hinab ins Gleisbett. Wahrgenommen haben den Fall viele Umstehende, schnell reagiert haben dann aber nur die beiden Brüder Niklas (14) und Dominik Rehwinkel (15) aus Moosbach. Geistesgegenwärtig springen die beiden hinab auf die Schottersteine. Als Söhne eines Bahnmitarbeiters wissen sie: Hier besteht jetzt höchste Lebensgefahr, wenn man nicht sofort handelt. Niklas und Dominik packen Peter unter den Achseln und an den Beinen und stemmen ihn hoch – in Sicherheit.

Was in der Erzählung der beiden so selbstverständlich und leicht daher kommt, war in der Realität Schwerstarbeit. Der für sein Alter außergewöhnlich großgewachsene Peter wiegt nämlich über 70 Kilogramm. Dabei haben die Jungen das Bild der einfahrenden S-Bahn im Hinterkopf. Wieviel Zeit haben sie? Drei Minuten, zwei, oder nur eine Minute? Als Niklas und Dominik den gestürzten Peter hochheben, erwacht der aus seiner Bewusstlosigkeit und kann dann kurzzeitig dem Brüderpaar mithelfen, ist aber so schwach, dass er ohne die Unterstützung der Jungen nicht mehr auf den Bahnsteig hätte zurückklettern können. Später wird sich dann herausstellen, dass Peter beim Sturz eine schwere Gehirnerschütterung davontrug.

Wie reagierten die anderen Leute auf dem Bahnsteig? Offenbar haben viele den Ernst der Lage zunächst gar nicht realisiert. Niklas und Dominik waren bei ihrer Rettungsaktion auf sich allein gestellt, niemand wagte den Sprung hinab ins Gleisbett. Allerdings griffen einige der Umstehenden zum Handy und riefen die 110 an, so dass binnen weniger Minuten der Rettungsdienst vor Ort war. Unmittelbar nachdem Dominik und Niklas den verunglückten Peter auf den Bahnsteig gelegt hatten, traf die S-Bahn ein. Die Brüder haben dem 14-Jährigen das Leben gerettet. Stoppen hätte man die S-Bahn nur über eine Notrufnummer der Bahn, die aber lediglich für den internen Dienstgebrauch bereit steht. Wäre es da nicht dringend nötig, eine solche Nummer für Fälle wie in Moosbach an jedem Bahnsteig zu veröffentlichen, damit Zeugen blitzschnell dafür sorgen können, dass der Lokführer seinen Zug anhält? Das ist leider nicht möglich, sagt ein Mitarbeiter der zentralen Bahn-Pressestelle in Berlin. Die Veröffentlichung der Notrufnummer lade geradezu zum Missbrauch ein. Dafür seien aber an den Bahnsteigen die Nummern der Bahnpolizei und der Servicestelle der Bahn in Schaukästen ersichtlich. Wenn es aber ganz schnell gehen muss? Wenn Menschen im Gleisbett sind und sich ein Zug nähert? Dann könnten Bahnreisende auf dem Bahnsteig dem Zug entgegen laufen und den Lokführer durch deutliches Winken auf die Notfallsituation aufmerksam machen, so dass dieser seinen Zug noch rechtzeitig stoppen könnte, so der Sprecher der Bahn.

Schreck-Moment gut verkraftet

Peter hat seine Gehirnerschüt-terung zwischenzeitlich auskuriert. Dass er an jenem Freitagmorgen auf dem Bahnsteig bewusstlos zu-sammenbrach, muss damit zusammen hängen, dass Peter innerhalb kurzer Zeit schnell gewachsen ist, sagt seine Mutter. Der Kreislauf hat offenbar verrückt gespielt. Aber auch der ist wieder im Lot. Gemeinsam mit Niklas und Dominik erzählt der 14-Jährige locker von den Schreck-Momenten am S-Bahnhof. Das Brüderpaar ist dabei ebenso cool wie Peter. „War doch klar, dass wir da sofort helfen mussten“, sagt Dominik. Gemeinsam mit Niklas hat er aber einen Wunsch: Wenn so viele Leute am Bahnsteig sehen, dass sich ein Unglück ereignet, sollten doch unbedingt viel mehr Menschen beherzt eingreifen.

 

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