Seniorenzentrum in Feucht

BRK oder Rummelsberg?

Das Grundstück in der Zeidlersiedlung ist bestens geeignet findet der Projektentwickler, der mit dem BRK seine Vorstellungen verwirklichen will.2016/11/BRK-Praesentation-Pflegeheim.jpg

FEUCHT – Da waren es nur noch zwei: BRK und Rummelsberger Diakonie präsentierten dem Feuchter Marktgemeinderat ihre Vorstellungen für das geplante Seniorenzentrum am Standort Zeidlersiedlung. Der ebenfalls mit in die Wahl der möglichen Betreiber einbezogene AWO-Kreisverband legte letztendlich doch kein Konzept vor.

Ob nun die Rummelsberger Diakonie oder das BRK mit seinem Konzeptentwickler zum Zug kommt bleibt bis zu einer Sondersitzung des Marktrates am 1. Dezember offen. Nach kurzer Diskussion entschied sich der Marktgemeinderat mehrheitlich, das Thema in den Fraktionen zu beraten.
Klare Vorgaben

Die Vorgaben waren klar definiert: „Ziel der Einrichtung ist Wohnen für Menschen aller Pflegestufen. Auch die Betreuung und Pflege für Demenzerkrankte muss angeboten werden. Die Senioreneinrichtung in Feucht soll zwischen 80 und 120 Plätze enthalten. Ein „stationärer“ Pflegedienst soll in der Einrichtung vorhanden sein. Tages- und Kurzzeitpflege soll ebenfalls angeboten werden. Eine Einrichtung für Betreutes Wohnen ist allenfalls untergeordnet vorstellbar. Weitere Bausteine, wie Café, Praxen etc. können optional mit eingeplant werden. Dem Konzept des Betreibers wird nur zugestimmt, wenn es sich um eine Einrichtung mit Versorgungs-Vertrag nach § 72 SGB XI handelt.“

Während das BRK einen Konzeptentwickler mit im Boot hat präsentieren die Rummelsberger alles aus einer Hand.

Das BRK-Konzept

Für die SH GmbH&Co. Projektentwicklungs KG präsentierte H. Stranzinger, der mit BRK-Kreisgeschäftsführer Markus Deyhle gekommen war, seine Vorstellungen. Zunächst verwies er auf eine ganze Reihe von Referenzobjekten.
Man sei auf diesem Gebiet ein sehr erfahrener Partner und aufgrund der langjährigen Zusammenarbeit mit dem BRK-Landesverband habe man große Erfahrungen. Das vorgesehene Grundstück in der Zeidlersiedlung sei optimal, um auch in Feucht das bewährte Konzept zu realisieren.

Das Projekt ist modular aufgebaut und bietet ein umfassendes Betreuungs-, Wohn- und Pflegeangebot für Feucht und seine Bürger, mit dem Ziel, passgenaue Leistungen für jede Situation anzubieten. Durch die Vielzahl der vorgesehenen Angebote können die Betroffenen auch bei steigendem Pflege- und Hilfebedarf im Quartier bleiben.

Geplant sind 60 Plätze für stationäre Pflege, 40 Plätze teilstationär und 24 seniorengerechte Wohnungen (1 – 2 Personen), insgesamt also 124 Plätze.
Die Stationäre Pflege ist dezentral als Wohngruppenkonzept organisiert. Dabei ist eine große Wohnküche das „Herz“ für ca. 15 Bewohner, je Wohngruppe.
Vorgesehen sind ein Demenzbereich mit eigenem Demenzgarten sowie eingestreute Kurzzeitpflegeplätze zur Entlastung pflegender Angehöriger z.B. bei Krankheit oder Urlaub.

Weiterer Bestandteil sind seniorengerechte Ein- bis Drei-Zimmerwohnungen, indenen die Bewohner den Pflegedienst frei wählen können. Je nach Wunsch werden die Wohnungen teilweise mit Sensortechnik (AAL Ambient Assisted Living) zur Unterstützung eines selbständigen Tagesablaufs ausgestattet.

Die Tagespflege soll allen Feuchter Bürgern offen stehen als Entlastung für pflegende Angehörige und soll bei entsprechender Nachfrage auch am Wochenende bzw. nachts geöffnet sein. Der in diesem Bereich geplante Multifunktionsraum könnte als Veranstaltungsraum von Vereinen und Bürgerngenutzt werden.

Mischung der Betreuungsformen

Stranzinger sieht in dem Konzept die optimale Mischung der Betreuungsformen (Stationäre Pflege, Kurzzeitpflege, Tagespflege und Seniorengerechtes Wohnen) und eine flexibles Konzept für Rüstige bis Schwerstpflegebedürftige und für Ehepaare mit unterschiedlichem Hilfebedarf.

SH finanziere selbst, biete aber Feuchter Bürgern die Möglichkeit, sich an dem Projekt zu beteiligen. Ein langfristiger Mietvertrag biete die Gewähr, dass das Objekt langfristig als Pflegeheim betrieben wird. Das BRK sei ein guter und verlässlicher Partner. Am Rande ließ er anklingen, dass sich hier eventuell der BRK-Bezirksverband mit der Verwaltung ansiedelt, was aber noch nicht spruchreif sei.

Kreisgeschäftsführer Markus Deyhle ergänzte, dass man sich freuen würde, „wenn wir dieses Projekt hier verwirklichen können.“

Die Rückfrage von Herbert Bauer (CSU), ob der stationäre Pflegebereich nicht zu klein geraten sei, beantwortete Stranzinger dahingehend, dass dies für ein Objekt dieser Größe ideal sei. Dies passe zu dem Konzept, das man insgesamt sehen müsse.

