UEFA verbietet Regenbogen-Arena

„Das ist einfach unmöglich“

Abpfiff: Die UEFA beendet die Diskussion um eine Arena in Regenbogenfarben. Marcel Schneider kann das überhaupt nicht nachvollziehen. | Foto: privat2021/06/Altenfurt-Marcel-Schneider-Friseur-LGBT-online.jpg

ALTENFURT – Die UEFA untersagt die Beleuchtung der Allianz Arena in Regenbogenfarben. Für Marcel Schneider vergibt sie damit eine historische Chance.

Nach Entscheidung der UEFA darf die Münchner Allianz Arena beim EM-Spiel gegen Ungarn nicht in Regenbogenfarben leuchten. Die Erklärung: Laut ihrer Satzung sei sie politisch neutral. Aber kann etwas, das in den Menschenrechten festgehalten ist, an das sich alle Parteien halten müssen, überhaupt politisch sein? Noch 2019 kündigte die UEFA auf Social Media eine EM für alle an, inklusive Regenbogen-Emoji. Im Interview erzählt Marcel Schneider von seiner Enttäuschung. Der Friseurmeister lebt seit 30 Jahren offen homosexuell und erhält deswegen immer wieder Droh- und Hassbriefe.

Herr Schneider, sehen Sie eine Beleuchtung in Regenbogenfarben als politische Botschaft?

Nein, das wäre ein ganz wichtiges Statement gewesen. Ein Signal für Toleranz, Vielfalt und Liebe. Die Armbinde von Manuel Neuer fand ich großartig. Deswegen dachte ich auch, dass die Beleuchtung erlaubt werden würde. Das Verbot ist einfach unmöglich. Die UEFA hat so viele Skandale hinter sich. Das wäre der Moment gewesen, mal für Menschlichkeit einzustehen. Es ist einfach traurig und beschämend für eine UEFA im 21. Jahrhundert.

Warum wäre Ihnen ein solches Statement so wichtig?

Der Sport trägt solche Botschaften in die Gesellschaft. Damit kann man vieles verändern. Bei so einem Turnier erreicht das einfach viele Menschen. Das sieht ganz Europa, ja die ganze Welt. Außerdem kenne ich Fußballer, Männer wie Frauen, die sich nicht trauen, sich zu outen. So eine Aktion wäre doch ein deutliches Zeichen an die eigenen Mitglieder, dass man hinter ihnen steht. Ein Verbot gibt jetzt natürlich wieder homophoben Menschen Futter. Die fühlen sich bestätigt und ich habe Angst, dass die Folgen über den Fußball hinausgehen.

Meinen Sie damit gesellschaftliche Veränderungen? Die Aktion entstand ja als Antwort auf ein neues Gesetz in Ungarn, das Homo- und Transsexualität aus der Öffentlichkeit verbannen will.

Was in Ungarn passiert, ist schrecklich. Als europäischer Partner muss man die Menschenrechte wahren. Dazu gehören auch die LGBT-Rechte. Wehret den Anfängen, sage ich da nur. Da braucht es einen Fingerzeig. Auch hier in Deutschland. Es herrscht zwar viel Toleranz, aber ich spüre selbst noch Homophobie und erhalte immer wieder Droh- und Hassbriefe.

Was sollte jetzt geschehen, wen sehen Sie in der Pflicht?

Die Politik müsste sich energisch einschalten. Die Bundesregierung, Markus Söder als Ministerpräsident, auch meine Partei, die SPD, sollten eine klare Forderung an die UEFA stellen. Sie sollten wirklich aktiv werden. Vielleicht kann auch die Allianz Arena vor dem Spiel beleuchtet werden, damit die Bilder trotzdem um die Welt gehen und nach außen getragen wird, dass es uns wichtig ist, dieses Zeichen zu setzen.

Interview: Antonia Kourtides

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