Ausbau in Burgthann ist zu teuer

Telekom bremst schnelles Internet aus

16 Burgthanner Haushalte müssen noch länger auf Leitungen für schnelles Internet warten. Schuld ist in gewisser Weise die Telekom. | Foto: Adobe Stock2019/03/Internet-Leitung-AdobeStock_124400209.jpg

BURGTHANN – Ohne Gegenstimmen hat sich der Gemeinderat auf seiner jüngsten Sitzung dafür entschieden, das dritte Auswahlverfahren für den Netz-Ausbau einzustellen. Grund: Die immens hohen Kosten, die auf die Gemeinde trotz Förderung zukämen.

Bürgermeister Heinz Meyer erklärte, dass man im Rahmen des aktuellen Förderverfahrens noch immer Mittel zur Verfügung habe. Michael Langer von der Breitbandberatung Bayern, der die Burgthanner in dem Prozess des geförderten Netzausbaus seit Jahren begleitet, berichtete den Räten über den aktuellen Stand.

Förderprogramm läuft aus

Seit 2017 gibt es ein Zusatzprogramm („Höfebonus“), das weitere Mittel zur Verfügung stellt für Gemeinden mit schwierigen Strukturen, also solche, die auch einzelne Höfe, Weiler oder abgelegene Haushalte versorgen müssen.

Diese Förderprogramm läuft noch bis Ende des Jahres, und die Burgthanner gedachten die Mittel zu nutzen. Denn 16 Anschlüsse fehlen derzeit noch im Gemeindegebiet, die noch keine 30 Mbit/s zur Verfügung haben. Heinleinshof, Rübleinshof und andere kleinere Siedlungen gehören dazu. Voraussetzung für das Freiwerden der Mittel, so erläuterte Langer, sei ein genehmigter Förderbescheid. Dies sei im Fall der Großgemeinde gegeben.

Im Rahmen des Auswahlverfahrens hat die Verwaltung jedoch nur ein einziges Angebot bekommen, das der Firma Brandl Services. Die aktuelle Zurückhaltung der Telekom rächte es mit sich, dass man, um das Feuerwehrhaus in Oberferrieden anzuschließen, in ganz Unterferrieden aufgraben müsste, wo Brandl bereits aktiv war, erklärte der Bürgermeister.

„Rosinenpickerei“

Man habe gehofft, dass sich die Telekom hier engagiere, weil sie nur circa 100 weitere Meter verlegen müsste. Auch andernorts wäre es mit der Telekom billiger gekommen, doch die hat „ihre Philosophie geändert“, wie Langer erklärte. Sie wolle jetzt nur noch Angebote abgeben, wenn mindestes 50 Anschlüsse zu versorgen sind, von denen jeder Anschluss mindestens 1500 Euro einbrächte.

„Damit ist das Höfeprogramm ad absurdum geführt“, ärgerte sich Langer, der in diesem Zusammenhang von Rosinenpickerei sprach. Grund für das Zögern des großen Dienstleisters sei die Tatsache, dass er durch die ersten Verfahren bereits sehr gut ausgelastet sei und immerhin 89 Prozent der Aufträge erhalten habe, was naturgemäß zu großen Kapazitätsproblemen geführt habe.

Laut Langer spricht man mittlerweile von einem Realisierungszeitraum von 48 Monaten. Hier passten eindeutig der Anspruch der Politik und die Philosophie der Telekom nicht zusammen.

Hoher Eigenanteil

Doch was bedeutet das für die Burgthanner? Würde man das Angebot von Brandl zu Grunde legen, dann ergäbe sich eine Wirtschaftlichkeitslücke für die 16 Haushalte von 910.530 Euro, die durch die staatliche Förderung von 728.424 Euro abgefedert würde. Es bliebe aber immer noch ein Eigenanteil von 182.106 Euro, den die Gemeinde zahlen müsste. Zu viel, sagen Bürgermeister, Breitbandexperte, Verwaltung und auch die Gemeinderäte.

Ein einzelner Anschluss käme auf knapp 57.000 Euro, und das seien Kosten, die nicht vermittelbar seien, auch wenn 80 Prozent davon das Förderprogramm zuschießt. Ebenso wenig könne man den Menschen zumuten, dass wegen eines einzelnen Anschlusses ein ganzer Ortsteil aufgegraben wird, urteilte der Bürgermeister in der Diskussion.

„Wir werden die 16 Anschlüsse vertrösten müssen“, stimmte ihm auch Langer zu, der aber ein neues Programm am Horizont sieht, mit dem eine Glasfaser-Leitung für jeden Haushalt gefördert wird. Nur wann das kommt, steht noch nicht fest.

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler