Prozess gegen Susanne G.

Drohschreiben veränderten das Leben

Heute vor der Außenstelle des Oberlandesgerichts München in Stadelheim (von links): Rechtsanwalt Harald Straßner vertritt Landrat Armin Kroder, Bürgermeister Frank Pitterlein hat Maximilian Bär als Anwalt beauftragt. Die beiden Politiker sind Nebenkläger in dem Verfahren gegen Susanne G. | Foto: Beck2021/05/Image-11.jpg

MÜNCHEN — Im Prozess gegen die Rechtsextremistin Susanne G. haben heute vor dem Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts München zwei Politiker und ihre Familien ausgesagt. An Landrat Armin Kroder und den Schnaittacher Bürgermeister Frank Pitterlein waren Morddrohungen gerichtet – für beide eine einschneidende Erfahrung.

Für eine ganze Serie von Drohbriefen zwischen Dezember 2019 und März 2020 ist Susanne G. nach Auffassung der Bundesanwaltschaft verantwortlich. Obendrein wird ihr vorgeworfen, einen Anschlag geplant zu haben. Wie es sich anfühlt, mit dem Tod bedroht zu werden, das beantworteten die mutmaßlichen Opfer der 55-Jährigen heute vor Gericht: Einstimmig schilderten sie, dass sich ihr Leben dadurch verändert habe.

Landrat Armin Kroder und seine Frau Britta etwa unterscheiden zwischen einer Zeit vor dem ersten Drohbrief und der Zeit danach. Sie seien misstrauischer geworden, so die Zeugen und Nebenkläger in ihren emotionalen Aussagen vor dem Staatsschutzsenat.

Anspielung auf den Lübcke-Mord

Pitterlein und Kroder hatten beide mit Patronen versehen Schreiben erhalten. „Juden- und Ausländerfreund, erschossen auf der Terrasse“ stand auf einer Beileidskarte, die im Dezember 2019 an den Landrat des Landkreises Nürnberger Land ging – eine offensichtliche Anspielung auf den Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke.

Froh waren beide Familien nach eigenen Angaben über die Verhaftung von Susanne G. als Tatverdächtiger. Der Prozess gegen die Heilpraktikerin aus der Gemeinde Leinburg sei nun ein wichtiger Teil der Aufarbeitung.

Landrat Kroder hatte bereits früh mit dem Schnaittacher Bürgermeister über die Drohung gesprochen. Als er die erste Karte bekam, habe er sofort an Kroder denken müssen, so Pitterlein in seiner Aussage. Die Patrone habe er damals bereits durch den Umschlag fühlen können, sagte der frühere Bundeswehroffizier.

Beide hatten nicht damit gerechnet, als Lokalpolitiker derart konkret einer Gefährdung ausgesetzt zu sein. Anders als der Bürgermeister hatte der Landrat zeitweise Personenschutz erhalten.

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