Kostenfalle

Billigstrom kann teuer werden

Sparen beim Stromvertrag ist natürlich möglich, doch es kommt auf das Kleingedruckte an. | Foto: Adobe Stock2019/05/Feucht-Billigstrom.jpg

FEUCHT/SCHWARZENBRUCK – Unseriöse Energieanbieter locken Kunden mit Dumping-Angeboten. Nach dem ersten Vertragsjahr aber heben sie schlagartig die Preise.

Raimund Vollbrecht, Geschäftsführer der Gemeindewerke Feucht, hat immer wieder Kontakt mit Stromkunden, die auf die vermeintlich supergünstigen Angebote der Billig-Konkurrenz hereingefallen sind. So etwa mit Angelika Sternberg aus Feucht, die mit ihrem Mann einen Vertrag bei der Bayerischen Energieversorgung (BEV) abgeschlossen hatte. Die Beiden ärgerten sich, als sie ein Schreiben erhielten, das eine Preisanhebung in Höhe von 43 Prozent ankündigte. Die Sternbergs kündigten den Vertrag und kamen mit einem blauen Auge davon, als die BEV zahlungsunfähig wurde. Vorabzahlungen hatten sie nicht geleistet, so dass sie bei der Insolvenz des Unternehmens kein Geld verloren.

53 Euro gespart, 250 draufgezahlt

Rainer Rupprecht aus Moosbach hatte einen Vertrag mit einem anderen Billiganbieter abgeschlossen, mit dem er im ersten Jahr 53 Euro weniger zahlte als bei den örtlichen Gemeindewerken. Im Jahr darauf dann der Schock: Auf einmal musste er 250 Euro mehr zahlen – für Rupprecht Anlass, zu kündigen.

Massenhafte Kündigungen von Kunden sind oft die Ursachen, dass die Discounter zahlungsunfähig werden – so geschehen bei der Bayerischen Energieversorgung, die auf ihrer Internetseite mit einem Panoramabild aus Oberbayern warb. Mit Bayern freilich verband die Firma bis auf die hier ansässigen Kunden nichts. Sie hatte ihren Sitz in der Schweiz.

Teldafax, Flexstrom, Care-Energy und Bayerische Energieversorgung: Das sind die größeren unter den Stromdiscountern, die in den vergangenen sechs Jahren den Bach runter gingen.

„Der Kontakt vor Ort zum ansässigen Energieanbieter ist viel wichtiger“, sagt der Moosbacher Rupprecht heute. Er ist wie auch die Familie Sternberg jetzt Kunde bei den Feuchter Gemeindewerken. Die tauchen zwar in den Vergleichslisten von Check 24 und Co. nicht unter den ersten zehn günstigsten Anbietern auf, sind aber verlässlich in der Preisgestaltung und erläutern die bis auf den letzten Cent.

Börsenpreis steigt und steigt

Von Mitte 2017 bis Dezember 2018 stieg der Börsenpreis für Strom in Deutschland um 90 Prozent. Steuern, Abgaben und Umlagen auf Strom stiegen seit 1998 um satte 292 Prozent. Auf letzteres haben die Billiganbieter bei ihrer Preisgestaltung keinen Einfluss. Der erstreckt sich lediglich auf Anschaffung und Vertrieb des Stroms. Weil aber der Strom an der Börse immer teurer wird, werden die Spielräume für die Anbieter immer kleiner. Wenn dann die Discounter Prämien für Neuverträge zahlen müssen, gleichzeitig aber massenhaft Kunden bei Preiserhöhungen kündigen, wird es eng.

Raimund Vollbrecht rät deshalb jedem, der einen neuen Stromanbieter sucht, sich nicht von den billigsten Angeboten blenden zu lassen, sondern sich zu informieren.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten