Kirchweihen in Schönberg und Diepersdorf

Der Eilwagen: Das Karussell für die Kirchweihburschen

Hier sieht man das Eilwagenfahren in Diepersdorf. | Foto: Spieß2017/08/Diepersdorf-Eilwagen-spiess.jpg

SCHÖNBERG/DIEPERSDORF — Am Montagnachmittag ging es zum Kirchweihende in Schönberg und Diepersdorf noch einmal hoch her: In beiden Orten fanden die traditionellen Eilwagenfahrten der Kirchweihburschen statt.

Bei diesem Brauch wird an einem Holzstamm, der von einem Traktor gezogen wird, ein liegendes Holzrad befestigt, und zwar genau so schräg, dass es mit einer Seite die Straße berührt und es sich während der Fahrt drehen kann.Jeweils zwei mutige Kirwaboum setzen sich dabei auf dem Rad gegenüber und kämpfen damit, trotz Umdrehungen, ihr Gleichgewicht zu halten. Das Ganze ist nicht ohne, denn der Abstand zum Asphalt ist gering und beim Festhalten an den Speichen muss aufgepasst werden, denn durch die Aufhängung der Achse ist das Gerät ständig am Kreiseln.

Die jungen Männer sind deshalb mit breiten Gurten und stabilen Karabinern gesichert. Für den Magen, der zur Kirchweih meist stärker belastet ist, bestimmt auch nicht ganz einfach. Begleitet wurde der Zug von einem Teil der Kirwamadla und den singenden Kirwaburschen, die sich abwechselnd der Herausforderung stellten.

Uralter Brauch

Woher der Name und dieser Brauch kommen, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen, Vermutungen gehen in Richtung Schwarzwald, nach Oberbayern, aber auch ins Elsass und die Schweiz. Eduard Rühl nannte in seinem Beitrag „Das Eilwagenfahren. Ein Beitrag zur ostfränkischen Volkskunde“ („Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde, 1955, S. 176–179) das 16. Jahrhundert als mögliche Datierung.

Zu welchem Zweck oder Anlass auch immer diese besondere Form des Transportes entstanden ist – ursprünglich soll es sich um ein Paar gehandelt haben und demzufolge als Symbol für Fruchtbarkeit –, erhalten hat sie sich nur in ganz wenigen Orten.

Beim Eilwagenfahren in Schönberg ließ man sich hinterherfahren. | Foto: Spieß2017/08/Schonberg-Eilwagen-spiess.jpg

Dass die Schönberger und Diepersdorfer diese Tradition pflegen und lebendig erhalten, ist deshalb umso löblicher. Für die Kirwaburschen ist dies darüber hinaus auch eine kleine Möglichkeit, Spenden zu sammeln, denn ihr Einsatz für die Kirchweih ist nicht nur zeit- und kraftraubend. Es sind auch erhebliche Kosten damit verbunden, die dadurch minimiert werden können.

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