Wer geht wo zur Schule?

Der Landkreis zahlt mehr Gastschulbeiträge, als er einnimmt

Diese Grafik zeigt, wie viele Schüler von außerhalb die Realschulen (Rot) und Gymnasien (Grün) im Nürnberger Land besuchen. Die meisten Gastschüler hat die Realschule Feucht (288), die wenigsten das Laufer Gymnasium (7). | Foto: Grafik Landratsamt2018/01/gastschuler-an-schulen-im-landkreis.jpg

NÜRNBERGER LAND — 1089 heimische Schüler besuchen Realschulen oder Gymnasien außerhalb des Nürnberger Lands. Das kostet dem Landkreis in diesem Schuljahr rund 925 .000 Euro. Gleichzeitig nimmt er etwa 500. 000 Euro  für die 639 Schüler von außerhalb an den hiesigen Bildungseinrichtungen ein. Die genauen Zahlen präsentierte Horst Oertel vom Sachgebiet Schulverwaltung am Landratsamt im Schulausschuss des Kreistags.

Der Landkreis ist als Sachaufwandsträger für die Realschulen und Gymnasien im Nürnberger Land zuständig. Geht ein Schüler aus einer der heimischen Kommunen an eine Einrichtung außerhalb des Landkreises, so muss dafür ein Pauschalbetrag überwiesen werden, der sogenannte Gastschulbeitrag.

Grundsätzlich nehmen mehr Gymnasiasten als Realschüler Unterricht außerhalb des Landkreises in Anspruch, berichtete Oertel. 347 heimische Gymnasiasten gehen in Nürnberg zur Schule. Es folgen die Landkreise Roth mit 254 Gastschülern, Neumarkt mit 238 sowie Erlangen-Höchstadt mit 24. Ein
Schüler besucht eine Einrichtung in Fürth.

Bei den Realschülern ist der Landkreis Neumarkt besonders beliebt. 111 Schüler – vor allem aus Schwarzenbruck und Burgthann – gehen dort zur Schule, 48 weitere in Nürnberg, 44 im Landkreis Sulzbach-Rosenberg, 20 im Landkreis Bayreuth und zwei in Fürth.

Für jeden Realschüler, der andern­orts unterrichtet wird, zahlt der Landkreis den Pauschalbetrag von 750 Euro an die jeweils zuständige Kommune. Das macht im laufenden Schuljahr für 255 Schüler insgesamt 168 .750 Euro. 875 Euro werden pro Gymnasiast fällig. Bei 864 Gastschülern an fremden Gymnasien summieren sich die Kosten auf 756. 000 Euro. Macht zusammen 924. 750 Euro, die der Landkreis an Gastschulbeiträgen überweisen muss.

Doch er nimmt auch Geld für die 639 Schüler ein, die außerhalb des Nürnberger Lands leben, aber hier zur Schule gehen: insgesamt 498 .125 Euro. Dabei sind es deutlich mehr Realschüler, nämlich 488, die als Gastschüler in den Landkreis kommen, und für die der Landkreis 366 .000 Euro überwiesen bekommt. Für die 151 Gymnasiasten sind es 132 .125 Euro.

Eine Einrichtung sticht dabei besonders heraus: An der Realschule Feucht liegt der Gastschüleranteil inzwischen bei rund 30,4 Prozent: 288 der insgesamt 922 Schüler kommen von außerhalb, konkret aus Nürnberg (149), dem Landkreis Roth (137) sowie aus dem Landkreis Neumarkt und der Stadt Schwabach (je ein Schüler).

An zweiter Stelle folgt die Oskar-Sembach-Realschule in Lauf (insgesamt 794 Schüler) mit einem Gastschüleranteil von 14,3 Prozent. Die überwältigende Mehrheit der 107 Gastschüler kommt aus Erlangen-Höchstadt (104), genauer gesagt aus Eckental. Drei Gastschüler stammen aus Nürnberg.

Die 76 auswärtigen Besucher der Röthenbacher Realschule machen 12,2 Prozent der insgesamt 624 Schüler aus und stammen allesamt aus Nürnberg. Verschwindend gering ist dagegen der Anteil der Gastschüler in Hersbruck (2,7%) – alle 17 kommen aus Amberg-Sulzbach, genauer aus Weigendorf. Insgesamt liegt der Anteil der Gastschüler in den heimischen Realschulen im Durchschnitt bei 16,5 Prozent.

Niedrige Zahlen bei Gymnasien

Von den 3876 Schülern an den drei Gymnasien im Landkreis stammen dagegen nur 3,9 Prozent von außerhalb. Spitzenreiter ist hier das Röthenbacher Gymnasium mit einem Gastschüleranteil von 11,45 Prozent (in Zahlen: 83 von 725 Schülern). Sie kommen überwiegend aus Nürnberg.

Ans Hersbrucker Gymnasium gehen 37 Gastschüler (3,75%) vor allem aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach, nach Altdorf 24 (2,7 Prozent) überwiegend aus Nürnberg und an das Laufer Gymnasium lediglich sieben auswärtige Schüler (0,6%).

Der Landkreis würde die Ausgaben für die Gastschüler natürlich gerne senken. „Wenn das Altdorfer Gymnasium saniert ist, werden auch mehr Schüler hier bleiben“, hofft jedenfalls Landrat Armin Kroder.

Jugendliche haben die Wahl

Die Feuchter Realschule platzt derweil aus allen Nähten und das obwohl die Sanierung gerade erst abgeschlossen wurde, gab CSU-Kreisrat Bernd Eckstein zu bedenken. „Muss man denn alle Schüler von außerhalb annehmen?“, fragte er nach. „Ja“, war die eindeutige Antwort von Horst Oertel. Grundsätzlich habe der Schüler die Wahl, welche Einrichtungen er besuchen möchte. Allerdings werden die Fahrtkosten nur bis zur nächstgelegenen Schule erstattet.

Trotzdem gebe es einige Steuerungsmöglichkeiten, um Schüler künftig im Landkreis zu halten. Dabei spiele die Digitalisierung eine Rolle, sprich neue Medien und eine moderne Ausstattung. Aber auch die Sanierungen, die der Landkreis bereits angehe, sowie ein gutes Lehrangebot an den Schulen und funktionierende Busverbindungen sind wichtig, so Oertel.

Bernd Eckstein berichtete zudem, dass in einigen vierten Klassen im südlichen Landkreis die Gymnasien aus Neumarkt und Roth eingeladen wurden, ihre Schulen vorzustellen. Aus Altdorf sei aber kein Vertreter dort gewesen. Das gefiel keinem der Räte und auch dem Landrat nicht. „Die Grundschulen sollten auch die Schulen im Nürnberger Land bewerben, schließlich sind wir immer noch ein Landkreis“, betonte Eckstein.

N-Land Tina Braun
Tina Braun