Borkenkäfer-Befall

Die Lage spitzt sich zu

Borkenkäfer und Larven unter der Rinde. Die zeilenartigen Fraßgänge haben zu den Namen „Buchdrucker“ oder „Kupferstecher“ für den Käfer geführt. | Foto: Udo Schuster2019/08/borkenkafer-frassbild-buchdrucker-us.jpg

OSTERNOHE — „Wir haben das nicht mehr überall im Griff“. Mit diesen drastischen Worten beschreibt der Leiter des Forstamtes Hersbruck, Forstoberrat Steffen Taeger, die dramatische Situation in vielen Wäldern im Nürnberger Land durch den Befall mit Borkenkäfern.

Zu einem Informationsaustausch trafen sich Förster, Waldbauern und Gemeindevertreter auf einer komplett gerodeten Fläche im Wald an der Verbindungsstraße von Osternohe nach Hormersdorf. Gleich zu Beginn des Treffens auf dem exponierten Waldstück mit einer Fläche von rund 30 000 Quadratmetern, auf dem alle Fichten betroffen sind, ließ Forstoberrat Taeger keinen Zweifel daran, dass hier der Klimawandel mit Trockenheit und Wärme als Ursache für den massiven Käferbefall zu sehen ist.

Hauptsächlich ist derzeit der Buchdrucker als eine der Borkenkäferarten unter den Rinden der Fichten aktiv und unterbricht durch seine Fraßgänge die Wasser und Nährstoffversorgung des Baumes. Ein ohnehin hoher Käferbestand im Frühjahr 2019 stieg in den letzten Wochen rasend schnell an.

Verfärbt sich die Krone, ist es zu spät

Verfärben sich die Kronen der betroffenen Bäume rötlich und fällt die Rinde vom Stamm ab, ist ein Befall offensichtlich. Doch dann ist es für diesen Baum schon zu spät, er stirbt ab. Zuvor sind die Käfer bereits im nächsten Baum aktiv. Pro Jahr kann ein Käferweibchen nach drei Generationen für rund 100 000 Nachkommen sorgen.

An der Straße Osternohe-Hormersdorf liegt diese große Waldstück, auf dem fast allem Bäume gefällt werden mussten. | Foto: Udo Schuster2019/08/borkenkafer-kahlschlag-us.jpg

In dem Wald, in dem vor rund drei Wochen noch grüne Fichten standen, finden sich nur noch vereinzelte Buchen und trotzen der Trockenheit. Auch die Familie Ziegler ist hier Eigentümer eines Waldstücks. Die ganze Familie half in den letzten Tagen mit, damit der Buchdrucker sich nicht weiter verbreiten kann, berichtet die 80-jährige Osternoherin Luise Decker, während sie kleinere Äste aus dem Wald zerrt.

Dass sich die Lage jetzt so zugespitzt hat, überraschte selbst erfahrene Waldbauern. Allein in Schnaittach waren bei einer Fortbildung des Forstamtes über 65 Waldbesitzer anwesend. Darunter auch Martin Decker aus Osternohe, der selbst rund zehn Hektar Wald besitzt. „In diesem Ausmaß hätte ich die Schädigungen der Bäume nicht erwartet“, sagt er.

Bäume müssen aus dem Wald

Der Borkenkäfer verrät sich durch den Auswurf von braunem Bohrmehl, vergleichbar mit Kaffeepulver, das am Stammfuß herabrieselt. Die regelmäßige Bohrmehlsuche liegt in der Verantwortung der Waldbesitzer. Befallene Bäume müssen gefällt und abtransportiert werden. Notfalls drohen Zwangsmaßnahmen.

Dass der Wald in akuter Gefahr ist, wurde offensichtlich von der Politik erkannt, Ministerpräsident Markus Söder will 30 Millionen Bäume in Bayern pflanzen lassen. Ob dabei die Schwierigkeiten vom Wildschutz bis zur Bewässerung bedacht wurden, daran zweifelten einige Bauern dann doch, wie sie gegenüber der PZ sagten.

N-Land Udo Schuster
Udo Schuster