Röthenbacher Kläranlage

Erfolgreiche Jagd nach Mikroplastik

Adrian Scholl, Sebastian Porkert und Stefan Tomme (von links) von Ecofario erklären dem Röthenbacher Bürgermeister Klaus Hacker, wie ihr Zyklon funktioniert. | Foto: Beck2021/11/Ecofario_in_R_thenbach_151121_Foto_Beck-crop-scaled.jpg

RÖTHENBACH — Das Startup Ecofario hat in der Röthenbacher Kläranlage seine Filteranlage getestet. Die Ergebnisse beweisen nach Unternehmensangaben die Effizienz der Technik, die Mikroplastik reduzieren soll.

Mikroplastik ist winzig klein. So klein, dass die Teilchen nicht für das menschliche Auge sichtbar sind und bei einer Größe unter fünf Mikrometer, also fünf Millionstel Meter, „zellgängig“ sind. Sie dringen zum Beispiel in Darm und Lunge ein und stehen laut Medizinforschern im Verdacht, Krebs zu verursachen.

Dass Mikroplastik klein ist, wäre nicht weiter schlimm, wenn es nicht im Wasser und den Lebensmitteln enthalten wäre, die die Bewohner des Nürnberger Lands täglich konsumieren. Rund fünf Gramm, also etwa die Masse einer Kreditkarte, schlucken wir laut einer Studie des Fraunhofer Instituts pro Woche. Die Menge der Teilchen ist enorm, angesichts der Tatsache, dass rund 50 000 Styroporpartikel gerade einmal zwei Milligramm wiegen.

Der Münchner Verfahrenstechniker Sebastian Porkert und sein Team wollen die Flut des Mikroplastiks stoppen und sie erhalten Unterstützung von der Stadt Röthenbach. In der städtischen Kläranlage hat das Team als Start-up-Firma Ecofario im März ihre neue Technik getestet, mit deren Hilfe Mikroplastik aus dem Abwasser gefiltert werden kann.

Zwei Wochen Testlauf

Jetzt sind die Testergebnisse da und sie zeigen: Die Technik funktioniert. Zwei Wochen war die Pilotmaschine der Firma auf dem Gelände der Kläranlage aufgebaut, als vorübergehende vierte Stufe der Röthenbacher Abwasserreinigung. Die Anlage pumpte das Wasser durch Zyklone, bevor es in die Pegnitz entlassen wurde.
Die rohrförmigen Zyklone versetzen das eingepumpte Wasser in einen Strudel, der so stark ist, dass sich das schwere Wasser vom leichten Mikroplastik trennt, das dadurch abgefangen werden kann. Am Ende wird es zusammen mit dem Klärschlamm verbrannt.

Um die Anlage zu testen, hat das Ecofario-Team Proben des Röthenbachers Abwassers und des gefilterten Schmutzwassers aus den Zyklonen zur Analyse an ein Labor geschickt. Dort wurde in der Probe des „üblichen“ Abwassers eine Konzentration von rund 1800 Mikroplastikteilchen pro Quadratmeter gemessen, im abgefangenen Schmutzwasser der Zyklone dagegen rund 6900 Teilchen pro Quadratmeter. Die fast vierfach höhere Konzentration beweist die Filterkraft der Zyklone.

„Rund 85 Prozent des Mikroplastiks im Abwasser wird nach unseren Berechnungen bereits nach einem Durchgang durch die Technik herausgefiltert“, sagt Porkert. Bei einer fest installierten Anlage seien ohne Weiteres zwei Durchgänge möglich. „Danach sind rund 97 Prozent des Mikroplastiks entfernt.“

Das Ergebnis aus Röthenbach erfreut nicht nur den Erfinder des Verfahrens, sondern auch den Röthenbacher Bürgermeister Klaus Hacker. „Wir haben als Stadt gerne das junge Team von Forschern unterstützt, die ein Risiko eingehen, um die Umwelt zu verbessern, statt sich 40 Jahre hinter einen Schreibtisch bei Siemens zu setzen.“

Fünf Euro mehr pro Jahr

Dass dieses Team in der Stadt Röthenbach einen Kunden gefunden hat, kann Hacker noch nicht versprechen. „Erst wenn die EU auch für kleinere Kläranlagen eine vierte Stufe vorschreibt, wird der Bau einer solchen Anlage in Röthenbach gefördert.“ Wie viel Zeit bis dahin noch vergeht, ist ungewiss. Aktuell würde der Bau einer Zyklon-Filteranlage Röthenbach zwischen 500 000 und eine Million Euro kosten und die jährlichen Abwassergebühren jedes Bürgers um rund fünf Euro pro Jahr erhöhen. „Das sind keine Summen, die einen umhauen“, sagt Hacker.

Für Porkert und sein Team ist das Warten auf Fördermittel keine Option. Mit den Krediten von Privatinvestoren, die nachhaltige Projekte unterstützen, haben die vier Männer von Ecofario den Bau ihrer Pilotanlage und die nötigen Labortests bezahlt, jetzt wird es Zeit für Einnahmen.

In der Gemeinde Eching am Ammersee wird 2022 die erste Ecofario-Anlage gebaut. „Und wir stehen in Kontakt mit einer Reihe von Unternehmen, die ihr Abwasser reinigen wollen, bevor es in den Kanal geht“, sagt Porkert. Zu den Unternehmen zählt zum Beispiel Diehl Metall aus Röthenbach.

Porkert, der an der Hochschule München als Dozent für Verfahrenstechnik lehrt, wurde 2013 auf das Problem Mikroplastik aufmerksam. Die winzigen Teilchen, die sich inzwischen in Fischen, Honig und Bier messen lassen und die Krankheitserreger und Medikamentenrückstände an sich binden, ließen ihn nicht mehr los.

Der 36-Jährige zermarterte sich das Hirn darüber, mit welcher Technik man das Abwasser vom Mikroplastik befreien könnte. „Eines Nachts bin ich aufgewacht und habe das Modell des Hydrozyklons aufgezeichnet“, sagt Porkert. Er patentierte seine Erfindung und gründete die Firma Ecofario, die 2020 mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet wurde.

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