Schaffung eines neuen Grabfeldes in Feucht

Bestattung unter Bäumen

Der Andachtsplatz am Neuen Friedhof im Bereich „Bestattung unter Bäumen“. | Foto: Vinzl2016/10/160518_Bestattung-unter-Baeumen_1.jpg

FEUCHT – Es ist ein deutlicher Trend, der auch in Feucht, einer 14.000 Einwohner-Gemeinde in der Metropolregion Nürnberg, zu verzeichnen ist: die Urnenbeisetzung. So waren im Jahr 2015 bereits zwei Drittel aller Beisetzungen auf den beiden Feuchter Friedhöfen ebensolche Urnenbeisetzungen. Sie finden in Urnenerdgräbern, einer Urnenwand, aber auch in klassischen Erdgräbern statt. Seit kurzem bietet der Markt Feucht am Neuen Friedhof nun auch die Möglichkeit einer Bestattung unter Bäumen.

Ziel war es, dem Wunsch der Bürgerinnen und Bürger nach einer naturnahen und pflegefreien Baumbestattung in der Heimatgemeinde nachzukommen und hierfür einen würdevollen Rahmen zu schaffen.

Zunächst steckte die Gemeindeverwaltung mit dem beauftragten Nürnberger Landschaftsarchitekten Bernhard Lorenz die Rahmenbedingungen ab: Wo bestehen auf den beiden gemeindlichen Friedhöfen geeignete Flächen, wie viele Urnen sollen beigesetzt werden können, welche Größe sollten die einzelnen Grabflächen aufweisen, wie können die Gräber sicher in der „grünen Wiese“ geortet werden, in welcher Form und wo sollen die Daten der Verstorbenen angebracht werden, welche Kosten sind bei Errichtung und für die Nutzung vertretbar?

Naturnah und würdevoll

Die naturnahe Bestattung unter Bäumen findet im neu ausgewiesenen Grabfeld C ihren Raum. Ein Andachtsplatz bietet hier den Hinterbliebenen einen würdevollen Ort der Trauer. Die Namen der Verstorbenen sind an Stelen am Rande des Andachtsplatzes angebracht.

Der Platz wurde in enger Zusammenarbeit von Bauamt und Friedhofsverwaltung des Marktes Feucht sowie dem Landschaftsarchitekturbüro Lorenz, dem freien Bildhauer und Steinmetzmeister Günter Lang aus Eichstätt und Steinmetzmeister Christian Vestner aus Altdorf errichtet.

Als Oval mit einer Sitzbank orientiert er sich in Richtung der „Grünen Mitte“ des Neuen Friedhofs. Ein leichter Sichtschutz aus verschiedenen Rhododendren vermittelt eine gewisse Intimität, ermöglicht aber dennoch den Blick vom Andachtsplatz gen Süden zur zentralen Wiesenfläche des Friedhofes. Durch einen großformatigen Plattenbelag entsteht eine ruhige Fläche innerhalb des Ovals, die durch die Sitzbank und die Stelen zu etwa zwei Drittel eingefasst wird. Sitzbank und Lehne, die gleichzeitig als teilweiser Sichtschutz fungiert und eine gewisse räumliche Geborgenheit erzeugt, sind aus 2,20 Meter hohen Douglasie-Balken, die sich im Laufe der Zeit farblich dem Grundton der Stelen annähern.

Neue Wege

Mit zwei kleinformatig gepflasterten Wegen bestehen für die Friedhofsbesucher zwei Alternativen zum Betreten und Verlassen des Grabfeldes und des Andachtsplatzes. So ist ein Begegnen, aber auch ein Ausweichen zwischen Besuchern und Trauernden möglich. Das Material des Bodenbelages wurde von den Stelen abgeleitet und besteht ebenfalls aus Wachenzeller Dolomit.
Im Vergleich zum Andachtsplatz war die Entwicklung und Umsetzung der Stelen eine weitaus größere Herausforderung, wollte man doch unbedingt eine Klingelschild-Optik vermeiden.

Man hatte aber gleichzeitig das Ziel, auf begrenztem Raum Daten von vielen Verstorbenen unterzubringen. Auch sollte das Material dem Charakter des Friedhofs und des Andenkens an einzelne Persönlichkeiten gerecht werden.
Der Gemeindeverwaltung war es darüber hinaus ein äußerst wichtiges Anliegen, dass die Stelen aus einem heimischen oder zumindest europäischen, witterungsbeständigen und hellen Gestein sein sollen. Damit fiel die Wahl auf den Wachenzeller Dolomit, welcher in der Nähe von Eichstätt abgebaut wird.
Nach der Idee und den Plänen des Sakralkünstlers Günter Lang fertigte das Kelheimer Natursteinwerk die ersten sechs Stelen, die durch den Steinmetzbetrieb Vestner errichtet wurden. Weitere drei Stelen sind bereits eingeplant, um der erwartenden Nachfrage in den nächsten Jahren nachkommen zu können. Aufgrund der geringen Breite von 37 Zentimetern wirken die 2,20 Meter hohen Stelen nicht wuchtig oder massiv.

Namenstafeln aus Bronze

Die nach dem Entwurf von Günter Lang gefertigten Namenstafeln aus wertiger Walzbronze mit den Daten der Verstobenen werden in zwei bronzenen Führungsschienen eingeführt, so dass die Stelen im Laufe der Zeit von unten nach oben befüllt werden können. Die Tafeln werden so geborgen vom Stein aufgenommen. Durch das Herausstanzen der Buchstaben und Zahlen aus der Platte und den Abstand zum steinernen Hintergrund entsteht beim Betrachten nicht nur ein Spiel aus verschiedenen Farben und Helligkeitstönen, sondern auch eine gewisse Tiefe.

Die Kosten der Baumaßnahme zur Anlage des neuen Grabfeldes „Bestattung unter Bäumen“ betrugen 132.000 Euro. Die Grabnutzungsgebühr beträgt für zehn Jahre 500 Euro. Eine bronzene Namenstafel in einer der Stelen kostet 423,64 Euro, wobei es den Hinterbliebenen freigestellt ist, ob sie solch eine Namenstafel anbringen lassen möchten.

Mit dem Andachtsplatz, der bei Bedarf auch für Beisetzungsfeiern genutzt werden kann, hat nicht nur die Baumbestattung einen würdevollen und ansprechenden Rahmen erhalten. Der gesamte Friedhof hat mit dieser neuen Anlage eine Aufwertung erfahren.

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