Eckenhaider Dorfladen

Jetzt ist Kapital gefragt

Für die Abstimmung über den Gesellschaftervertrag war es wichtig, dass sich alle bei der Gründungsversammlung anwesenden Eckenhaider namentlich in Listen eintrugen. Foto: Krieger2013/01/57111_Dorfladen-EintragungListeb_New_1358528764.jpg

ECKENHAID — Die erste Hürde ist genommen: In einer langen Sitzung haben 150 Eckenhaider Bürger am Donnerstagabend ihren Dorfladen gegründet. Am Ende stimmten sie einstimmig für die Rechtsform einer Unternehmergesellschaft mit stillen Gesellschaftern, im Volksmund auch Bürgerverein genannt. Ob das notwendige Startkapital – es ist auf 70 000 Euro taxiert- zusammenkommt, ist allerdings immer noch offen.

Gegen 22.30 Uhr endlich begann der Drucker in der Ecke der Friedenskirche unermüdlich zu rattern. Er spukte Vorlagen für die Zeichnung der Anteilsscheine und den an diesem Abend beschlossenen Gesellschaftervertrag aus. Lange Schlangen bildeten sich vor dem Arbeitstisch, an dem Unternehmensberater Wolfgang Gröll und die Mitglieder des Arbeitskreises Bürger für Bürger die Unterlagen in die Hand drückten. Nach drei Stunden Marathonsitzung waren die meisten froh, endlich die Zeichnungsscheine in der Hand zu halten, unterschrieben schnell oder packten die Unterlagen ein und verließen die Kirche.

200 Euro, so war gleich zu Beginn bekanntgegeben worden, würden die Mindestbeteiligung betragen, die Zahl hatte vorher schon kursiert, so waren die wenigsten überrascht. „Klar zeichnen wir“ sagte Gerda Häfner, die mit ihren Freundinnen Ursula Seibold und Linde Erben einen Platz im hinteren Teil der Kirche ergattert hatte, „wir stehen voll hinter dem Projekt“. Nur die Sprecherin des Eckenhaider Seniorenclubs merkte an, dass 200 Euro für viele ihrer Senioren zu viel seien, ob nicht auch weniger möglich wäre, schließlich seien das doch die zukünftigen Kunden des Dorfladens. Organisator Toni Egloffstein versprach, das Gespräch zu suchen. Generell könne man aber nicht von der Summe runtergehen, „sonst brauchen wir zu viele Unterzeichner“.

Denn das ist nach wie vor die Gretchenfrage: Wer zeichnet und wie viel? Nach der Infoveranstaltung Ende November, war diesmal zumindest platztechnisch noch Luft nach oben. 150 Bürger trugen sich namentlich in die Liste der offiziellen Gründungsversammlung ein und stimmten am Ende dem Vertrag zu. „Es waren die da, bei denen wir davon ausgehen, dass sie auch zeichnen“, so Organisator Toni Egloffstein etwas erschöpft am nächsten Morgen, „viele haben auch Unterlagen für Familienmitglieder mit nach Hause genommen, wir sind zuversichtlich“.

In drei Wochen, wenn der Gesellschafterrat und der Aufsichtsrat gewählt bzw. bestimmt werden sollen, hofft er, dass klar ist, ob die 70000 Euro Startkapital für die Einrichtung, den Bau von Toiletten und die ersten Waren zusammengekommen sind. Bis dahin können die Bürger – auch solche die nicht bei der Gründungsversammlung anwesend waren – noch Anteilsscheine zeichnen. Sie sind bei Toni Egloffstein erhältlich oder können von der Homepage der Initiative heruntergeladen werden.

Gründung ist komplex

Dass so eine Unternehmensgründung wirtschaftlich und juristisch eine ganz schön komplexe Angelegenheit ist, auch das erfuhren die Eckenhaider an diesem Abend, der für viele zu einem Crashkurs in Sachen Vertragsrecht wurde. Auseinandersetzungsguthaben, Liquidation, Kündigungsfristen, Ausschüttung von Gewinnen, Wahl des Aufsichtsrates- auch für die Mitglieder des Arbeitskreises Dorfladen, die sich in den letzten Wochen intensiv mit der Materie befasst hatten, war die Erläuterung des Vertrages eine Herausforderung.

Denn ausgerechnet an diesem Abend kam Unternehmensberater Wolfgang Gröll deutlich zu spät- er steckte im Stau auf der Autobahn fest – und konnte so erst spät ins Geschehen eingreifen. Da hatten einige Eckenhaider schon kritisch zum ein oder anderen Punkt nachgefragt und Diskussionen aufgeworfen, die der mit allen juristischen Fragestellungen versierte Unternehmensberater am Ende schnell klären konnte. Doch eines zeigte sich dabei auch – viele Eckenhaider wollen mitreden bei ihrem Dorfladen- und so wurde auf Initiative einiger Zuhörer im Vertrag verankert, dass die stillen Gesellschafter nicht nur die Möglichkeit, sondern das Recht haben, den Aufsichtsrat zu bestellen. Jenes Organ, das, wie sich derzeit beim Flughafen Berlin zeigt, in Sachen Kontrolle sehr wichtig ist.

Die Aufsichtsratsmitglieder können in Zukunft dann auch über die Entwicklung ihres Ladens mitbestimmen – so zum Beispiel über das angeschlossene Cafe, das sich, so hatte es die Dorfladen-Umfrage ergeben, viele Eckenhaider wünschen. Auch ein Liefer- und Bringservice käme gut an, erläuterte Ralph-Udo Lotter, einer der designierten ehrenamtlichen Geschäftsführer. Das hatte die Auswertung der mehr als 400 Umfragebögen ergeben, die zurückgekommen waren.

Umsatz von bis zu 700 000 Euro

Nach den Berechnungen von Unternehmensberater Wolfgang Gröll lassen diese auch eine positive Einschätzung der wirtschaftlichen Daten zu. Demnach könnte der Laden, der nach den Wünschen der Eckenhaider in einem großen Umfang mit regionalen Produkten, auch aus Bioproduktion, bestückt werden soll, einmal einen Umsatz von 700 000 Euro erwirtschaften. Mehr als 40 Prozent der Befragten können sich vorstellen, dort regelmäßig einzukaufen.

Am Ende des langen Abends dankte Toni Egloffstein den künftigen stillen Gesellschaftern für ihr Steh- und Sitzvermögen, der erste Schritt sei gemacht, als Unternehmergesellschaft können man nun loslegen und in die Verhandlungen mit Lieferanten gehen, „wir freuen uns darauf“. Ein schönes Logo für den Dorfladen werde noch gebraucht, „wir wünschen uns ihre Ideen und Vorschläge“.

Die Anteilsscheine können bei der Raiffeisenbank, der Sparkasse, bei Arzt Dr. Rosenfeld und in der evangelischen Kirche abgegeben werden. Erhältlich sind sie bei Toni Egloffstein unter Tel. 09126 284844 oder im Internet unter www.dorfladen-eckenhaid.de.

N-Land Isabel Krieger
Isabel Krieger