Röthenbacher Blumenfest

Erste Absage seit 1954

Blumenfest 2019: Der Motivwagen der Renzenhofer Feuerwehr ("30 Jahre Wacken-Festival") landete vorne in der Gunst des Publikums. | Foto: PZ-Archiv/Sichelstiel2020/08/blumenfest-2019-motiv-feuerwehr.jpg

RÖTHENBACH — Das letzte Wochenende im August hält sich jeder echte Röthenbacher frei. Denn schließlich müssen am Samstag die bunten Motivwagen mit Blumen beklebt werden, die tags darauf durch die Straßen der Pegnitzstadt rollen, beklatscht von bis zu 30 000 Zuschauern. Aber auch das Röthenbacher Blumenfest ist vor einer Pandemie nicht gefeit.

Die Traditionsveranstaltung, die es schon seit 1929 gibt, fällt aus Infektionsschutzgründen aus, ebenso wie die sonst zeitgleich stattfindende Röthenbacher Kirchweih. Und so wird es am Sonntagnachmittag merkwürdig still sein auf dem Friedrichsplatz oder in der Rückersdorfer Straße.

„Meine Seele hat geweint“, sagt Dagmar Haala, die (Noch-)Vorsitzende des Röthenbacher Vereinskartells über die Absage, die bereits früh beschlossen wurde. Am 16. April verkündete Markus Söder das Verbot von Großveranstaltungen im Freistaat, am selben Tag legte sich Röthenbach fest: kein Festzug in diesem Jahr, auch nicht in kleinerer – und damit möglicherweise genehmigungsfähiger – Form.

Es gebe keine Alternative dazu, meint Haala heute: „Ob beim Bauen der Motive oder beim Schmücken: Abstand ist da kaum einzuhalten.“ Die Vereine, die die Wagen Jahr für Jahr gestalten, bräuchten monatelangen Vorlauf und dementsprechend Planungssicherheit, „manche fangen ja schon im Winter vor dem Blumenfest an“. Deshalb sei die Entscheidung eine klare Sache gewesen, „auch wenn ich erst einmal nicht schlafen konnte“.

„Nicht gut für Röthenbach“

Es ist das erste Mal seit 66 Jahren, also seit 1954, dass das Blumenfest nicht stattfinden kann. „Für die Stadt Röthenbach ist das natürlich nicht gut“, sagt Bürgermeister Klaus Hacker (Freie Wähler), schließlich sei die Veranstaltung stets ein Besuchermagnet. „Aber auch für den Zusammenhalt ist es nicht gut.“ Für viele Vereine ist es einer der Höhepunkte des Jahres, gemeinsam ein Motiv zu erschaffen und damit am Festzug teilzunehmen. Beim Blumenkleben hat mancher schon als Kind mitgeholfen.

Hacker und Haala hoffen jetzt auf einen Impfstoff und damit auf eine Rückkehr zur Blumenfest-Normalität im nächsten Jahr. In Hackers Idealvorstellung sind dann „alle Vereine total motiviert“ – und die Wagen werden größer und bunter denn je. Jetzt erst recht? Die Zwangspause sei eine Gratwanderung, meint hingegen die Vorsitzende des Vereinskartells. Die Traditionsveranstaltung litt bereits in den vergangenen Jahren unter einer immer geringeren Beteiligung, „hoffentlich heißt es jetzt nicht, dass es ohne Blumenfest ja auch geht“. Sei auch 2021 kein Festzug möglich, „dann wäre das der Super-Gau“, so Haala.

An den Fall der Berliner Mauer erinnerte im vergangenen Jahr die Kolpingfamilie mit ihrem Wagen.2020/08/blumenfest-rothenbach-2019-kolping-motiv-30-jahre-deutsche-einheit-.jpg

Auch das Vereinskartell selbst ist von der Pandemie betroffen, die längst geplante Jahreshauptversammlung konnte noch nicht stattfinden. Haala hat bereits angekündigt, nicht erneut für das Amt der Vorsitzenden zur Verfügung zu stehen, aus persönlichen Gründen. Aber ein Nachfolger ist bisher nicht gewählt.

Die Zeit bis zum nächsten Sommer wollen die Röthenbacher trotzdem nutzen, um über konzeptionelle Veränderungen nachzudenken, auch wenn die ursprünglich für 2020 geplante Vorverlegung auf das vierte Juli-Wochenende vom Tisch ist. Hacker: „Die zeitliche Frage ist ja geprüft worden, das funktioniert nicht, weil es die Dahlien so früh nicht in der benötigten Menge gibt. Und zu einem späteren Zeitpunkt sind die großen Blumenumzüge in Holland, da gibt es dann auch wieder keine Dahlien.“

Kinder-Kirchweih
Wer trotz der Absage einen Hauch von Kirchweih erleben möchte: Auf dem Hubert-Munkert-Platz an der Rückersdorfer Straße findet bis einschließlich Sonntag eine „Kinder-Kirchweih“ mit zwei Ständen und einem Fahrgeschäft statt (jeweils von 11 bis 20 Uhr).

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