Breitenbach und Frei verlassen Diakonie

„Es gibt ein Leben vor dem Tod“

Am Freitag verabschiedet sich Vorstandsvorsitzender Dr. Günter Breitenbach (2.v.l.) in den Ruhestand. Auch Finanzvorstand Harald Frei (1.v.r.) wird die Rummelsberger im Frühjahr verlassen. Die übrigen Vorstandsmitglieder (v.l.) Karl Schulz, Elisabeth Peterhoff und Martin Neukamm sehen den deswegen anstehenden Neuerungen mit Zuversicht entgegen. | Foto: Magdalena Gray2019/12/Rummelsberg-Vorstand-Frei-Breitenbach.jpg

RUMMELSBERG – Als Dr. Günter Breitenbach vor fast neun Jahren seinen Posten als Rektor bezog, war bei Weitem nicht alles eitel Sonnenschein in der Rummelsberger Diakonie.

Noch immer war die Einrichtung mit dem Missbrauchsskandal um Amtsvorgänger Karl Heinz Bierlein erschüttert, gegen den 2007 schwere Vorwürfe laut geworden waren: Er habe Diakonenschüler und junge Diakone körperlich bedrängt und teils sogar misshandelt. Scharfe interne Auseinandersetzungen und weitere Negativschlagzeilen, etwa zu Boni-Zahlungen für leitende Mitarbeiter, hatten dem Ruf der Diakonie ebenfalls nachhaltig geschadet.

Neue Frührung, neuer Anfang

Und dann kam Breitenbach. Unter seiner Führung gelangte der Sozialkonzern zu altem Ansehen und neuer Blüte. Fragt man heute Angestellte nach ihrer Arbeit in der Diakonie, sind sie sichtlich stolz dort zu arbeiten. Von familiärer Atmosphäre ist die Rede, von gutem Arbeitsklima, persönlicher Bindung und viel Identifikationspotential.

Darauf führt Diakonin Elisabeth Peterhoff auch die erfreuliche Statistik im Ausbildungsbereich zurück. In den letzten Jahren habe sich die Anzahl der Azubis verdreifacht. Am stabilsten seien die Zahlen bei den kirchlichen Berufen, 134 junge Menschen befänden sich derzeit dort in Ausbildung. Mit über 200 Einrichtungen, 1200 Ehrenamtlichen und fast 5700 Mitarbeitenden ist die Rummelsberger Diakonie eines der größten diakonischen Unternehmen in Deutschland.

Am Freitag ist Schluss

Nun verlässt Rektor Breitenbach diese seine Wirkungsstätte, die er nachhaltig mit reformiert hat. Kommenden Freitag verabschiedet sich der 65-Jährige in den Ruhestand. Bauchschmerzen habe er dabei keine, auch wenn er einige Projekte gern noch selbst abgeschlossen hätte. Blicke er auf seine Amtszeit zurück, sei das vorherrschende Gefühl Dankbarkeit. „Gegenüber den vielen, die dazu beigetragen haben, dass wir heute wieder ganz gut dastehen. Und für den Beistand Gottes“, erklärt der Theologe.

Keine Angst vorm neuen Mann

Mit Harald Frei wird neben Breitenbach ein weiteres Vorstandsmitglied die Diakonie verlassen: Frei, der seit 2009 Geschäftsführer der Rummelsberger Dienste für Menschen ist, geht im Frühjahr kommenden Jahres. Die Rente lockt den 58-Jährigen jedoch noch nicht. Er möchte jedoch kürzer treten, die Dauerlast seines umfangreichen Vollzeitsjobs reduzieren und sich in Zukunft zeitlich begrenzter Projektarbeit widmen. „Es gibt ja immerhin auch ein Leben vor dem Tod“, scherzt Frei.

„Menschlich und persönlich werden sie uns fehlen, aber ich bin getrost und wir gehen entspannt in die Zukunft“, sagt Peterhoff über den Abschied ihrer beiden Kollegen. Kein Angst angesichts des Wechsels zeigen auch die restlichen Mitglieder des Vorstandes, Karl Schulz und Martin Neukamm. „In den letzten Jahren haben wir uns so stabilisiert, dass uns so leicht nichts mehr erschüttert. Wir sind ein starkes Kollektiv“, erklärt Schulz.

Bereits seit Februar dieses Jahres steht Kirchenrat Reiner Schübel als Nachfolger Breitenbachs fest. Er wird seine Doppelfunktion als Rektor und Vorstandsvorsitzender zum 1. Januar aufnehmen.

N-Land Magdalena Gray
Magdalena Gray