Die Vielfalt der Kartoffel

Bei Gunda geht die Haut leicht ab

Laura, die Rote Königing der Knollen, schmeckt besonders würzig und ist eine vorzügliche Speisekartoffel. | Foto: Christian Geist2019/10/Feucht-Kartoffel-Magdalena-Gray-2.jpg

FEUCHT – Sieglinde ist speckig und Lauras Augen liegen flach: Der Feuchter Verein für Gartenbau und Landespflege stellt beim Bauernmarkt Kartoffelsorten und deren Eigenschaften vor und erklärt, wie man sie richtig pflanzt.

Für die meisten Leute ist Kartoffel gleich Kartoffel. Maximaler Unterschied: mehlig oder festkochend. Nicht so für Karl Pickel. Fast zärtlich spricht der Vorsitzende des Feuchter Vereins für Gartenbau und Landespflege von Kartoffel Gundas ovaler Knollenform.

Dass so gut wie niemand weiß, wie viele verschiedene Arten Kartoffeln es gibt und welche Eigenschaften diese haben, überrascht ihn nicht. „Wenn man in den Supermarkt geht, findet man ja auch höchstens drei verschiedene Sorten. Die kommen oft sonst woher. Kein Wunder, dass die meisten nicht Bescheid wissen“, sagt Pickel. Er und sein Verein arbeiten daran, das zu ändern.

Weiche Struktur versus kerniger Biss

Auf dem Feuchter Bauernmarkt haben sie 19 verschiedene Kartoffelarten von regionalen Bauern vorgestellt. Sieglinde, Laura und Gunda sind geläufige Sorten mit jeweils vorzüglichen Eigenschaften: Gunda ist leicht zu schälen und sehr weichkochend. Sie ist trockener und zerfällt leichter als die festkochende Variante. Diese ist schnittfest und saftig und hat einen kernigen Biss sowie eine feine Struktur. Die Eigenschaften von vorwiegend festkochenden Kartoffeln liegen zwischen den zwei Varianten. Als mehlige Kartoffel eignet sich Gunda besonders für Püree und Ködel, Suppen, Eintöpfe, Kuchen und Süßes.

Karl Pickel und sein Team beim Feuchter Bauernmarkt.2019/10/Feucht-Kartoffeln-Karl-Pickel-und-Team.jpg

Laura, unter Köchen als die Rote Königin bekannt, ist geschmacklich sehr intensiv und füllt die Küche bereits beim Kochen mit aromatisch-erdigem Duft. Sie ist hervorragend für Gratin und Pommes Frites geeignet. Man kann die Sorte auf dem Feuchter Bauernmarkt kaufen.

Sieglinde ist die älteste deutsche Kartoffel. Sie reift früh. Ihre langen, ovalen Knollen können bereits Ende August geerntet werden und zeichnen sich durch tiefgelbes, mehligkochendes Fleisch aus. Ihr Geschmack ist feinwürzig und leicht speckig.

Reichskanzler mit rosa Schale

Zu diesen drei gängigen Arten gesellen sich auf dem Informationstisch des Feuchter Gartenbauvereins zahlreiche Exoten mit klanghaften Namen: Bleue de la Manche, Cherie, Salad Blue, Puikula Mandelkartoffel, Ackersegen, Nixe. Alle aus Bayern.

Besondere Hingucker sind die farbenfrohen Sorten Blauer Schwede, Highland Burgundy Red und der weißfleischige Reichskanzler mit seiner rosa Schale. Wer nun solch spezielle Kartoffeln kaufen möchte, sollte sich am besten im Netz schlau machen, rät Pickel. „Die meisten Sorten kann man auch in kleinen Mengen direkt vom Hof bestellen“, erklärt er.

Kartoffeln auf dem Balkon

Außerdem gebe es natürlich immer die Möglichkeit, selbst anzubauen. Der gewitzte Kleingärtner braucht dafür weder Ackerflächen noch meterlange Hochbeete. Pickel und seine Vereinsmitglieder demonstrieren mit einem Gartensack aus Plastik, wie unkompliziert Kartoffelanbau sein kann.

Im Frühjahr haben sie darin einige ausgetriebene Knollen mit Erde bedeckt und den Sack anschließend das Jahr über mit Gartenabfälle gefüttert. Diese kompostieren zu Erde und dienen den Kartoffeln als Nahrung. „Es muss auch kein Sack sein, ein großer Topf oder Eimer mit normaler Erde geht auch.“

Wichtig sei nur, dass die Pflanzen ausreichend Platz hätten, um neue Knollen auszubilden. „Das ist enorm einfach“, ermuntert Pickel potentielle Hobbygärtner. Die krautigen Nutzpflanzen sind genügsam, gedeihen gut und seien daher auch für Kinder oder Unerfahrene eine Freude im Garten. Mit ihren tiefgrünen Blättern und meist weißen Blüten sei die Kartoffel außerdem Zierde für manchen Balkon.

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