Die Musik spendet Zuversicht in Krisenzeiten

Der Balkon als Bühne

Zwischen 18.30 und 19 Uhr beschallt Günter Dachs seine Nachbarschaft in Schnaittach. Gestört fühlt sich dadurch keiner, es gibt vielmehr Applaus. | Foto: Dorn2020/04/MNMN-seite-balkonkonzert-dachs-schnaittach-scaled.jpg

NÜRNBERGER LAND – Was macht ein Musiker, der zur Zeiten der Corona-Krise nicht öffentlich auftreten darf? Er funktioniert seinen Balkon zu einer Bühne um. 

Seit zwei Wochen schwingt jeden Abend von 18.30 bis 19 Uhr Musik über die Fasanenstraße und den Dörnigbach in Schnaittach. Günter Dachs nutzt seinen Balkon nicht nur als Bühne, sondern auch als Schallverstärker, denn dieser schließt bündig mit der Hauswand ab. Dadurch – und weil es rundherum ziemlich still ist – werden die Schallwellen weit getragen. Volkstümliches, Schlager, Pop, Gospel und Big-Band-Sound erfreuen für eine gute Viertelstunde die Zuhörer aus den Nachbarhäusern und -gärten. 

Dachs, der sonst mit seinem Sohn Dominik regelmäßig im Landkreis auftritt und den viele als Elvis- Imitator kennen, singt und spielt in den Gesangspausen Trompete und einhändig Akkordeon. Er ist fast eine Ein-Mann-Big-Band. Zwischendurch greift er zur Gitarre und schmettert einen Elvis-Song in die abendliche Luft, so dass in manchen Gärten sogar ein bisschen getwistet wird.

Für seine Serenaden haben ihm die Nachbarn neben viel Applaus auch schon den einen oder anderen Leckerbissen zukommen lassen. Kinder haben ihm ein spezielles Osterbild gemalt – ein Zeichen, dass diese abendliche Viertelstunde eine willkommene Unterbrechung des Alltags und ein Muntermacher für die Zeit der Ausgangsbeschränkung ist.

Ein Zeichen der Zuversicht

Ulrika Swoboda nimmt die Darbietungen auf und teilt sie auf Facebook. Das hat den abendlichen Auftritten des Musikers aus Schnaittach schon einen gewissen Kultstatus eingebracht.

Italien und Spanien haben es vorgemacht, musiziert wird aber auch in anderen Schnaittacher Ortsteilen. Hintergrund ist hier die Einladung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die ein Zeichen der Zuversicht setzen möchte. Das sei gerade jetzt wichtig, wo keine Gottesdienste und Zusammenkünfte stattfinden können, berichtet die Pfarrerin der Dreifaltigkeitskirche in Osternohe, Dorothee Mann.

Täglich um 19 Uhr stellen sich viele, die mitmachen, auf ihren Balkon oder in den Garten und spielen gemeinsam. Margot Käßmann hatte dazu aufgerufen und Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hatte am ersten Abend auf der Geige musiziert. In Osternohe mit dem Schloßberg sowie in Bondorf beteiligen sich Mitglieder des Posaunenchors mit ihren Blasinstrumenten seit rund zwei Wochen an dieser Aktion. 

Trompete, Posaune und Flöte

„Wir sind über die Facebook-Seite der EKD darauf aufmerksam geworden“, berichtet die Bondorferin Katja Falkner, deren Mann Claus sowie beiden Jungen Franz und Frederik tagtäglich mit Blechblasinstrumenten mitmachen. Sie selbst spielt dazu Flöte. 

Neben der Familie von Claus Falkner spielen in Bondorf auch sein Bruder Stefan Falkner mit Tochter Rachel und Sohn Henning sowie Ruth Gürne mit Sohn Linus mit ihren Trompeten und Posaunen. Weitere Unterstützung erfährt das Osternoher Tal nach dem abendlichen Glockengeläut um 20 Uhr durch den  Chorleiter, Roland Falkner, vom Schloßberg aus sowie aus dem Kern­ort selbst durch Tim Edinger und Andreas Gerlach. 

Sogar in ihrem jetzigen Wohnort Eichenstruth spielt die gebürtige Osternoher Bläserin Margit Wolf jeden Abend auf ihrem Tenorhorn das Abendlied. Mittlerweile haben die Bläserinnen und Bläser das Repertoire etwas erweitert und spielen verschiedene Choräle und Volkslieder wie beispielsweise „Der Mond ist aufgegangen“, „Lobe den Herren“ oder sogar die Bayernhymne.

Text: Vinzenz R. Dorn, Udo Schuster

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