Rund 84.800 Wohnungen im Landkreis

Energetisch Sanieren ist Pflicht: Was bedeutet das für die Mieten im Nürnberger Land?

Manchmal muss es luftig sein. Aber anders als beim Vogelhaus werden Wohnhäuser demnächst in Sachen Zugluft dicht gemacht – und kräftig auf das Energiesparen getrimmt. Das Mieter-Gütesiegel „Mein Fair-Mieter“ hat dabei die Kosten im Blick: Rund 420 Millionen Euro pro Jahr werden für die energetische Gebäudesanierung im Nürnberger Land nötig sein. Das Label warnt deshalb schon jetzt vor einer extra „Klima-Miete“. | Foto: Mein Fair-Mieter2022/01/Vogelhaus_MeinFairMieter.jpg

NÜRNBERGER LAND – Insgesamt 420 Millionen Euro kostet es Wohnungseigentümer im Nürnberger Land jährlich, ihre Immobilien klimafreundlich zu sanieren, so der Verein „Mein Fair-Mieter“ in einer Pressemitteilung. Das Gütesiegel warnt nun davor, Mieter nicht „arm zu sanieren“.

Im Nürnberger Land gibt es rund 84.800 Wohnungen – und auf die kommt eine gewaltige Sanierungswelle zu. Grund sind die Klimaschutz-Ziele der Bundesregierung – und die kosten Geld: Bis 2045 haben Wohnungseigentümer im Nürnberger Land Zeit, um die Wohnungen auf einen neuen Energiespar-Standart zu bringen. Das kostet die Eigentümer rund 420 Millionen Euro pro Jahr. Insgesamt müssen bis 2045 im Landkreis rund 9,6 Milliarden Euro in klimaneutrale Sanierung investiert werden.

Sanierung von Mietwohnungen

Das geht aus einer Analyse zum regionalen Wohnungsmarkt hervor, die das Pestel-Institut (Hannover) für das Mieter- Gütesiegel „Mein Fair-Mieter“ gemacht hat. Allein 90 Millionen Euro jährlich sind demnach notwendig, um die 32.800 Mietwohnungen im Landkreis Nürnberger Land energetisch zu sanieren.

Das Mieterschutz-Label warnt dabei vor einer „Klima-Miete“: „Die enormen Sanierungskosten dürfen nicht auf dem Rücken der Mieter abgeladen werden. Der Staat muss unbedingt verhindern, dass Mieter ‚arm saniert‘ werden. Wer eine Wohnung mietet, darf – wenn überhaupt – nur mit einem Bruchteil der Kosten belastet werden. Klimaschutzsanierungen sind Investitionen ins Haus. Sie erhöhen den Wert der Immobilie – bei Miethäusern genauso wie beim Einfamilienhaus. Nutznießer sind damit in erster Linie also die Hauseigentümer“, sagt Matthias Günther vom Gütesiegel „Mein Fair-Mieter“.

Mieterhöhung bremsen

Es sei daher die Aufgabe des Staates, Klimaschutz-Sanierungen bei Mietwohnungen „mit Augenmaß und effektiv zu fördern“. Gleichzeitig müsse es dabei eine klare Deckelung bei den Mieten geben, also keine Förderung ohne Gegenleistung der Eigentümer, fordert der Verein in einer Pressemitteilung.

Das Gütesiegel „Mein Fair-Mieter“, das als Verbraucherschutz-Instrument bundesweit faire Vermieter auszeichnet, kündigte an, Mieterhöhungen im Zuge von Klimaschutz-Sanierungen kritisch unter die Lupe zu nehmen. Bei der Vergabe des Mieter-Labels werde dies als ein Kriterium künftig verstärkt Berücksichtigung finden. Die Experten von „Mein Fair-Mieter“ erwarten, dass die erforderliche Klimaschutz- Offensive auf dem heimischen Wohnungsmarkt bereits in diesem Jahr startet.

Appell an heimische Abgeordnete

Die Ampel-Regierung in Berlin wird neben dem Neubau auch die energetische Gebäudesanierung jetzt zügig voranbringen. Deshalb ist es umso wichtiger, gleich Pflöcke gegen Mietentreiberei bei Sanierungen zu setzen“, so Matthias Günther. Er appelliert an die heimischen Bundestagsabgeordneten der Koalitionsparteien von SPD, Grünen und FDP, bei allen Klimaschutz-Aktivitäten den „Mieten-Rechner“ mitlaufen zu lassen.

„Mein Fair-Mieter“ kündigte an, sich in den nächsten Tagen auch direkt an die Bundestagsabgeordneten zu wenden. Immerhin gehe es um das angestrebte Ziel, bis 2045 auch beim Gebäudebestand im Nürnberger Land eine neutrale Treibhausgasbilanz zu erreichen.

„Das werden 23 lange Jahre für die Sanierung und den Wechsel von fossilen zu regenerativen Energien. Die Bundesregierung wird den Start der energetischen Gebäudesanierung allerdings nicht auf die lange Bank schieben“, sagt Matthias Günther.

80 Prozent sanierungsbedürftig

Auch im Nürnberger Land gehe es darum, etwa 80 Prozent der Wohnfläche – rund 7,1 Millionen Quadratmeter – energetisch zu sanieren. Das restliche Fünftel sei entweder bereits auf einem hohen Klimaschutz-Niveau oder die Bausubstanz lasse – technisch/wirtschaftlich betrachtet – eine sinnvolle Sanierung nicht zu. „Verteilt auf die Jahre werden bis 2045 in den Wohngebäude-Bestand vom Nürnberger Land – berechnet auf aktueller Kostenbasis – rund 9,6 Milliarden Euro in Energiespar-Sanierungen investiert werden müssen. Die Herausforderung ist es jetzt, Klimaneutralität zu einem hohen Maß auch ‚Mieten-neutral‘ hinzubekommen“, so Günther vom Label „Mein Fair-Mieter“.

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