Kommunen haben unterschiedliche Strategien

Das große Testen beginnt

Symbolbild. | Foto: Lindsey/Getty Images2021/02/Corona-Schnelltest-scaled.jpg

LAUF / SCHNAITTACH / RÜCKERSDORF. Langsam wieder in Richtung Normalität, trotz Corona. Das ist das Ziel und um es zu erreichen, wollen mehrere Kommunen im Nürnberger Land neue Testangebote per Schnelltest schaffen, für verschiedene Alters- und Berufsgruppen. Lauf, Schnaittach und Rückersdorf setzen dabei unterschiedliche Vorgehensweisen um und haben andere Zielgruppen im Fokus.

Da im Nürnberger Land mit einer Inzidenz unter 100 am Montag alle Kitas und einige Schulen wieder ihre Türen öffnen, hat das Testen zusätzlich an Relevanz gewonnen.

Die Stadt Lauf will ihren Angestellten kostenlose Schnelltests ermöglichen. Ob Feuerwehr, Bauhof oder städtische Kita-Betreuer – jeder Mitarbeiter mit häufigem Personenkontakt während der Arbeit kann zwei Mal pro Woche getestet werden, auf freiwilliger Basis. Um das umzusetzen, diskutierten die Verantwortlichen im Rathaus lange über die Themen Mitarbeiter, Räumlichkeiten und Material. 

Schließlich wurde das Betreiben des Testzentrums im Laufer Feuerwehrhaus und der mobilen Tests, unter anderem bei den Mitarbeitern der Kindergärten, bundesweit ausgeschrieben und die Bereiche aufgeteilt.

Eine private Firma aus Hamburg mit einem breiten Netz aus Ärzten und medizinischen Angestellten in ganz Deutschland übernimmt das Testzentrum und testet dort unter anderem die Mitarbeiter des Bauhofs, die Mitglieder der Laufer Feuerwehr und die Angestellten der Verwaltung. 

Das BRK übernimmt die Kitas

Ehrenamtliche Mitglieder des Laufer Bereitschaftsdiensts des Roten Kreuzes übernehmen, neben der bereits bestehenden Testung von Besuchern des Hermann-Keßler-Stifts, die Angestellten der Kindergärten. Jeden Donnerstag nehmen Freiwillige Urlaub oder nutzen ihre Kurzarbeit, um in die acht städtischen Betreuungseinrichtungen zu fahren und die Mitarbeiter zu testen. Die Schnelltests stellt die Stadt Lauf.

„Es war uns wichtig, dass wir die Betreuer für die Tests nicht aus der Arbeit nehmen müssen“, sagt Klaus Sgrai, Fachgebietsleiter des Hauptamts im Laufer Rathaus. Außerdem sollen die Mitarbeiter des Bauhofs zu Beginn der Schichtwoche getestet werden. „Das können die Ehrenamtlichen des Roten Kreuzes nicht leisten, die natürlich vor allem am Abend und am Wochenende im Einsatz sind.“

Darum übergibt die Stadt Lauf einen Großteil der Testungen an die private Firma aus Hamburg, die höhere Kosten zur Folge hat als der Einsatz der lokalen Bereitschaftsdienste. 

BRK hat große Verluste gemacht

Stefan Kleinlein, der Leiter des Laufer Bereitschaftsdienstes des BRK ist froh, dass sein Team wenigstens die Kindergärten übernehmen darf. „Durch die Absage der Kirchweihen, Altstadtfeste und Sportturniere haben wir letztes Jahr einen hohen Verlust gemacht“, sagt Kleinlein.

Die Entschädigung der Ehrenamtlichen sei natürlich um einiges niedriger als der Stundenlohn der festangestellten Ärzte oder Mitarbeiter des Malteser Hilfsdiensts, aber trotzdem wichtig für das BRK. Bisher geht der Vertag des BRK bis zum 31. März. Wie es danach weitergeht, weiß Kleinlein noch nicht.

Das Testen von Schülern und Kindergartenkindern wird in Lauf zurzeit besprochen. Die Landesregierung empfiehlt den Eltern ihre Kinder regelmäßig vom Hausarzt testen zu lassen, Schnelltests werden noch keine gestellt. Wohl erst wenn die Regierung diese fördert, werden in Lauf die Schüler ab 15 Jahren regelmäßig getestet, sagt Stefan Müller, Leiter des Fachbereichs Bildung und Familie im Laufer Rathaus.

Für die jüngeren Bürger, wie Grundschüler und Kindergartenkinder denkt Lauf zurzeit über eine Pool-Testung nach, also das Testen von rund 30 Gurgelproben der Kinder in einem Pool durch ein Labor. Erst wenn in diesem Pool das Corona-Virus gefunden wird, werden die einzelnen Proben getestet, was das ganze Prozedere um einiges günstiger macht.

