Projekt von Horst Lößl

Kalender mit heimischen Faltern und Orchideen

Ausflug in den Mikrosmos: zwei Zahnflügel-Bläulinge. | Foto: H. Lößl2017/11/8502140.jpg

ENGELTHAL – Als „Kleinwildjäger auf der Pirsch“ war der Engelthaler Horst Lößl zuletzt Thema in einer „HZ-Sommergeschichte“. Sein Blick fürs Detail öffnet ihm den faszinierenden Mikrokosmos der vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt der Hersbrucker Schweiz. Für 2018 gibt er gleich zwei Kalender heraus, die heimische Schönheit zeigen und Verständnis für die filigranen Lebenswelten wecken sollen.

Seit 2015 haben Sie jedes Jahr einen Kalender mit Faltern gestaltet. Warum jetzt gleich zwei — einen wieder mit Schmetterlingen und einen weiteren mit Orchideen?
Horst Lößl: Schmetterlinge mag jeder, aber mein Spektrum ist schon größer. Ich dachte mir, dass Orchideen doch auch sehr beliebt sind. Sonst habe ich noch viele Fotos von Käfern, Libellen, Vögeln — auch Wildbienen geben viel her.

Wie kommt es zu den Fotos? Gehen Sie gezielt raus, um ein Bild von etwas Bestimmtem zu machen, oder sind Sie sowieso draußen und haben immer eine Kamera dabei?
Offene Augen, offene Ohren habe ich immer. Das ist mir in die Wiege gelegt. Jetzt mit 75 Jahren habe ich einfach noch mehr Zeit für diese Dinge. Ich finde, diese Details, diese kleinen Zusammenhänge sind einfach wunderbar. Wenn ich sie entdecke, habe ich das Bedürfnis, sie jemand anderen zu zeigen.

Sie sagen „wunderbar“. Ist es für Sie ein Wunder, was Sie da im Kleinen alles sehen, oder sind Sie eher nüchtern?
Vielleicht sind es ja gar keine Wunder, mich interessieren mehr die biologischen Zusammenhänge. Ein Falter legt ein Ei, das nur einen Millimeter groß ist, auf einen Zweig. Es trotzt Wind, Wetter und Kälte im gesamten Winter, alles bleibt heil und genau dann, wenn das Lieblingskraut der Raupe sprießt, schlüpft die Jungraupe. Das Ei hat sich nicht nur an dem Zweig gehalten, es ist auch intakt geblieben. Das ist alles nur Biologie, aber ich begreife es als Wunder. Es fasziniert mich.

Wie geht’s Ihnen da, wenn Sie jetzt von dem großen Insektensterben in Deutschland hören?
Das ist erschütternd. Da darf man gar nicht groß drüber nachdenken. Ich bedaure es sehr, dass der Mensch trotz besseren Wissens bei seinen Planungen nicht in der Lage ist, anders zu handeln. Er kennt ja die Zusammenhänge. Das steht immer wieder in der Zeitung. Aber der Mensch macht dennoch einfach so weiter …

Merken Sie etwas vom Insektenschwund?
Ja, aber nicht so krass, weil ich viele Freunde kenne, mit denen ich gezielt dorthin gehe, wo es besonders viele Insekten gibt. Das sind Stellen im Fichtelgebirge, am Main, in München und ich kenne hier viele gute Gebiete. An diesen Orten ist es nicht so stark feststellbar. Aber an der Windschutzscheibe nehme ich schon wahr, dass es weniger geworden sind.

Können Ihre Kalender helfen, die Kostbarkeit der Welt der Flattermänner und Krabbler bewusster zu machen?
Das wäre wunderbar, wenn ein Bewusstsein geschaffen würde. Hier geht es um nicht weniger als um unsere Lebensgrundlagen. Die Summe unzähliger kleiner, großer Wunder machen das Leben auf diesem Planeten aus. Solange wir Menschen das achten und erhalten, können wir davon profitieren. Das Gegenteil könnte durch die Kalender aber auch passieren: Wenn jemand aus den schönen Fotos schließt, dass es diese Arten alle noch gibt und alles gut ist. Das stimmt aber nicht. Ich schreibe im Kalender auch darüber.

Wie sieht es hier aus? Hat die Hersbrucker Schweiz besondere Lebensräume zu bieten?
Hier ist es die große Vielfalt auf engem Raum. Man hat Feuchträume, dunkle und lichte Stellen, Magerböden — alles dicht beieinander.

Die Wandkalender „Frankenalb Orchideen 2018“ und „FrankenalbFalter 2018“ kosten jeweils 18,70 Euro. Zu beziehen sind sie direkt bei Horst Lößl über E-Mail [email protected]

N-Land Michael Scholz
Michael Scholz