Kirchröttenbach: Marktrat steht hinter der Schule

SCHNAITTACH (mz) – Der Schnaittacher Marktrat steht hinter der Kirchröttenbacher Grundschule. Mit 13:8 Stimmen sprach sich das Gremium für die 1,080 Millionen Euro teure Sanierung aus – vor geschätzten 200 Zuhörern hauptsächlich aus den Gemeinden des Kirchröttenbacher Kirchensprengels. Ob oder wie lange die Dorfschule überlebt, steht damit noch nicht fest, Schnaittach will jetzt aber für sie kämpfen.
Für die Markträte war das große Interesse etwas Neues. Nicht nur die Zuschauerempore war voll besetzt mit Männern, Frauen und Kindern, sondern auch Treppe und Vorraum. Selbst im Sitzungssaal standen noch Kirchröttenbacher, Bullacher und Herpersdorfer.
Der Andrang war für die Lokalpolitiker aber keine Überraschung. Immerhin wurden sie in der vergangenen Woche regelrecht bedrängt von den Schulbefürwortern – telefonisch, per Mail oder vis-á-vis. Kirchröttenbach machte mobil, genauso erfolgreich wie vor 20 Jahren, als die Schule schon einmal am Ende schien und wie vor zwei Monaten bei der Eckentaler Marktratsitzung, als der Saal genauso überfüllt war und als ebenfalls der Bürgermeister, Wilfried Glässer, als Schulgegner zu den Abstimmungsverlierern gehörte.
Sein Schnaittacher Kollege Georg Brandmüller hielt – kurz gesagt – zwei Grundschulstandorte in der Marktgemeinde für zu teuer, angesichts der allgemeinen Rahmenbedingungen. In Kirchröttenbach müsste praktisch alles von Grund auf saniert werden, abgesehen von den neuen Fluchttreppen. Akut wäre jetzt aber – zusätzlich zur mit Konjunkturgeld geförderten energetischen Sanierung – eine 372000 Euro teure Basis-Instandsetzung, für die es wohl auch Zuschüsse gäbe. Die Restbeträge würden nach Schülerzahlen zwischen Schnaittach, Eckental und Lauf aufgeteilt.
«Die bisherigen Schätzungen und Förderzusagen unterliegen schon noch gewissen Unsicherheiten», sagte Brandmüller in seiner Rede. So sei sogar der Zuschuss aus dem Konjunkturpaket fraglich, weil noch nicht klar ist, wem das Schulgebäude gehört. Im Grundbuch ist der nicht mehr existierende Schulverband Eckenhaid eingetragen. Nach weiteren Unterlagen fahndet das Rathaus mit Unterstützung des Marktrats und Anwalts Ulrich Weber. Seit längerem laufen auch Verhandlungen mit Eckental. Bisher ohne Erfolg.
Brandmüller hatte zwei weitere Argumente: den Geburtenrückgang allgemein und konkret auch in Bullach und im «ländlichen Raum um Kirchröttenbach» sowie die höheren Standards moderner Schulen. Diesen Punkt erläuterte er ausführlich in seiner Rede, in der er sorgfältig auch die Sichtweise der Schulbefürworter beachtete.
Er hob den Blick über Kirchröttenbach hinaus auf die Gesamtgemeinde und die Landespolitik. Brandmüller: Künftig werde es insgesamt weniger Schulen geben, diese wenigen hätten aber höhere Standards. «Im Vergleich zu städtischen Schulen sind unsere nicht wettbewerbsfähig im Kampf um junge Familien», sagte er. Er befürchtet, dass sich Schnaittach wegen seiner knappen finanziellen Möglichkeiten verzetteln könnte und dann «weder am einen noch am anderen Schulstandort» die Vorgaben der Bildungspolitik erreicht.
Rückendeckung erhielt der Bürgemeister nur von der Gruppe Fair («unsere Aufgabe als Gemeinderäte ist es, das gesamte Gemeindegebiet und die langfristige Entwicklung im Auge zu haben») und von fünf der sieben SPD-Markträte. Georg Sperber: Die Investition sei zu riskant, denn letztlich werde die Zukunft der Schule durch die Bildungspolitik entschieden – «wir von der SPD machen diese Steuergeldverschwendung nicht mit», sagte er. Sein Kollege Ulrich Weber wollte die Entscheidung verschieben und stimmte gegen die Sanierung, im Gegensatz zu Siegfried und Andrea Ruckriegl.
Vater und Tochter lagen auf einer Linie mit der Ratsmehrheit, der gesamten CSU-Fraktion, FW und Grüne/FW. Johannes Merkel (CSU) wollte die «historische Chance, den Schulstandort längerfristig aufrecht zu erhalten, nicht verstreichen lassen». Es «wäre fahrlässig» trotz Konjunkturgeld und den Beiträgen von Eckental und Lauf nichts zu machen.
Karin Dobbert (Grüne) sagte, dass es sich widerspräche, einerseits in die Dorferneuerung zu investieren, um den Ort zu stärken, und andererseits die «wohnortnahe Schule, die Kindern sehr gut tut» zu kippen.
Thomas Winter (FW) griff eine Diskussion zwischen Karin Müller (CSU) und Bürgermeister Brandmüller auf. Sie hatte diesem «Untätigkeit» unter anderem in der Eigentumsfrage vorgeworfen. Winter forderte für die FW, dies endlich zu einem Ergebnis zu bringen und dafür zu sorgen, dass das Konjunkturgeld sicher für Schnaittach fließt. Darin war er sich auch mit Oliver Unterburger von der Fraktion Grüne/FW einig. Brandmüller entgegnete, dass sich 30 Jahre niemand um die Eigentumsfrage gekümmert habe, das Rathaus aber seit einem halben Jahr dran sei und dies auch bleibe.
Schon vor dem Votum für die Schulsanierung hatte Brandmüller versprochen, auch diese Entscheidung zu respektieren und sie als «unbedingten Arbeitsauftrag» zu verstehen. Die Kirchröttenbacher jubelten und stießen hinterher auf der Straße noch mit Sekt an.

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