Inge Jabs (SPD) sprach ebenfalls die 60 Pflegeplätze an, die wiederum nur zwei Drittel des Bedarfs decken würden. Dem wollte Deyhle nicht zustimmen. Vielmehr gebe es rechnerisch im südlichen Landkreis ein Überangebot an Pflegeplätzen. Man müsse den Markt beobachten. Das Angebot und die Qualität würden entscheiden, wie eine neue Einrichtung angenommen wird.
Rummelsberger Vorstellungen.

Die Rummelsberger Diakonie hat ihre Vorstellungen vom Seniorenzentrum in Feucht bereits visualisiert dargestellt.
Die Rummelsberger Diakonie hat ihre Vorstellungen vom Seniorenzentrum in Feucht bereits visualisiert dargestellt.2016/11/2016-10-06-Praesentation-Gemeinderat_rummelsberg.jpg

Das Rummelsberger Konzept

Die Vorstellungen der Rummelsberger Diakonie erläuterten Karl Schulz, Geschäftsführer und Vorstand der Rummelsberger Dienste für Menschen im Alter und Diakon Werner Schmidt, der Leiter des Altenhilfeverbunds Rummelsberg.

Schulz verwies anhand der Zahlen (1200 Mitarbeitende, tägliche Betreuung von 2421 Menschen, 34 Angebote an 13 Standorten in 5 bayerischen Bezirken) auf die hohe Fachlichkeit und Kompetenz der Rummelsberger Dienste für Menschern im Alter und gab der Hoffnung Ausdruck, dass man auch in der Zeidlergemeinde die Vision und Idee eines Pflegezentrums umsetzen könne.
Werner Schmidt betonte, dass die Marktgemeinde Feucht eine der wenigen Kommunen in Bayern ohne eine stationäre Pflegeeinrichtung sei. Die nun ins Auge gefasste Einrichtung könnte bis zu 150 Menschen mit unterschiedlichem Pflegebedarf betreuen.

Für die Stationäre Pflege sind 80 Plätze, geplant, davon 40 Plätze für Menschen mit Demenz und 40 Plätze für schwerst pflegebedürftige Menschen bis hin zur palliativen Versorgung und Sterbebegleitung. Für den Bereich Tagespflege plant man 20 Plätze für die Pflegegrade I bis V von Montag bis Freitag.
Bayernweit einmalig sei die eingestreute Tages- und Nachtpflege mit flexiblen Betreuungszeiten rund um die Uhr.

Ein weiterer Baustein im Konzept ist Pflegewohnen. Geplant sind 40 bezahlbare Appartements für Menschen mit geringem bis mittleren Unterstützungsbedarf, wenn nötig mit Kurzzeit- und Verhinderungspflege (z.B. nach einem Krankenhausaufenthalt) und vorübergehend auch kurzfristiger stationärer Versorgung im Verbund mit dem Stephanusheim.

Für das leibliche Wohl im eigenen Hause soll ein mobiler Mahlzeitendienst sorgen, wobei im Haus selbst gekocht wird. Mit im Konzept Beratung und Schulung für Angehörige.

Gemeinsames Ziel für Feucht, so Schmidt, sei eine bürgernahe Rundumversorgung in Sachen Pflege. Deswegen strebe man von Anfang an einen intensiven Austausch und die Detailplanung mit der Gemeinde an, ebenso die Kooperation, auch mit den lokalen Partnern (z.B. Zentrale Diakoniestation, Caritas, Kirchengemeinden, Nachbarschaftshilfe und Seniorenbeauftragten). Sollte die Entscheidung für die Rummelsberger Diakonie fallen, würde man bereits im nächsten Jahr in den eigenen Schulen entsprechendes Personal ausbilden um die notwendigen Fachkräfte zur Verfügung zu haben.

Die Anspielung auf ein einmal bereits gescheitertes Projekt der Rummelsberger Diakonie in Feucht von Marktgemeinderat Herbert Bauer („Wer sagt uns dass es dieses Mal klappt?“) beantwortete Karl Schulz mit der Feststellung, dass die Rummelsberger Diakonie Zeiten des tiefgreifenden Wandels und der Erneuerung hinter sich habe. „Wir als Vorstand stehen hinter dem Projekt und haben den festen Willen, das auch umzusetzen.“ Die Rummelsberger würden selbst als Investor und Bauherr auftreten und bei der Verwirklichung lokale Betriebe berücksichtigen.

Hannes Schönfelder sprach die Lärmbelastung an. Der Lärmschutz sei in den Griff zu bekommen wurde ihm geantwortet, ein entsprechendes Gutachten liege bereits vor.

Entscheidung am 1. Dezember

Nach der Vorstellung der Konzepte drehte sich die Diskussion in erster Linie darum, ob man bereits eine Entscheidung treffen kann oder noch Diskussionsbedarf besteht. Den sah vor allem die CSU, deren Fraktionsvorsitzende Karin Reiwe angesichts der doch etwas differenzierten Konzepte noch internen Diskussionsbedarf sieht.

Seitens der SPD, so Lothar Trapp für die Fraktion, könne man bereits eine Entscheidung treffen und Tanja Grasser-Bertl fügte an, je eher man entschiede um so schneller könne begonnen werden. Und Petra Fischer merkte an, dass die Entscheidung leicht sei „weil die Pflegeplätze zählen.“ „Wenn noch Bedarf da ist, dann sollten wir noch diskutieren“, meinte Bürgermeister Konrad Rupprecht. Das war dann nach einer kurzen Sitzungsunterbrechung Konsens. Die Entscheidung fällt nun am 1. Dezember.

N-Land Lorenz Märtl
Lorenz Märtl