Ausstellung zur Entstehung des Artikels 3 im Grundgesetz

Die Mütter der Gleichberechtigung

Andrea Carl, Studentin Soziale Arbeit und Praktikantin am Landratsamt als Helene Wessel, Annette Zimmermann vom Bündnis für Familie als Frauenrechtlerin Helene Weber, Stefanie Bär, Sachbereichsleiterin Personal als Mutter des Gleichberechtigungssatzes, Elisabeth Selfert und Sophie Linnert von der Kreisentwicklung als Frieda Nadig als die vier Mütter des Grundgesetzes, zwischen Landrat Armin Kroder und der Gleichstellungsbeauftragten Anja Wirkner von links. | Foto: Krieger2019/07/Ausstellung-Mutter-des-Grundgesetzes-LRA.jpg

Lauf. „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ Dass dieser Satz in Artikel 3 des Grundgesetzes aufgenommen wurde, ist vier Frauen zu verdanken, die sich parteiübergreifend für die Gleichstellung eingesetzt haben: Elisabeth Selbert, Helene Weber, Frieda Nadig und Helene Wessel.
Die vier „Mütter des Grundgesetzes“ waren aber nicht nur maßgebliche Akteurinnen der 1949 in Kraft getretenen Verfassung der Bundesrepublik, sondern auch echte Rollenvorbilder, die Beruf und politisches Engagement mit gesellschaftlicher Weitsicht verbanden. Das zeigt die Wanderausstellung „Mütter des Grundgesetzes“, die im Laufer Landratsamt eröffnet wurde. Dabei durften die vier Damen noch einmal persönlich zu Wort kommen.

2019 feiert die Bundesrepublik 70 Jahre Grundgesetz und 100 Jahre Frauenwahlrecht. Zwei Jubiläen, die versinnbildlichen, wie jung die meisten der heute als selbstverständlich wahrgenommenen Rechte in Deutschland noch sind – und nicht zuletzt auch, wie einmalig. Passend zu diesen beiden Jubiläen hat die Gleichstellungsstelle am Landratsamt unter Federführung von Anja Wirkner die Ausstellung „Die Mütter des Grundgesetzes“ des Bundesministeriums für Familie nach Lauf geholt. Sie zeigt die weiblichen Akteurinnen hinter dem Grundgesetz. Die Tafeln widmen sich den Lebenswegen von Frieda Nadig, Elisabeth Selbert, Helene Weber und Helene Wessel. Die vier Damen waren Mitglieder des Parlamentarischen Rates und erkämpften mit Art. 3, Abs. 2 die Verankerung der Gleichberechtigung im Grundgesetz.

Was war der richtige Weg?

Bis es so weit war, gab es allerdings heftige Diskussionen. Selbst die vier Frauen, die nicht nur aus unterschiedlichen politischen Lagern, sondern auch aus unterschiedlichen Berufen und sozialen Schichten kamen, waren sich nicht einig. Zwar wollten sie die Rechte der Frauen stärken, aber welcher war der richtige Weg? Würde die Frauenrolle mit der Formulierung der „Gleichberechtigung“ nicht verlieren? Im Bürgerlichen Gesetzbuch waren gerade deutliche Verbesserungen im Familien- und Scheidungsrecht erlangt worden: Würde der Gleichberechtigungsgrundsatz dies nicht torpedieren?

Am Ende langer Auseinandersetzungen schaffte es die Juristin Elisabeth Selbert von der SPD, von der der Vorschlag für den Gleichberechtigungssatz kam, ihre drei Kolleginnen und schließlich auch die Männer des Parlamentarischen Rates und der Grundsatzkommission zu überzeugen. Nicht ohne dass sie dafür trommelnd durch die Lande reisen musste. Waschkorbweise flatterten daraufhin die Protestbriefe von Frauen beim Parlamentarischen Rat ein, bis dieser einstimmig zustimmte.

Formuliert wurde damit 1949 ein Programm, nicht eine Aussage über die Realität. In dieser ist die Gleichberechtigung bis heute, trotz der Anpassung des Paragrafen im Rahmen der Wiedervereinigung, in vielen Lebensbereichen nicht umgesetzt. Zwar heißt es seither: „Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern.“ Doch noch immer sind Lohn-
ungleichheit und Chancenungleichheit gesellschaftliche Realität und ein Anlass, im Kampf um die Grundsatzfrage nicht nachzulassen.

Gleichstellungsbeauftragte Anja Wirkner hatte sich für die Ausstellungseröffnung ein besonderes Bonbon überlegt und die vier Mütter des Grundgesetzes leibhaftig aufgespürt: In Form von Annette Zimmermann vom Bündnis für Familie (Weber), Stefanie Bär, Sachbereichsleiterin Personal am Landratsamt (Selbert), Sophie Linnert von der Kreisentwicklung (Nadig) und Andrea Carl, Studentin Soziale Arbeit und derzeit Praktikantin am Landratsamt (Wessel). Sie nahmen in einer kleinen Schauspieleinlage die Gäste der Vernissage humorvoll mit in die Entstehungsgeschichte des Gleichberechtigungsgrundsatzes.

Lob vom Landrat

Landrat Armin Kroder, der sichtlich angetan von der Schauspielkunst seiner Mitarbeiterinnen war, versprach, die couragierte und talentierte Frauentruppe auf Anfrage künftig gerne zu verleihen. Er habe großen Respekt von dem, was die vier Frauen damals für die Gesellschaft erkämpften, sagte Kroder.

Die Ausstellung „Mütter des Grundgesetzes“ ist noch bis Anfang September zu den üblicnen Öffnungszeiten des Landrats-
amtes in Lauf im ersten Stock zu besichtigen.

N-Land Isabel Krieger
Isabel Krieger