Eismann verlässt Altdorf

Ciao Ivan!

Das Eiscafé Dolomiti versorgt die Altdorfer mit köstlich Kühlem auf dem Marktplatz. | Foto: Clara Mock2020/03/Altdorf-Eis-Dolomiti-Abschied.jpg

ALTDORF. Die Dolomiti Eisdiele am Marktplatz war für viele eine Institution. 30 Jahre hat Ivan Olivotti dort die kalten Kugeln über den Thresen gereicht. „Altdorf ist mein Zuhause. Es bricht mir das Herz, zu gehen“, sagt er. Aber der Italiener kehrt nun nach 40 Jahren in Deutschland zurück in sein Heimatland.

Das tut er allerdings aus einem triftigen Grund: „Meine Frau ist krank,“ erzählt der Eismann, „sie hat Multiple Sklerose. Laut den Ärzten wird sie im Laufe des Jahres irgendwann an einen Rollstuhl gebunden sein. Ihretwegen kehren wir zurück nach Italien.“ Auch fiel es Ivan immer schwerer, Mitarbeiter zu finden: „Kaum noch jemand ist bereit, auch samstags oder sonntags zu arbeiten.“

Der Mann mit dem Eis: Ivan Olivotti. Foto: privat2020/03/Altdorf-Ivan-Olivotti.jpg

„Ich liebe Schäufele“

Sein Rezept nimmt er mit. „Aber ich habe einen guten Nachfolger gefunden. Vielleicht macht er ja sogar noch besseres Eis. Das müsst ihr dann heraus finden,“ scherzt er.

Dass Altdorf sein zu Hause ist, spürt man. „Ich fühle mich mehr wie ein Deutscher als ein Italiener. Ich liebe Schäufele,“ bekräftigt er witzelnd. Ivan will immer wieder nach Altdorf zurück kommen. „Hier ist meine Familie. Ich habe hier mehr Freunde als in Italien.“ Auch Altdorf trauert um den Verlust von Ivan und dem Dolomiti, wie sie es kannten. Auf einen Aufruf des Boten auf Facebook hin haben viele ihre ganz persönlichen „Ivan-Geschichten“ geteilt: So musste Jessica Kießwetter mit sechs am Oberkiefer genäht werden. Auf die Empfehlung des Arztes, viel Eis zu essen, brachte ihre Mutter sie zu Ivan. Als dieser erfuhr, warum sie so viel Eis essen musste, erklärte er, dass sie so viel Eis von ihm bekäme wie sie wolle und sie müsse nichts dafür bezahlen.

„Einen Kübel Kiwi-Eis, bitte.“

Auch Rebecca Hirschmann und ihre Mutter verbinden mit Ivan ganz besondere Erinnerungen: So ungewöhnlich es für viele sein mag, ist die Lieblingssorte der beiden Kiwi. Leider war die Nachfrage nach der Geschmacksrichtung nicht bei vielen Altdorfern sehr hoch, weswegen der Eisverkäufer sie aus dem Grundsortiment nahm, und nur noch vereinzelt herstellte. Daraus entstand der Spaß zwischen Ivan und den beiden, ihnen andere grüne Sorten wie Apfel zu reichen.

„Kurz vor dem Ende einer Saison kam es zu unserem üblichen Spielchen: Wir fragen nach Kiwi, er gibt uns Apfel. Dann sagte Ivan zu uns, wir sollen morgen nochmal vorbei kommen, da würden wir unsere Kugel Kiwi bekommen. Doch statt einer Waffel mit einer Kugel Kiwieis holte er aus dem Eisfach einen ganzen Kübel und drückte ihn meiner Mama in die Hand. Er wollte ja sicher gehen dass wir über die Wintermonate mit Kiwieis versorgt waren!“

Teil des schönsten Tags im Leben

Für Yvonne Rühl war Ivan sogar ab und zu ein wichtiger Teil ihres Lebens: Nicht nur hat sie ihren zwölften Geburtstag in der Eisdiele gefeiert, mit der sie groß geworden ist. Sogar am Tag ihrer Hochzeit war Ivan Teil des Geschehens. „Das schönste Erlebnis war, dass er meinem Mann vor unserer Hochzeit noch schnell ein Glas Wasser gegeben und natürlich viel Glück gewünscht hat.“

Die Reaktionen rühren Ivan fast zu Tränen. Er ist schon in Italien angekommen und auf dem Weg nach Hause, ist aber schier überwältigt von den Antworten auf Facebook. Was die meisten Altdorfer ihm zum Abschied noch sagen möchten: „Ciao bello, e grazie.“

Von Klara Rocholl

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