Warten auf das Testergebnis

„Völlig im Stich gelassen“

Die Labors arbeiten unter Hochdruck an der Auswertung der immer zahlreicher werdenden Corona-Tests. | Foto: Adobe Stock2020/03/Burgthann-Corona-scaled.jpg

BURGTHANN/SCHWARZENBRUCK – Auf Corona getestet und dann? Patienten warten tagelang auf ihre Ergebnisse, weil die Kassenärztliche Vereinigung für die Tests, das Gesundheitsamt aber für die Information der Betroffenen zuständig ist.

154 Personen sind inzwischen im Nürnberger Land mit Corona infiziert, 18 werden in Kliniken behandelt, drei Patienten geht es so schlecht, dass sie auf der Intensivstation liegen. Eindämmen lässt sich die Epidemie nur, das sagt die Politik und folgt damit den Vorgaben der Virologen, wenn man Menschen vereinzelt und infizierte Personen isoliert.

Zurückdrängen kann man den Corona-Ausbruch aber auch, wenn man so viele Personen wie möglich testet und damit einen Überblick erhält über den Grad der Ausbreitung. Mit Tests, Quarantäne und Informationen durch das Gesundheitsamt haben eine Burgthanner Familie und eine junge Frau aus Schwarzenbruck in den vergangenen Tagen ihre ganz eigenen Erfahrungen gemacht.

Enttäuscht und verärgert ist Peter Moosler (alle Namen von der Redaktion geändert) nach Tagen der Ungewissheit, nach zahllosen vergeblichen Versuchen, telefonisch Auskunft zu bekommen und nach mehreren Anfragen per Mail, auf die er nach seinen Angaben nie eine Antwort erhielt. Der 42-Jährige erzählt die Krankengeschichte seiner Frau, die vor über zwei Wochen über grippeähnliche Symptome klagte.

Sonja Moosler litt unter Halsschmerzen und Husten. So etwas hatte sie auch schon in der Vergangenheit. Und trotzdem war da auf einmal etwas anders. Zu den bekannten Symptomen gesellte sich ein totaler Geschmacksverlust. Hatte sie sich mit Corona angesteckt? Als sie sich testen lassen wollte, machte das Gesundheitsamt ihr klar, dass es dazu keinen Anlass gebe. Sie hatte kein Risikogebiet besucht und hatte auch keinen Kontakt zu infizierten Personen. Sonja Moosler und ihr Mann beschlossen daraufhin, den Test auf eigene Kosten durchführen zu lassen. Das Ergebnis zeigte: Die 36-Jährige ist mit Corona infiziert.

Ohne Ergebnis aus der Quarantäne

Nun waren die zuständigen Stellen alarmiert, Peter Moosler wurde ebenso getestet wie der sechsjährige Sohn Klaus. Der dreijährige Michael blieb ungetestet. Die Tests, erzählt Peter Moosler, wurden am Freitag vor einer Woche durchgeführt. Bis heute weiß er nicht, ob Klaus und er selbst sich angesteckt haben.

Für die beiden liegt nach acht Tagen noch kein Testergebnis vor. Dafür hat die Familie aber vom Gesundheitsamt Nachricht über das Ende ihrer Zwangsquarantäne: Die soll an diesem Wochenende aufgehoben werden. „Mir hat man gesagt, dass ich mich melden soll, wenn ich mich krank fühle“, sagt Peter Moosler, der befürchtet, sich bei seiner Frau angesteckt zu haben. An diesem Wochenende darf die Familie aber laut Gesundheitsamt die Quarantäne wieder verlassen.

Peter Moosler nennt es „absolut fahrlässig“, wie die Verantwortlichen derzeit infizierte Menschen informieren. „Kein Test, ob man genesen ist, kein erreichbarer Ansprechpartner, keine Antwort auf E-Mails.“ Er übt harsche Kritik am Gesundheitsamt, bei dem er die Verantwortung für eine Vielzahl von Erkrankungen sieht. Nachdem er tagelang vergeblich versucht habe, telefonisch und per Mail Kontakt zu der Behörde aufzunehmen, weiß er sich nur noch mit einem Schritt an die Öffentlichkeit zu helfen. Nach einer Nachfrage des Boten bei der Behörde in Lauf, erhielt die Familie dann einen Anruf aus der Pressestelle des Landratsamts. In einem langen Gespräch versuchte eine Mitarbeiterin unter anderem die Gründe für die langen Wartezeiten nach Tests zu erläutern.

Peter und Sonja Moosler kennen weitere Burgthanner Familien, deren Mitglieder über ähnliche Symptome wie sie klagen. Einige wurden zwischenzeitlich getestet, sagt Peter Moosler. Auch sie warten seit Tagen auf die Ergebnisse.

Negative Bescheide dauern länger

Diese Testergebnisse übermittelt die KVB dem Gesundheitsamt. „Die KVB fährt zu den Menschen nach Hause, bringt die Tests dann ins Labor und teilt den Getesteten in jedem Fall ihr Ergebnis mit – das Gesundheitsamt erfährt indes nur die positiv getesteten Fälle, und die ziemlich schnell, damit es die Quarantäne einleiten kann“, erläutert Iris Bitzigeio von der Pressestelle des Landratsamts die Vorgehensweise. Die tatsächlich Infizierten würden ihr Ergebnis zeitnah erfahren, „die negativ Getesteten warten oft mehrere Tage“, fügt die Pressesprecherin hinzu.

Mittlerweile dauere es fünf Tage und länger, „was wir natürlich bedauern“. Die Verantwortlichen beim Gesundheitsamt wissen, dass diese Zeit für die Getesteten sehr belastend ist. Sie weisen aber darauf hin, dass es derzeit keine Möglichkeit gibt, das ganze zu beschleunigen. Die Kritik der Burgthanner Familie, dass telefonischer Kontakt und E-Mail-Kontakt mit dem Gesundheitsamt schwierig sei, weist Bitzigeio zurück. Mehrmals habe es Telefongespräche mit dem Burgthanner Ehepaar und auch Mailverkehr gegeben.

„Von einer Stelle zur anderen“

Wer es als Betroffener schafft, beim Gesundheitsamt telefonisch durchzukommen, um nach seinen Testergebnissen zu fragen, wird an die KVB verwiesen. Ein Anruf dort landet bei einer Bandansage mit der Information, dass die KVB keine Auskunft über Testergebnisse gibt.

Das berichtet eine Schwarzenbrucker Lehrerin, die ebenso wie die Burgthanner Familie tagelang auf Testergebnisse wartet, nachdem sie Kontakt mit einer Infizierten hatte. Sie fühle sich in ihrer schweren Situation von Ärzten und Behörden völlig im Stich gelassen, klagt sie. „Jeder schickt dich von der einen zur anderen Stelle und weiterhelfen kann dir niemand. Du bist auf dich allein gestellt und kannst zusehen, wie du damit klar kommst.“

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N-Land Alex Blinten
Alex Blinten