285 Bürger ermöglichen Projekt

Eckenhaider kaufen im Dorfladen

Großer Andrang herrscht am ersten Verkaufstag des Dorfladens, des ersten nach genossenschaftlichem Prinzip gegründeten Ladens im Landkreis Erlangen-Höchstadt2013/06/64600_DorfladenEckenhaideroeffnungVerkauf2_New_1370964968.jpg

ECKENHAID — 49 Jahre nach der Eröffnung des ersten Ladens haben die Eckenhaider wieder einen Nahversorger in ihrem Ortsteil: Unter großer Anteilnahme der Anteilseigner öffnete gestern der „Dorfladen“ seine Pforten.

Hilde Michl ist gerührt. „Ich habe mir sehr gewünscht, dass wieder Leben in den Laden kommt“, sagt die frühere Chefin des „Michl“, wie die Eckenhaider ihr Geschäft in der Eisenstraße über Jahrzehnte liebevoll nannten. 2007 gingen sie und ihr Mann Otto, die den Laden fast 40 Jahre gemeinsam geführt hatten, in Rente. Fünf Jahre lang betrieb Edeka dann in den Räumen eine „Nah und Gut“-Filiale, seit November 2012 war diese Geschichte – zu wenig Rendite. Ein herber Schlag für die Eckenhaider, die von heute auf morgen ohne Einkaufsmöglichkeit im Ort dastanden. Dass nun gestern auf den Tag genau 49 Jahre nach der eigenen Eröffnung wieder die Lichter angingen im über Monate verwaisten Geschäft, freut die Seniorin, die zur Feier des Tages gemeinsam mit ihrem Mann das Band durchschnitt: „Das war unser Lebenswerk, und nun sind es die Eckenhaider, die es fortführen“.

285 Bürger haben sich mit Anteilsscheinen im Wert von je 200 Euro an der Unternehmergesellschaft beteiligt und damit die Gründung des Dorfladens ermöglicht, die im Herbst 2012 von Vertretern der örtlichen Vereine und Kirchen initiiert worden war. Im Vergleich zu Ladengründungen mit Bürgerbeteiligung in anderen Orten war in Eckenhaid schnell klar gewesen, der Dorfladen kommt zustande, hatten doch bereits an der Gründungsversammlung mehrere hundert Menschen teilgenommen. Vor allem eine Caféecke hatten sich viele Eckenhaider gewünscht sowie ein Angebot an regionalem Gemüse und Obst, Wurst und Backwaren und anderen Spezialitäten.

Der Eckenhaider Dorfladen – es ist der erste im Landkreis Erlangen-Höchstadt, der nach genossenschaftlichem Prinzip zustande kam – wird diesen Namen auch in Zukunft tragen, obwohl er eigentlich nur eingeschränkt richtig ist: Der Laden verfügt nämlich über ein Vollsortiment des täglichen Bedarfs. 1800 Artikel- vom Toilettenartikel bis zur Konserve sind verfügbar, betont Geschäftsführer Toni Egloffstein. Möglich macht das eine Kooperation mit der LHG Handelsgesellschaft, die auch die Dorfläden im Nürnberger Land beliefert und zwar mit Produkten in kleineren Stückzahlen.

Ergänzt wird das Ganze durch Wurst- und Milchprodukte, Backwaren, Gemüse und Obst, bei denen die Organisatoren auf Regionalität setzen: So kommt die Wurst von drei Metzgern aus der Region. Brot und Backwaren liefern zwei lokale Bäcker. Zusätzlich gibt es zweimal die Woche Spezialitäten wie etwa Holzofenbrot. Besonders stolz ist man auf die regionale Weintheke und das Käseangebot. Der Laden wird täglich beliefert. Zwei Vollzeit- und vier Teilzeitkräfte kümmern sich um den Verkauf und um den Service im Cafébereich.

„Laden muss wachsen“

„Frische war uns wichtig“, sagt Toni Egloffstein, deshalb floss gut die Hälfte des Kapitals von rund 70 000 Euro in Kühltheken und Kühlzelle. Alles andere wird sich finden, ist der Geschäftsführer überzeugt, „So ein Laden muss wachsen. Wir machen mit dem Sortiment einen Grundvorschlag, die Kunden haben nun die Möglichkeit, ihre Wünsche einzubringen“. Und er soll sich auch rechnen: Ende des Jahres wird der Aufsichtsrat erstmals Rechenschaft gegenüber den Anteilseignern ablegen, ob diese ihr Kapital gut angelegt haben.

Am ersten Verkaufstag aber spielte das noch keine Rolle und blieben auch noch keine Wünsche offen: Mit einem Glas Sekt in der Hand erkundeten die Eckenhaider ihren Laden und kauften auch schon fleißig ein. So auch Anne Stark, die sich vorgenommen hat, künftig einmal die Woche einen Großeinkauf zu machen- und im Anschluss einen Kaffee zu trinken – in ihrem Dorfladen.

N-Land Isabel Krieger
Isabel Krieger