Bürger stiften Exponate fürs Museum

Diakoneum ante portas

Egal ob Holztruhe, Schnitzwerk oder Filmprojektor: „Objekte erzählen Geschichten“, weiß Kunsthistorikerin Gabriele Wiesemann (links). „Sie machen ein Museum aus.“ Davon ist auch Museumsleiter Dr. Thomas Greif überzeugt. Mehrere Bürger haben dem Diakoniemuseum Rummelsberg daher ihre Schätze überlassen. | Foto: Magdalena Gray2019/10/Rummelsberg-Museum-2.jpg

Rummelsberg – Von Holzeule bis Filmprojektor: Bürger spenden Exponate an das Diakoniemuseum in Rummelsberg. Die Inventarisierung beginnt. Ein wichtiger Schritt in Richtung Neugestaltung.

Als Hella Carrara 1945 mit ihrer Familie aus der Slowakei flieht, ist sie noch ein Kind. Ihr Großvater ist der Pfarrer ihres Heimatorts bei Bratislava. Deswegen wird seiner Familie erlaubt, nach Österreich in ein Diakonissenhaus zu ziehen. Er selbst bleibt. „Ein Hirte verlässt seine Schafe nicht“, habe er gesagt. „Ich habe ihn nie wieder gesehen“, sagt Carrara. Aber sie lächelt, als sie mit der Hand über den Deckel der schweren Holztruhe streicht, die neben ihr steht. Diese hat die Habe ihrer Familie auf der Flucht nach Österreich behütet und der Mutter später als Küchenbank gedient. Nach ihrer Hochzeit hat sie Carrara schließlich mit nach Rummelsberg begleitet. Nun dient sie dem Diakoniemuseum als Exponat.

Sechs Exponate

Museumsleiter Dr. Thomas Greif freut sich über die Spende. Außer der Truhe hat er sechs weitere Stücke, die mit der Geschichte der Diakonie zusammenhängen für das Museum bekommen: eine Holzeule aus dem Treppenhaus des Wichernhauses von Sieglinde Hungershausen, ein Harmonium aus dem Jahre 1903 von Christian Klughardt, ein Bild „Burgthann 1945“ von der Fördergemeinschaft Burg Burgthann, vertreten durch Betty Püntzner und Hans Buchner, ein kleines Ölgemälde der Fröschau von Christoph Scholz und einen alten Filmprojektor von 1937 von Diakon Helmut Pickel.

Keine kleine Heimatstube

Greif hat Großes vor: Er möchte aus seinem kleinen Museum einen Bildungsort zur Diakonie- und Sozialgeschichte machen und es zum Diakoneum weiterentwickeln. „Hinter dem Kunstwort steckt eine inhaltliche Komponente: Wir wollen Diakoniegeschichte und mehr bieten, nicht nur eine Rummelsberger Heimatstube“, sagt der Museumsleiter. Doch bis jetzt fehlen ihm die Ausstellungsstücke.
Kunsthistorikerin Gabriele Wiesemann  nimmt im Zuge der Neugestaltung das Inventar des Museums auf. Von Besteck und Tellern mit Aufschrift „Diakonie“ über Bauakten und Gemälde bis hin zu Kirchenleuchtern könne alles als Ausstellungsstück dienen.

Hoffen auf weitere Ausstellungsstücke

Greif hofft, dass noch mehr Personen sich dazu überwinden, sich von geliebten Stücken zu trennen und sie ins Museum zu geben. Er könne gut verstehen, dass die Leute an ihren Stücken hängen. Aber es sei ein Irrglaube, dass diese in der Familie sicherer aufgehoben seien, als in einem Museum.

N-Land Magdalena Gray
Magdalena Gray