Stimmen aus dem Landkreis

Die „Ehe für alle“ spaltet die Gemüter

Morgen soll im Bundestag über die "Ehe für alle" abgestimmt werden. | Foto: Nito100/Thinkstock2017/06/ehe-fur-alle-nito100thinkstockphotos.de-489251276.jpg

NÜRNBERGER LAND — Morgen sollen die Abgeordneten des Bundestags darüber entscheiden, ob auch gleichgeschlechtliche Paare künftig heiraten dürfen. Befürworter wie Gegner der „Ehe für alle“ finden sich auch im Nürnberger Land.

Bisher steht gleichgeschlechtlichen Paaren nur die eingetragene Lebenspartnerschaft offen. Manfred Hofmann, der Rückersdorfer Bürgermeister, und sein Partner sind eine solche bereits 2009 eingegangen. „Wir mussten noch zur Notarin gehen“, erinnert er sich. Erst im August 2009 war für gleichgeschlechtliche Paare auch der Gang zum Standesamt möglich.

Im Bürgermeisterwahlkampf 2012 machte Hofmann keinen Hehl aus seiner sexuellen Orientierung, allerdings musste er damals auch mit Anfeindungen leben. So wurden Wahlplakate mit schwulenfeindlichen Parolen beschmiert (die Pegnitz-Zeitung berichtete).

Der Rückersdorfer Rathauschef ist heute optimistisch, dass die „Ehe für alle“ kommt, schließlich seien nicht nur viele Parteien dafür, sondern laut Umfragen längst auch eine Mehrheit der deutschen Bevölkerung. „Aus meiner Sicht ist das schon seit langem überfällig“, sagt der 54-Jährige. „Es sollte keinen Unterschied zwischen Ehe und eingetragener Lebenspartnerschaft geben, von den Rechten und Pflichten her ist es ja nahezu gleich. Warum sollte man diese beiden Dinge dann unterschiedlich benennen?“

Dass schwule und lesbische Paare keine Kinder adoptieren können, findet Hofmann diskriminierend. Er verweist auf Studien, die zeigten, dass Kinder, die in eingetragenen Lebenspartnerschaften aufwachsen, „genauso gut erzogen sind wie andere“ und sich ganz normal entwickelten. Dass die Bundeskanzlerin der „Ehe für alle“ mittlerweile offen gegenübersteht, liegt an der FDP, denkt Hofmann. Schließlich wollten die Liberalen das Thema zur Koalitionsbedingung machen.

Timo Greger, Simmelsdorfer Gemeinderat und stellvertretender Kreisvorsitzender der Jungen Union (JU), ist ein klarer Gegner der „Ehe für alle“. Als diese vergangenes Jahr bei der JU-Landeskonferenz in Nürnberg zur Debatte stand, suchte Greger  die Abgrenzung zur großen Schwesterpartei, in der schon vor einiger Zeit ein Umdenken eingesetzt hat. „Wollen wir wie die CDU werden – jung, hip, dynamisch? Oder wollen wir konservativ bleiben?“, fragte der heute 26-Jährige. Er ist froh, dass sich die JU am Ende dafür entschied, Ehe weiterhin als ausschließlich heterosexuelle Verbindung zu definieren.

„Ich habe nichts gegen homosexuelle Paarbeziehungen“, sagt Greger, „aber der Begriff ‚Ehe‘ ist klar für Mann und Frau reserviert.“ Damit verbinde der Großteil der Bevölkerung eine bestimmte Identität, „etwas, das gefühlsmäßig Halt gibt“. Er warnt: „Wir dürfen nicht alles relativieren.“ In der Unterscheidung zwischen eingetragener Partnerschaft und Ehe sieht er keine Diskriminierung – „das sind einfach zwei verschiedene Sachen“. Und auch zur Adoptionsfrage hat er eine eindeutige Haltung: „Ein Kind ist besser bei Mama und Papa aufgehoben.“

Alexander Horlamus, der Bundestagskandidat der SPD für den Wahlkreis Roth/Nürnberger Land, hält es angesichts solch klar abgegrenzter Positionen „für noch einmal ein Stück unwahrscheinlicher, dass es nach der Wahl wieder zu einer großen Koalition kommt“. Die SPD setzte sich schon lange für die „Ehe für alle“ ein, doch bisher sei die Umsetzung am Widerstand der Union gescheitert – „jetzt wird es echt Zeit, dass es zur Abstimmung kommt“. Beim Bundesparteitag in Dortmund habe er in dieser Frage „absolute Einmütigkeit“ bei den Genossen verspürt.

Dass es ausschließlich Heterosexuellen vorbehalten sein soll, zu heiraten, kann der Laufer Anwalt nicht aus dem Grundgesetz ableiten: „Das steht in dieser Form nicht in der Verfassung. Dort ist nur vom Schutz der Ehe die Rede.“ Lediglich das Bundesverfassungsgericht habe diese als Beziehung zwischen Mann und Frau definiert.

Zuletzt hatten unter anderem die  katholischen Bischöfe mit Hinweis auf das Grundgesetz gegen eine Änderung plädiert. Ludwig Schick, der Bamberger Erzbischof, sagte der Süddeutschen Zeitung: „Familie ist aus katholischer Sicht dort, wo Mann und Frau sich das Jawort geben und miteinander Kinder haben. So definiert auch das Grundgesetz die Ehe, die unter dem besonderen Schutz des Staates steht.“

Für den evangelischen Laufer Stadtpfarrer Jan-Peter Hanstein sprechen keine theologischen Gründe gegen die „Ehe für alle“. Familie definiert er als „fürsorgende Gemeinschaft“, und diese Beschreibung könne auch auf schwule und lesbische Paare zutreffen. „Ehe heißt, verlässlich füreinander da zu sein und Verantwortung für den Partner zu übernehmen.“ Wenn sich Hetero- wie Homosexuelle daran hielten, sei nichts gegen eine Heirat einzuwenden. In der evangelischen Kirche ist die Hochzeit – anders als nach der katholischen Lehre – kein Sakrament, sondern eine Segnungshandlung. Segnen dürfen evangelische Pfarrer längst auch gleichgeschlechtliche Paare. „Ich bin da noch nie gefragt worden“, sagt der Stadtpfarrer, „aber ich würde es gerne machen“.

N-Land Pegnitz-Zeitung
Pegnitz-Zeitung