Rückersdorf profitiert von Privatfirma

Die Gemeinde Rückersdorf wird ihre Schüler, Hort- und Kindergartenkinder in einem solchen Pool-Verfahren wöchentlich testen, durch den Tipp einer aufmerksamen Ärztin. Sie wohnt in Rückersdorf und arbeitet in Erlangen und hat dort von einem Bündnis von privaten Firmen gelesen, die ihren Mitarbeitern regelmäßige Tests bezahlen wollen.

Da neben der Proben der Angestellten noch Platz in einigen Pools ist, hat sich das Firmenbündnis aus Erlangen und Erlangen-Höchststadt entschieden, aus jedem umliegenden Landkreis die jungen Bürger einer Gemeinde mitzutesten. 

Die Ärztin machte das Rückersdorfer Rathaus darauf aufmerksam, das nicht lange überlegen musste. Warum auch nein sagen, die Firmen bezahlen schließlich die Testungen im Labor der Universität Erlangen. Und wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Nach Zusage von Rathaus, Lehrern, Eltern und dem Gesundheitsamt des Nürnberger Landes nahm Rückersdorf das Angebot an und ist damit die Gemeinde im Landkreis, die von dem Erlanger Firmenbündnis profitiert.

Am Dienstag beginnen die Tests. Die rund 300 Schüler und Kindergartenkinder erhalten zwei Röhren in die sie ihr Gurgelwasser füllen und zur Sammelstelle Richtung Labor bringen. 

Initiator ist die Erlanger Firma Intego

Initiatior des Verbunds ist Thomas Wagner, Geschäftsführer der Erlanger Maschinenbaufirma Intego. „Bei unserem ersten Test-System  im  Frühjahr 2020 gingen einzelne Tests an ein privates Labor, das keine Pooltests anbietet. Jetzt haben wir ein günstigeres Modell gesucht, um unsere Angestellten regelmäßig zu testen und uns für die Finanzierung eines Labors der Uni Erlangen entschieden“, sagt Wagner. 

Das Testen der Proben in Pools zähle außerdem, anders als einzelne PCR-Tests, als „Umweltanalytik“ und unterliege damit deutlich geringeren Auflagen, was unter anderem den Preis der Materialien senkt. „Bei Intego lassen sich 50 Mitarbeiter wöchentlich testen, aber sie allein füllen keine Testreihe. Deswegen beziehen wir Angehörige und  Gemeinden mit ein“, sagt Wagner. Er ist überzeugt, dass mehr Tests helfen werden, um die Infektionszahlen zu senken. „Wir wollen mithelfen.“ 

Das Interesse an dem Pool-System sei groß. „Weiteren Gemeinden bieten wir unsere Beratung an. Es ist kein Hexenwerk, Röhrchen zu kaufen und ein Labor zu finden“, sagt Wagner. Er würde es begrüßen, wenn die Regierung diese Art zu Testen fördern würde. Informationen zu Bündnis und Testmethode gibt es laut Wagner auf der Webseite screeningpools.de

Schnaittach testet die Schüler

Die Gemeinde Schnaittach konzentriert sich wie Rückersdorf und im Gegensatz zu Lauf in Sachen Tests auf die Jüngeren. „Unsere Feuerwehrmänner und Verwaltungsangestellten können Abstand halten. Bei Schülern ist das schwieriger“, sagt Schnaittachs Bürgermeister, Frank Pitterlein.

Alle Schüler, die in Schnaittach ab kommender Woche wieder Wechsel­unterricht haben, können sich im Vorfeld kostenlos per Schnelltest auf das Coronavirus testen lassen. Der Bürgermeister hat dieses Angebot in Absprache mit den Schulleitern der Grund- und Mittelschule und der Marienapotheke initiiert. 

Betroffen vom Wechselunterricht sind in Schnaittach rund 300 Kinder und Jugendliche, alle Grundschüler im Kernort und in Kirchröttenbach sowie zwei Abschlussklassen der Mittelschule. Sie alle können sich nach vorheriger telefonischer Anmeldung in der Schnaittacher Marienapotheke kostenlos testen lassen, wenn sie möchten. 

Regierung sorge für zu wenig Kapazitäten

So könne man zwar nicht ausschließen, dass es dennoch einzelne unerkannte Infizierte, also solche ohne Symptome, gibt. „Wir werden nie alle erreichen“, gibt er zu. Aber „jeder, den wir getestet haben, ist ein Risikofaktor weniger.“

Unklar ist noch, ob der Markt auf den Kosten für die Schnelltests sitzen bleibt. Man werde die Rechnung an den Freistaat weitergeben. Sollte dieser nicht dafür aufkommen, beißt die Kommune in den sauren Apfel und bezahlt für die Tests.

Möglicherweise gibt es in Schnaittach im Lauf des Schuljahrs auch weitere regelmäßige Schnelltests. Pitterlein hofft allerdings, dass die Regierung endlich investieren wird. Das bayerische Kultusministerium hat laut dem Bürgermeister für zu wenig Kapazitäten gesorgt und zu spät gehandelt. 

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