Braxen taugten nur für die Pinguine

Eine Testlieferung aus dem Altmühlsee: Für das Filetieren waren die Braxen, die hier freiwillige Helfer präsentieren, zu klein. Foto: Märtl2007/11/20071108_tafelfisch2_big.jpg

FEUCHT — Die Fischerei-Experten sind ratlos wie selten und bei den nordbayerischen Tafeln wurde es heuer nichts mit dem frischen Fisch! Buchstäblich in letzter Minute musste die generalstabsmäßig bis ins kleinste Detail vorbereitete Gemeinschaftsaktion des mittelfränkischen Fischereiverbandes und der nordbayerischen Tafeln abgeblasen werden. Anknüpfend an die Erfahrungen des letzten Jahres hatte man beim Abfischen des Altmühlsees mit etwa 40 Zentnern Braxen-Filet gerechnet, aber der Fang in den ersten Schleppnetzen war hinsichtlich des Gewichts der einzelnen Exemplare so mickrig, dass er sich allenfalls als Leckerbissen für die Pinguine im Nürnberger Tiergarten eignete, aber nicht für die Verarbeitung als Speisefisch für die Tafeln.

Nichts wurde es also aus dem Weißfisch, bekannt als die silberne Delikatesse, für die es bei den Tafeln reißenden Absatz gegeben hätte, für die Chef-Organisator Gerhard Hampl beim Landesfischereiverband Bayern sogar 700 Rezeptbücher kostenlos ergattert hatte. Als Abnehmer standen die Tafeln Marktheidenfeld, Gemünden, Lohr, Karlstadt, Würzburg, Höchberg, Amberg, Kissingen, Brückenau, Bayreuth, Nürnberg, Fürth, Roth und Nürnberger Land bereit.

Und weil man aus den Erfahrungen des letzten Jahres, als man innerhalb eines Tages knapp 50 Zentner angeliefert bekam und diese auch verarbeiten musste, gelernt hatte, wollte man nicht nur die Arbeit auf zwei Tage, sondern auch auf mehrere Schultern bei den Helfern verteilen, einschließlich der Verwendung moderner Gerätschaften wie Vakuumverpackungsmaschine, elektrischer Fischbetäuber, Filetiermesser, Grätenschneider und entsprechender Behältnisse, die der mittelfränkische Fischereiverband kostenlos bereit stellte. So sollte es möglich sein, den Tafeln praktisch grätenfreie Filetstreifen der Braxen (500 bis 1.000 Gramm) vakuumverpackt zu liefern.

Als Helfer standen sowohl Freiwillige der Tafeln als auch der Fischereivereine bereit, die durch die Bank von der Idee begeistert waren, frischen Fisch den vielen Tafelkunden in ganz Nordbayern zur Verfügung zu stellen.

Die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag war für den 2. Vorsitzenden der Nürnberger Land Tafel, Gerhard Hampl, alles andere als geruhsam. Rund 60 Telefongespräche und eine Menge Mails galt es zu versenden, um alle Beteiligten über den neuesten Stand zu informieren. Dass im Tafel-Lager am Lohweg in Feucht gestern doch emsiger Betrieb herrschte, lag zum einen am Tagesgeschäft, das trotzdem laufen musste, und zum anderen daran, dass man die Gerätschaften wieder abbauen und abtransportieren musste. Und selbst dabei zeigte sich, dass die Tafel nicht nur viele Helfer, sondern auch großzügige Gönner hat. Die auf dem Feuchter Bauernmarkt vertretene Metzgerei Geier aus Bischberg und das Backhaus Fuchs aus Altdorf, die ursprünglich für die zweitägige Aktion kostenlos warmes Essen und Backwaren für die über 50 freiwilligen Helferinnen und Helfer angekündigt hatten, sorgten für die Brotzeit.

Hampls Dank ging aber auch an die, die ebenfalls Hilfe und Unterstützung zugesagt hatten, wie die Feuchter Metzgerei Wejda, die die Kosten für die geplante umfangreiche Entsorgung der Fischabfälle zugesagt hatte, die Firma HTDV GmbH Endlich aus Wendelstein, die mehrere Tausend Vakuum-Verpackungsbeutel zur Verfügung gestellt hätte sowie die Firma Evenord (Metzgereibedarf) in Nürnberg.

Vielleicht gelingt es der Tafel in diesem Zusammenhang doch noch, einen Fisch an Land zu ziehen: die Außenwirkungen der Logistik-Zentrale Nordbayern (wir berichteten) bringen es mit sich, dass die Tafel in immer größerem Umgang Tiefkühlkost zur Verfügung gestellt bekommt.

Was fehlt, sind aber entsprechende Tiefkühleinrichtungen. Zwar stellt die Firma Ristic in Oberferrieden kostenlos zeitweise Kapazitäten zur Verfügung, aber eine eigene Kühlanlage wäre eine feine Sache. Vielleicht steht irgendwo eine intakte, aber nicht mehr benötigte Anlage. Darüber hinaus sind jederzeit Spenden dafür willkommen. Spendenkonto 191 418 bei der Raiba Feucht, BLZ 760 694 40, oder Sparkasse Nürnberg, Konto 578 334 682, BLZ 760 501 01.

Lorenz Märtl

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