DAV Feucht sucht neuen Chef

Am losen Seil

Mit dem Bau der Kletterhalle hat Wolfgang Stolzenberg die Sektion Feucht verjüngt, vergrößert und nicht nur sich selbst einen Traum erfüllt. | Foto: Christian Geist2019/09/Feucht-DAV-Stolzenberg-2.jpg

FEUCHT – Beim Feuchter Alpenverein endet 2020 eine Ära. Wolfgang Stolzenberg tritt bei den Vorstandswahlen nicht mehr an. Das Problem: Es ist niemand in Sicht, der die 1800 Mitglieder starke Seilschaft führen möchte.

Es geht um die Zukunft der Sektion. Dass diese bedroht sein könnte, scheint den meisten ihrer 1800 Mitglieder völlig undenkbar. Schließlich steht der Verein finanziell gut da und weist eine gesunde Mitgliedsstruktur auf. Fast jeder Dritte ist jünger als 25 Jahre. Dennoch drückt und schmerzt die Sektion etwas wie ein zu klein gewählter Bergstiefel.

28 Jahre in leitender Funktion

Bei den Neuwahlen des Vorstands, die für die erste Jahreshälfte 2020 geplant sind, wird Wolfgang Stolzenberg nicht mehr kandidieren. Sein Problem: So richtig wollen seine Kletterer, Wanderer und Bergsteiger nicht wahrhaben, dass er tatsächlich Schluss macht. Nach 18 Jahren als Vorsitzender und weiteren zehn im Vorstand.

„Ich will nicht weiter machen, bis alle froh sind, dass der alte Dackel weg ist“, sagt Stolzenberg, der im kommenden Jahr 71 wird. Stattdessen brauche es neue Ideen. Und einen neuen Vorsitzenden, den Stolzenberg gerne einführen und unterstützen würde.

Kletterhalle hat den Verein verändert

Die richtungsweisende Entscheidung Stolzenbergs Amtszeit war sicher der Bau des Kletterzentrums. Als die Halle fertig war, erreichte die Mitgliederzahl ungekannte Höhen: von 670 im Jahr 2009 auf über 1000 im Jahr darauf. „Wir waren damals die prozentual am stärksten wachsende Sektion in ganz Deutschland“, sagt Stolzenberg. Inzwischen hat sich der Mitgliederstand zwischen 1700 und 1800 eingependelt.

Nur einen Sturz vermochten die vielen jungen, kletter-affinen Neumitglieder nicht zu halten. „Je mehr Mitglieder wir wurden, desto weniger kamen zur Jahreshauptversammlung“, sagt Stolzenberg. Zuletzt seien noch rund 30 Leute erschienen. Den Kern der Aktiven, die sich regelmäßig engagieren, schätzt er auf rund 50 Personen. „Das sind die, die den Verein tragen.“

40 Stunden pro Woche, mindestens

Wer von ihnen welche Last schultert, das koordiniert das „Mädchen für alles“, wie Stolzenberg sein Jobprofil umreißt. 40 Stunden pro Woche, das sei jahrelang die Untergrenze an Arbeitszeit gewesen, die er für die Sektion aufbrachte. Da fällt manches hinten runter. Partnerin, Enkelkinder, die Fotografie: Stolzenberg weiß schon genau, wie er seine – noch zu gewinnenden – Freizeit nutzen möchte.

Und wenn sich bis zur Wahl niemand findet? „Wie Seehofer möchte ich es nicht machen“, sagt Stolzenberg und schmunzelt in seinen Schnauzer. „Ein Rücktritt vom Rücktritt kommt für mich nicht in Frage. Aber ich habe auch keinen Plan B.“

Stolzenberg weiß, dass ein Verein eine gewisse Zeit ohne Vorsitzenden auskommt. Aber langfristig ist dies weder tragfähig noch zulässig. Wann eine Vereinsauflösung droht, ist nicht exakt geregelt und hängt unter anderem vom Ermessen des zuständigen Registergerichts ab. So weit, meint er, werde es schon nicht kommen.

N-Land Christian Geist
Christian Geist