Wandergesellin hat Stock wieder

Der „Stenz“ ist zurück

Der gesuchte Wanderstock ist zurück bei ihrer Besitzerin. | Foto: Buchner-Freiberger2019/04/josephina-wandergesellin-stenz2.jpg

LAUF. Vor rund vier Wochen hatte eine Schneidergesellin auf der Walz ihren Wanderstock im Auto eines Laufers vergessen, jetzt ist „Lori“ zurück bei ihrer Besitzerin – dank eines Aufrufs in der Pegnitz-Zeitung.

Ein Mann, von dem sie nur den Vornamen „Kevin“ wusste, hatte Wandergesellin Josephina in Lauf zum Bahnhof gebracht. Als sie ausstieg, ließ sie aus Versehen ihren Wanderstock „Lori“ zurück. Der Suchaufruf wurde unter anderem auf Facebook mehr als 100 Mal geteilt –
mit Erfolg. „Ich habe ein paar Tage später eine E-Mail von Kevin erhalten“, berichtet Josephina, die aus Berlin stammt und für die Zeit der Walz – so ist es üblich – ihren Nachnamen abgelegt hat.

Die Übergabe gestaltete sich dann allerdings ein bisschen schwierig, da „Kevin“ zunächst im Urlaub war. Er deponierte den „Stenz“, wie der Wanderstock auch heißt, in seinem Garten in Lauf, wo ihn die 30-Jährige jetzt wieder abholte. Den Finder traf sie aber nicht an: „Ich hätte mich gern noch bei ihm bedankt.“

Denn der Stenz ist für Wandergesellen ein ganz wichtiges Utensil auf ihrer Reise. „Ich habe mich ohne ihn richtig nackt gefühlt“, räumt Josephina ein. Er gehört zur vorgeschriebenen Ausstattung genauso wie der schwarze Hut mit Hutband und genau vier Zentimeter breiter Krempe, die Weste mit exakt acht Knöpfen oder die Jacke mit sechs Knöpfen. Die Kleidungsfarbe Rot ist dem Textil- und farbgebenden Gewerbe vorbehalten, Holzhandwerker tragen dagegen schwarz.

Und der Stock ist weit mehr als nur Dekoration, er erleichtert die Wanderschaft ungemein. „Man kann sich zum Beispiel aufstützen, wenn man müde ist“, erklärt die Besitzerin. Gefunden hat sie ihren Stenz zu Beginn ihrer Wanderschaft in einem Wald bei Salzwedel. Hier wuchs er, wie eine Art Schlingpflanze, um einen Baum herum.

Josephina freut sich riesig, dass „Lori“, wie sie ihren Stock getauft hat, wieder da ist. Auch sonst hat die sympathische Schneiderin bisher nach eigenen Worten nur positive Erfahrungen auf ihrer Walz gemacht. Sie treffe auf viele hilfsbereite Menschen, sei in Lauf beispielsweise bei einer netten älteren Dame untergekommen. Nur die Jobsuche sei anfangs ein bisschen schwierig gewesen. Arbeit findet sie beispielsweise an Theatern.
Im Herbst 2021 wäre ihre Walz beendet, bis dahin möchte sie „möglichst viel von der ganzen Welt sehen“. Begleitet von ihrem Stenz. „Auf den passe ich jetzt noch viel doller auf.“

N-Land Stefanie Buchner-Freiberger
Stefanie Buchner-Freiberger