Neue Satzung soll klären, was am Scherauer Hof zulässig ist.

Feiern in der Scherau bleibt erlaubt

Wie oft darf wie lange gefeiert werden? Diese und andere Fragen rund um den Scherauer Hof sollen nun im Zuge eines Bauleitplanverfahrens geklärt werden. | Foto: Stefanie Buchner–Freiberger2019/08/Scherau-Ortseinfahrt.jpg

LEINBURG — Auch wenn es so in der Sitzung niemand ausdrücklich sagte: Der Leinburger Gemeinderat möchte, dass am Scherauer Hof bei Diepersdorf weiter gefeiert werden kann. Mit 13 gegen drei Stimmen wurde beschlossen, eine so genannte Außenbereichssatzung für den Weiler zu erlassen und damit die rechtliche Grundlage geschaffen, dass der Betrieb in der Veranstaltungs-Location grundsätzlich weiter gehen kann. Unter welchen Bedingungen und Auflagen, das muss der Gemeinderat im Rahmen des nun folgenden Bauleitplanverfahrens festlegen.

Welche Brisanz in dem Thema steckt, zeigte schon der riesige Andrang im Sitzungssaal. Für einige Besucher blieben nur noch Stehplätze. Er könne sich nicht erinnern, dass einmal so viele Zuhörer bei einer Gemeinderatssitzung gewesen seien, sagte Bürgermeister Lang, der in seinen einleitenden Worten noch einmal klar machte, wie komplex die Situation in der Scherau sei. Ein schöner, mit viel Fleiß aufgebauter Ort zum Feiern einerseits, der sich andrerseits jedoch in einem „baurechtlichen Schwebezustand“ befinde und in dem die 13 Nachbarn ein Anrecht auf Ruhe und Wohnqualität hätten.

Noch deutlicher wurde Bauamtsleiter Christian Lades, der von einem „baurechtswidrigen Zustand“ sprach, der am Scherauer Hof seit Jahren gegeben sei. Konkret bedeutet das: Betreiberin Helga Bock hat nicht die notwendigen Genehmigungen für die zahlreichen Feiern, Seminare und anderen Veranstaltungen, die auf dem ehemals landwirtschaftlichen Anwesen stattfinden. Derzeit liegen beim Landratsamt neun Anträge auf Baugenehmigung vor (die PZ berichtete), die zum Beispiel die Nutzung der ehemaligen Scheune betreffen.

Landratsamt gibt „schwarzen Peter“ weiter

Auf Seiten der Kreisbehörde argumentiert man jedoch jetzt, man könne nur über diese Anträge entscheiden, wenn die Gemeinde Leinburg die entsprechende baurechtliche Grundlage schaffe, eben zum Beispiel mit einer Außenbereichssatzung. Ansonsten seien Helga Bocks Anträge nicht genehmigungsfähig, was möglicherweise das Aus für den Scherauer Hof bedeutet hätte, der auch weit über die Grenzen Leinburgs hinaus bekannt ist.

Dieses „Weitergeben des schwarzen Peters“ vom Landratsamt an die Gemeinde war es, was einige Gemeinderäte – in einer ansonsten sehr sachlichen Diskussion – heftig kritisierten. „Wir müssen es ausbaden, weil das Landratsamt versagt hat“, meinte Jutta Helmreich (SPD). Selbst Bauamtsleiter Lades konnte nicht nachvollziehen, warum nach Jahren des Stillstands die Zuständigkeit nun auf die Gemeinde übertragen wurde.

Er erläuterte, dass das Bauleitplanverfahren viel Zeit in Anspruch nehmen werde, zahlreiche Experten müssten einbezogen werden. In diesem grundsätzlichen Prozess werden alle Aspekte komplett neu aufgerollt und bewertet.

Eine Aufgabe, für die sich manche Gemeinderäte nicht gewappnet sahen. „Ich fühle mich eigentlich nicht in der Lage, Auflagen für einen Veranstaltungsbetrieb zu erlassen“, meinte zum Beispiel Konrad Ringel (CSU). So könne man zum Beispiel das Thema Lärmschutz nicht ausreichend beurteilen. Ähnlich bewertete Gemeinderat Kohler (FW) die Angelegenheit.

Ziel ist die rechtliche Klarheit

Der Großteil des Gremiums sah – wenn auch zähneknirschend –
jedoch die Chance, endlich rechtliche Klarheit in der Scherau zu schaffen. „Ich mag es, wenn ich Dinge gestalten kann“, sagte zum Beispiel Gerhard Pfeiffer (SPD). Schließlich habe der Gemeinderat es vor einigen Jahren auch geschafft, ein Industriegebiet auf den Weg zu bringen. Marion Trisl (CSU) argumentierte, „alles, was wir selbst in der Hand haben, können wir lenken und vernünftig lösen“. Und Bürgermeister Lang betonte, Ziel müsse es sein, in der Scherau wieder Harmonie herzustellen.

Im Rahmen des Bauleitplanverfahrens muss, beziehungsweise kann, der Gemeinderat zum Beispiel prüfen, inwieweit das neue Lärmschutzgutachten für den Scherauer Hof korrekt ist, er kann selbst Emissionsauflagen erlassen oder die Zahl der Veranstaltungen beschränken.

All das in Abstimmung mit anderen Fachbehörden, die im Lauf des Verfahrens ebenso gehört werden müssen wie die Nachbarn in der Scherau. Dass dieser Prozess jetzt zügig über die Bühne geht, dieser Hoffnung erteilte Bauamtsleiter Lades einen Dämpfer. Es könne erfahrungsgemäß ein Jahr dauern, bis die Satzung rechtskräftig wird.

Nachbarn hoffen auf Gehör

Wer denn am Ende kontrolliere, ob die Auflagen auch eingehalten werden, wollten einige Gemeinderäte wissen. Dafür sei dann wiederum die Bauordnungsbehörde, sprich das Landratsamt, beziehungsweise die Polizei zuständig, antwortete Christian Lades.

Die Nachbarn in der Scherau wollen nun erst einmal abwarten, was das Verfahren mit sich bringt. „Bisher ist die eine Hälfte des Ortes nie gefragt worden. Wir hoffen, dass wir nun gehört werden“, bilanzierte Martin Sußner, direkter Anlieger des Scherauer Hofs gestern auf Nachfrage der PZ. Helga Bock war für eine Stellungnahme bis Redaktionsschluss nicht erreichbar.

N-Land Stefanie Buchner-Freiberger
Stefanie Buchner-Freiberger