Eschenau in der dritten Kino-Dimension

Willkommen in der Zukunft: Antje Bezold hat ihre „Casino Lichtspiele“ in Eschenau auf hochmoderne 3D-Technik umgerüstet. Eine riesige Investition für das Dorfkino – dem Publikum gefällt es bisher bestens. Foto: Ziegler2011/05/22624_New_1306397163.jpg

ESCHENAU — Früher hatte jedes größere Dorf sein Kino – die Kleinstadt Röthenbach beispielsweise hatte sogar vier davon. Inzwischen ist im Verbreitungsgebiet der PZ nur noch eines übrig: Die Casino Lichtspiele in Eschenau. Dieser Familienbetrieb, heute in zweiter Generation geführt von Antje Bezold, funktioniert seit 50 Jahren. Unter anderem deshalb, weil man dort auf die aktuellsten Filme und die neueste Technik setzt. Seit letzter Woche läuft zum Beispiel „Fluch der Karibik IV“ – und zwar in 3 D.

Fast 100 000 Euro kostet der neue 3-D-Projektor, der seit einer guten Woche im Antje Bezolds kleinem Filmvorführraum steht. Direkt daneben sieht man noch, wie Kino früher ging: Zwei große Metallspulen hängen dort, über die einst die 35-Millimeter-Filme liefen. Die Zeiten der meterlangen Filmstreifen sind vorbei: Heute werden die Filmdaten auf Festplatten angeliefert und der Projektor ist ein Hochleistungscomputer, der neben digitalem Bild und Ton noch gleich die Saalbeleuchtung und den Schließmechanismus des Vorhangs steuert. „Einer der Vorteile: Einen digitalen Film kann man 200 Mal abspielen und er behält seine Qualität. Wenn eine Filmrolle einmal herunter fällt, schadet das schon der Qualität“, erklärt Kino-Chefin Antje Bezold.

Charme von früher

Der Kinosaal selbst hat noch den Charme der früheren Zeit: Grün bezogene Stoffsitze in 70er-Jahre-Optik zum Hochklappen, ein quietsch-orangener Vorhang, PVC-Boden, Popcorngeruch. Auch während der Kinowerbung ist noch alles wie anno dazumal: Heimische Unternehmen preisen ihre Produkte, vom Schmuckstück bis zum Girokonto. Nur der Ton, der ist irgendwie klarer – digitale Technik macht‘s möglich.

Doch dann: Man folgt der Anweisung auf der Leinwand und setzt die dunkle Plastikbrille auf, die die freundliche Chefin am Einlass verteilt hat – und schon ist man in der Neuzeit angekommen. Es läuft die Vorschau auf den Film „Kung Fu Panda“. Bild und Farbgebung sind nicht nur wesentlich klarer, schärfer und brillianter, sondern man befindet sich quasi mitten in diesem Bild: Der Pandabär rennt nicht mehr von links nach rechts, sondern von links hinten nach rechts vorne, geradewegs auf den Zuschauer zu. Unwillkürlich zuckt man zurück, als ein Vogel direkt auf einen zu fliegt. Wenn Captain Jack Sparrow später mit seinen Widersachern kämpfen wird, ist der Eschenauer Kinobesucher, buchstäblich, mittendrin statt nur dabei.

Vergangenen Donnerstag um 16 Uhr lief mit dem vierten Teil der Piraten-Saga „Fluch der Karibik“ der erste 3D-Film im Eschenauer Kino. Bis in der Nacht zuvor hatte Antje Bezold gezittert, ob alles funktionieren würde. Was, wenn sich der Computer aufhängt? Im Büro passiert das schließlich täglich! Was, wenn es Bild gibt, aber keinen Ton oder anders herum? Und wenn dann beim Kundendienst der Herstellerfirma niemand erreichbar ist und im Kino 200 Zuschauer auf ihren Film warten?

Publikum war begeistert


Doch nichts dergleichen ist bisher geschehen. Im Gegenteil: Das „Premierenpublikum“ war begeistert. „Es ist nicht mal jemand aufs Klo gegangen, so gefesselt waren die Leute“, berichtet Bezold stolz – und ein bisschen erleichtert. Am zweiten Tag in der 3D-Ära kamen einige Kinder in die Vorstellung, die Antje Bezold bekannt vorkamen: „Ihr wart doch gestern erst da?“, fragte sie die Halbstarken. „Ja, aber das war so cool, das müssen wir gleich nochmal sehen“, lautete die Antwort.

Sind 3-D-Filme die Zukunft? „Zum Teil ja“, ist sich Bezold sicher. „Eine romantische Komödie wird eher niemand in 3 D brauchen, und kleinere Filmproduktionen haben einfach nicht das Budget für diese aufwändige Technik, aber beim Rest: auf jeden Fall.“ Bezold steht im ständigen Kontakt zu anderen Betreibern kleiner Kinos, und auch dort zeigt die Erfahrung: Die Zuschauer wollen diese Technik. Dafür, so hofft sie, sind sie auch bereit die drei Euro Aufpreis zu bezahlen. Zweidimensionale Filme indes wird es im Eschenauer Kino auch weiterhin auch geben.

Karten gewinnen

Die Pegnitz-Zeitung verlost fünf mal zwei Karten für einen 3-D-Film in den Casino Lichtspielen. Teilnahme per E-Mail an [email protected] oder per Post an die Redaktion, zu Händen Ingrid Ziegenbein. Einsendeschluss ist Sonntag, 29. Mai, die Karten gelten bis zum 30.6.

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