Neujahrsempfang 2020

Ein Loblied auf Lauf – und auf das „Wir“

Bürgermeister Bisping lobte vor den rund 500 Gästen das "Wir". | Foto: Sichelstiel2020/01/benedikt-bisping-rede-neujahrsempfang-lauf-aula-gymnasium-scaled.jpg

LAUF — Rund 500 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft hat die Stadt bei ihrem Neujahrsempfang begrüßt. Weil die Bertleinschule derzeit umgebaut wird, fand dieser in der Aula des Christoph-Jacob-Treu-Gymnasiums statt.

Wer zum Kreis der Eingeladenen gehörte, musste Schlange stehen. Deutlich über eineinhalb Stunden zog sich das Defilee hin, bei dem jeder erst einmal den drei Laufer Bürgermeistern die Hand schüttelt. Das ist Tradition beim Laufer Neujahrsempfang, schon unter Benedikt Bispings Vorgänger Rüdiger Pompl war es so.

Dass es diesmal besonders lange dauerte, interpretierte der Amts­inhaber am Freitagabend als Zeichen dafür, dass besonders viele der Einladung der Stadt in die Aula des Gymnasiums gefolgt waren. Etwa 500 Gäste waren es, ob Bürgermeisterkollegen aus den Nachbargemeinden, Bankvorstände, Feuerwehrleute oder Künstler. Sollten Bisping oder seiner Frau Lydia Hufmann-Bisping, die ebenfalls alle persönlich begrüßte, die Hände geschmerzt haben: Anzumerken war es ihnen jedenfalls nicht.

Händeschütteln gehört beim Laufer Neujahrsempfang dazu. Hier tun es Immobilienentwickler Carsten Rüstig und Dritter Bürgermeister Thomas Lang. | Foto: Sichelstiel2020/01/neujahrsempfang-handeschuttel-carsten-rustig-lang.jpg

Wer nicht anstehen wollte oder im Vorfeld gar keine Einladung bekommen hatte, der hätte den Abend übrigens auch gut auf Facebook oder Instagram verfolgen können. Der Bürgermeister ist, wie andere Lokalpolitiker auch, Social-Media-Profi genug, um die ganze Welt am Neujahrsempfang teilhaben zu lassen, von der Wahl der richtigen Schuhe und der Krawatte am Tag zuvor bis zum Redemanuskript, das natürlich online abrufbar ist (PDF). Die Abstimmung der Facebook-Gemeinde über die Schuhe fiel eindeutig aus, klar, zum blauen Anzug gehören braune Schuhe, nicht die schwarzen. Und Bisping hatte – natürlich – die braunen Schuhe an.

Das „Wir“ ist nicht nur fester Bestandteil dieser Inszenierung, es beherrschte auch ganz die Rede des 2008 gewählten Grünen-Politikers, der sich im März um eine dritte Amtszeit bewirbt: „Lassen wir das ‚Wir‘ weiter wachsen“. Dass „unsere“ Bilanz, die Bisping in etwa 45 Minuten umriss, natürlich auch seine Bilanz ist, ein Argument für eine Wiederwahl, schien dabei nur ganz zart durch. Kein plumper Wahlkampf, kein Austeilen gegen politische Mitbewerber, stattdessen viel „Miteinander“ und „Gemeinschaft“.

Mut statt Schwarzseherei

Außen vor sind dabei, so Bispings Worte, die „Schwarzseher, Nörgler und Frustrierten“, ob in den sozialen Medien, auf die er sich dabei explizit bezog, oder halt im echten Leben, darf man getrost ergänzen. Ihnen fehle der Mut, ebenso wie jenen, die Ausgrenzung und Hass schürten. Mut – auch das war ein zentrales Wort seiner Rede.

Mutig ist für den 52-jährigen Rathauschef, der von sich auf seiner Website behauptet, Lauf zu leben, wer hinsieht und handelt, trotz schlechter Rahmenbedingungen. Und die gibt es ihm zufolge auf vielen Ebenen: Bei „unseren Freunden“ im böhmischen Loket – die beiden Städte verbindet ein Memorandum zur Zusammenarbeit – „läuft das Internet“, während Deutschland die rote Laterne habe. Die Automobilindustrie fahre „rechtsverletzend auf Vollgas weiter“, in der Gesundheitspolitik würden die falschen Strukturentscheidungen getroffen.

Für die Musik während des offiziellen Teilssorgte die Lehrercombo der Sing- und Musikschule Lauf. | Foto: Sichelstiel2020/01/neujahrsempfang-lauf-lehrercombo-musikschule-scaled.jpg

Lauf, das ist für Bisping ein gutes (Gegen-)Beispiel, ob mit seinem Krankenhaus, der boomenden Wirtschaft oder den 44 Bildungseinrichtungen. Der Bürgermeister kann das mit Zahlen belegen, er nannte etwa eine Zunahme von 25,5 Prozent binnen zehn Jahren bei den sozialversicherungspflichten Beschäftigungsverhältnissen. Oder jene 30 Millionen Euro, die die Kommune in die Sanierung der Bertleinschule investiert. Weil dort gebaut wird, musste der Empfang ins Gymnasium verlegt werden. Der Werkzeughersteller Emuge, so Bisping, werde nun eine „neue Fabrik“ auf dem brachliegenden Gelände im Stadtwesten errichten, EBMPapst ein Fabrikationsgebäude im Industriegebiet. „Wir“ sind auf vielen Feldern erfolgreich.

Kroder ist dankbar

Landrat Armin Kroder (FW), der nach dem Grünen das Wort hatte, begann ganz grundsätzlich: Er schöpfe Kraft aus einem Gefühl der Dankbarkeit. Dankbarkeit zum Beispiel für 75 Jahre Frieden. Auch wenn sie „nicht zu jeder Frage spontan die richtige Antwort ausspucken kann“ – die Demokratie „ist und bleibt gut“.

Dankbar für die Demokratie: Landrat Armin Kroder. | Foto: Sichelstiel2020/01/neujahrsempfang-lauf-armin-kroder-landrat-redner-fw-rednerpult-scaled.jpg

Konflikte gebe es freilich zuhauf. Stichwort „Nachhaltigkeit“: Es gehe darum, Ökonomie, Ökologie, Soziales und Kultur in Ausgleich zu bringen, da komme man um Diskussionen nicht herum. Am Ende müsse man „kompromissbehaftete Lösungen“ finden. Faule Kompromisse, so der Landrat, gebe es eigentlich nicht. Im Gegenteil: Der Kompromiss als Form des Ausgleichs sei das Ideal, so Kroder, der am Rednerpult außerdem für das Nahverkehrs- und das Radwegekonzept des Landkreises warb.

Auch er posierte an diesem Abend noch für Social-Media-Bilder, gemeinsam mit dem Laufer FW-Stadtrat und Bürgermeisterstellvertreter Thomas Lang. Landratskandidatin Cornelia Trinkl (CSU) hingegen war gemeinsam mit Norbert Maschler, dem Laufer Bewerber der Christsozialen, zu sehen. Der Empfang endete am Buffet, musikalisch wurde der Stehempfang von Christina Sterr und Peter Weidinger begleitet. Zuvor war die Lehrercombo der Sing- und Musikschule aufgetreten. 

N-Land Andreas Sichelstiel
Andreas Sichelstiel