Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft

Ein Volkstrauertag, wie es ihn noch nie gab

Kranzniederlegung gestern am Friedhof in Lauf. Dort war die Öffentlichkeit wegen der Pandemie bewusst nicht eingeladen worden | Foto: Sichelstiel2020/11/volkstrauertag-lauf-friedhof.jpg

NÜRNBERGER LAND – Wo sonst Posaunen spielten und Gesangvereine auftraten, war gestern nur Stefan Gentsch mit seinem Kornett zu hören: Er hat damit den Volkstrauertag in Leinburg, Diepersdorf, Weißenbrunn und Entenberg begleitet.

Der Klang eines einsamen Instruments passte gut zu einem Tag, an dem nichts wie sonst war: In den meisten Kommunen im PZ-Verbreitungsgebiet fanden die üblichen Gedenkminuten entweder ganz unter Ausschluss der Öffentlichkeit oder nur in kleiner Runde statt. Immerhin gilt nach wie vor der Teil-Lockdown.

Gedenken an die Opfer des Krieges

Während sein Stellvertreter Günther Kuhn am Ehrenmal in Diepersdorf einen Kranz niederlegte, hielt der Leinburger Bürgermeister Thomas Kraußer dort eine kurze Rede. Er erinnerte an die Kriegstoten und die Opfer von Gewaltherrschaft. Aber er ging auch auf die Pandemie ein: Die über 80-Jährigen, so Kraußer, die den Krieg noch erlebt hätten, wüssten, „wie vergleichsweise begrenzt die aktuelle Krise doch ist“.

Auch im Neunkirchener Gemeindebereich fanden Gedenkveranstaltungen statt. In Kersbach las Pfarrer Stefan Alexander die Fürbitten, während Bürgermeister Jens Fankhänel die Rede hielt. Er erinnerte er nicht nur an Kriegsopfer, sondern auch an durch Terrorismus Getötete. In Rollhofen war Alois Beck unter den wenigen Gästen. Er war über 30 Jahre lang Vorsitzender des Soldaten- und Kameradschaftsbund Rollhofen – und für ihn war Gedenkfeier wichtig, auch wenn sie in gekürzter Form stattfand. Die musikalische Gestaltung kam ausnahmsweise vom USB-Stick: „Ich hatt‘ einen Kameraden“ sowie die Nationalhymne.

Für den Soldaten- und Kameradschaftsbund war die Gedenkfeier in Rollhofen wichtig, auch wenn sie nur in gekürzter Form stattfand. Foto: Schuster2020/11/volkstrauertag-neunkirchen-corona-fankhangel-rollhofen.jpg

„Wir wollen bewusst ein Zeichen setzen“, so Thomas Lang, der Laufer Bürgermeister. Trotz Corona trafen sich Vertreter von Politik, Kirchen, Hilfsorganisationen und Reservisten auf dem Friedhof in Lauf. Nur die Öffentlichkeit war wegen der Pandemie nicht eingeladen. Der evangelische Stadtpfarrer Jan-Peter Hanstein spannte einen Bogen vom Gestern ins Heute: „Unsere Kultur hat sich sehr geändert, wir wollen inzwischen jedes Leben schützen.“

Autoren: Andreas Sichelstiel, Udo Schuster

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