Mitarbeiter müssen Nachweis bringen

Erst zum Test, dann an den Schreibtisch

Wer seinen Impfstatus nicht offenbaren möchte, muss sich testen lassen. Dann ist das Ergebnis hoffentlich nicht positiv (rechts), sondern negativ (links) | Foto: Prott/stock.adobe.com2021/11/as-crop-scaled.jpg

NÜRNBERGER LAND – Die Entscheidung aus München dürfte Firmen- und Personalchefs den Schweiß auf die Stirn getrieben haben: Seit Dienstag müssen sich Mitarbeiter, die nicht geimpft oder genesen sind, zweimal pro Woche auf Corona testen lassen – je nachdem, in welchen Bereichen sie tätig sind, mit einem Schnell- oder einem PCR-Test. Doch wie kann das auf die Schnelle überhaupt umgesetzt werden?

Von einem „Hopplahopp“ und einem „unangekündigten Richtungswechsel“ spricht Johannes Bisping, Chef des Kommunikationsunternehmens Bisping&Bisping und Vorsitzender des Laufer Industrie- und Handelsgremiums. „Es war klar, dass die Zahlen zum Herbst wieder anziehen, da hätte man die Unternehmen drauf vorbereiten können“, meint Bisping, der von „Verärgerung“ auch bei Kollegen spricht.

Die Fragezeichen sind groß

Die Fragezeichen seien bei vielen groß. Wer bezahlt die teuren PCR-Tests, die zum Beispiel für Beschäftigte im Gastgewerbe ab sofort verpflichtend sind? Was macht man mit Mitarbeitern in der Veranstaltungsbranche, die eigentlich geimpft sein müssen, wenn sie das aber nicht sind?

In seinem Unternehmen sei die Impfbereitschaft zum Glück riesengroß, die Mitarbeiter hätten sich freiwillig zu ihrem Impfstatus geäußert. Schon seit Längerem ist Bisping&Bisping in Sachen Tests aktiv, hat eine eigene Schnellteststrecke und ist Mitbegründer des Laufer PCR-Testlabors.

Rund 50 Prozent der geimpften Mitarbeiter ließen sich ohnehin bereits regelmäßig testen, sagt Johannes Bisping, deshalb ändere sich durch die neue Regelung für ihn als Firmenchef kaum etwas. Es komme lediglich zusätzlicher Dokumentationsaufwand hinzu. Andere Firmen hätten diese Möglichkeiten aber freilich nicht.

Kein Geld für Verweigerer

Seit Mittwoch müssen sich auch ungeimpfte Mitarbeiter der Stadt Lauf testen lassen, und zwar zweimal die Woche mit einem Schnelltest, der bis spätestens 9 Uhr vorliegen muss. „Wir schicken unsere Beschäftigten dafür zu den Schnellteststellen“, sagt geschäftsführende Beamtin Karin Wamser, die Kosten übernimmt jedoch die Stadt Lauf. Wegen der hohen Impfquote treffe das aber ohnehin maximal fünf Prozent der Mitarbeiter. Wer sich weigere, bekomme im Ernstfall keine Bezüge.

„Das Telefon steht kaum noch still“, meint Frank Richartz, Leiter der Wirtschaftsförderung im Nürnberger Land. Bei den Betrieben herrsche große Verunsicherung, zum Beispiel darüber, was man die Mitarbeiter eigentlich fragen dürfe.

Bei den PCR-Tests sei die Frage der Kostenübernahme nicht geklärt. „Oder reicht jetzt für einen Koch, der zwar im Gastgewerbe arbeitet, aber keinen Kundenkontakt hat, ein Schnelltest?“
Wie Johannes Bisping hätte sich Frank Richartz mehr Klarheit gewünscht, schließlich hätten die Konzepte für den Fall der „gelben“ und „roten“ Krankenhausampel lang genug in den Schubladen gelegen.

Das Ende der Anonymität

„Wir beschäftigen uns seit gestern mit kaum etwas anderem mehr“, sagt Gerhard Knienieder, Chef der Firma Emuge, süffisant. 1100 Mitarbeiter hat das Unternehmen am Standort Lauf, nehme man die durchschnittliche Impfquote als Maßstab, komme man auf etwa 150 bis 200 Beschäftigte, die bisher nicht immunisiert sind. Sie müssen sich künftig zweimal pro Woche im Betrieb mit einem Selbsttest testen, unter Aufsicht von Abteilungsleitern und Ersthelfern. Mit der 
Anonymität sei es dann vorbei, meint Knienieder.

Die Kosten für die Tests trägt die Firma, man habe zum Glück noch einige Tausend Tests vorrätig, sagt der Unternehmenschef. Denn man musste ja schon bisher den Mitarbeitern, die sich testen lassen wollten, ein entsprechendes Angebot machen. Die Nachfrage sei zeitweise deutlich runtergegangen, seit einiger Zeit jedoch hätten auch geimpfte Beschäftigte wieder öfter Tests verlangt.

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