Büsche dürfen kurz geschnitten werden

Wilde Hecken brauchen Pflege

Die Schlehen haben sich bereits prächtig erholt und treiben drei Jahre nach dem Rückschnitt wieder kräftig aus, beweist Harald Gebhardt an einem Busch in der Lach zwischen Ober- und Unterferrieden. | Foto: Gisa Spandler2020/02/Unterferrieden-Hecke-Gebhardt-scaled.jpg

OBERFERRIEDEN. Soll die Funktion von Hecken in der Kulturlandschaft erhalten bleiben, müssen sie regelmäßig geschnitten werden. Durchaus auch mal knapp über dem Boden.

Schlehe, Heckenrosen, Weißdorn, Wildapfel, roter Hartriegel und Haselnuss – schon lange weiß man, wie wichtig Artenvielfalt nicht nur bei den Lebewesen, sondern auch bei den Pflanzen ist. Denn beides bedingt sich gegenseitig. Nur die Vielfältigkeit in der Flur garantiert das Überleben von großen und kleinen Wildtieren, Vögeln, Käfern, Schmetterlingen und Reptilien. Daher müssen die wichtigen artenreichen Hecken in der Kulturlandschaft von Menschenhand gepflegt werden. Nur, wie man das macht – darüber gehen manchmal die Meinungen auseinander.

Ökologisch wertvolle Flächen

Die große Hochebene zwischen Ober- und Unterferrieden, die Lach, weist viele ökologisch wertvolle Flächen auf. Überlässt man sie allerdings komplett der Natur, wuchern zum Beispiel die Wildhecken zu stark und sacken schließlich im Innern zusammen, die Pflanzen sterben ab, die stärkeren setzen sich durch und die Vielfalt ist dahin.
Harald Gebhardt, Bereichsleiter Forsten des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Neumarkt und Oberferriedener, kann von Berufs wegen ein Lied davon singen, wie wichtig der korrekte regelmäßige Rückschnitt von Büschen und Sträuchern in der Natur ist, wenn ihre Funktion für die Artenvielfalt erhalten werden soll.

Engagierte Privatleute

Er freut sich, wenn sich Privatleute engagieren und fachmännisch und den Naturschutz-Vorschriften entsprechend um die Hecken entlang der Wirtschafts-, Wander- und Radwege kümmern.
„Ihnen sollte man einmal danke sagen“, findet er. Daher hat er auch wenig Verständnis dafür, dass kürzlich Kritik an einem Heckenrückschnitt geübt wurde, der nach Meinung einer politischen Gruppierung nicht fachgerecht ausgeführt wurde. Bei einer Ortsbegehung der Burgthanner Grünen war angemerkt worden, derjenige, der die Pflanzen in der verlängerten Lachstraße zurückschnitt, habe sie zu knapp über dem Boden gekürzt.

Nicht „vergnügungssteuerpflichtig“

Als Experte kann Gebhardt allerdings bezeugen, dass der Pächter der Fläche die Hecke „1:1“ den Empfehlungen eines Fachkonzepts entsprechend vorbildlich beschnitten hat. „Schade, dass das hier nicht erkannt wurde. Manchmal ist es nämlich durchaus sinnvoll, die Büsche und Bäumchen auf den Stock zu setzen“, stellt er fest und meint damit dieses extreme Einkürzen der Pflanzen, das im Übrigen nicht gerade „vergnügungssteuerpflichtig“ ist.
Denn wie er an einem Schlehengewächs, das vor drei Jahren geschnitten wurde, zeigt, treiben die Pflanzen schon bald wieder kräftig aus. „Solche Hecken erhalten sich nicht von selbst, sie sind Elemente der Kulturlandschaft, und wenn ihre Funktion erhalten werden soll, müssen sie sich durch fachmännisches Schneiden verjüngen können“, so der Forstmann.

Bäumchen stehen lassen

Korrekt und den Regeln des Konzepts gehorchend ist auch die Praxis, jedes Jahr nur ein erlaubtes Teilstück der Hecke zu schneiden und einzelne Bäume wie Kirsche und Eiche stehen zu lassen.
In vier Jahren sollte eine solche Hecke einmal durchgepflegt werden, weiß Gebhardt und betont, dass es keineswegs so ist, dass Kleintiere keinen Schutz mehr nach dem Heckenschnitt haben. Dafür sorgen die Reisighaufen, die der pflegende Landwirt den Tieren als Unterschlupf hinterlassen hat.

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler