Die Krise macht kreativ

Taufe an der Quelle

Daumen hoch für diese Idee: Um die Hygienevorschriften leichter einhalten zu können, tauft Pfarrer Winkler den kleinen Marvin im Mai an der Sophienquelle. Die Eltern, Sabrina und Timo Bärthel, sind begeistert. | Foto: Evangelische Kirche Burgthann2020/06/Burgthann-Sophienquelle-Taufe-Pfarrer-Winkler-scaled.jpg

BURGTHANN – Gottesdienst im Auto, Taufe unter freiem Himmel: Pfarrer Bernhard Winkler versucht, die Corona-Krise für seine Gemeinde erträglich zu machen. Seit gestern dürfen Gläubige den Gottesdienst wieder ohne Maske besuchen.

Die Zeit des hinter Masken Murmelns ist vorbei. Seit gestern hat die bayerische Staatsregierung die Maskenpflicht bei Gottesdiensten gelockert. Künftig dürfen Gläubige den Mund-Nasen-Schutz auf der Kirchenbank absetzen. Nur beim Betreten und Verlassen des Gotteshauses ist das Tragen der Masken noch Pflicht. Beim Singen müssen die Gläubigen jedoch weiterhin vorsichtig sein.

„Das Singen ist das Problematischste“, bestätigt Bernhard Winkler, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Burgthann. Hier sei das Infektionsrisiko am größten. Ein Risiko, das etwa bei einer gemütlichen Runde im Biergarten wegfalle. „Wir müssen uns zurückhalten und das tun wir auch weiterhin. Kein Pfarrer hat Lust, Aufmacher von der Tagesschau zu werden“, erklärt der Burgthanner. In seinen Gottesdiensten ist er dementsprechend vorsichtig. Oft lässt er nur eine Strophe eines Liedes singen und das auch nur mit Maske.

„Wir waren in Schockstarre“

Wie die restliche Gesellschaft, habe die Corona-Krise auch seine Gemeinde hart getroffen. Große Traurigkeit, Angst und Unsicherheit bestimmen die erste Zeit. „Wir waren in Schockstarre“, sagt Winkler. Schon bevor die Staatsregierung zum 21. März Ausgangsbeschränkungen auferlegte, hatten viele Kirchen Gottesdienste abgesagt oder das zumindest empfohlen. Besonders schlimm sei es um Ostern gewesen. „Das Gefühl, nicht richtig gemeinsam feiern zu können, hat viele niedergeschlagen“, berichtet der Burgthanner Pfarrer.

Seit dem 4. Mai können sich Gläubige wieder zum Gottesdienst treffen – vorerst nur mit Mundschutz und Gottesdienste dürfen nicht länger als eine Stunde dauern. Ein vorsichtiges Wiederaufleben geht durch die Kirchengemeinde Burgthann. „Es war trotzdem enorm schwierig. Die Verunsicherung der Menschen saß tief. Da haben wir beschlossen: Wir müssen nach draußen“, sagt Winkler.

Fortan predigt er im Freien auf dem Burgthanner Kirchplatz. Mit großem Erfolg. Gut 80 Menschen erscheinen zum Gottesdienst vergangenen Sonntag. „Das hätten wir technisch gesehen vermutlich noch gar nicht gedurft“, gibt Winkler zu. „Aber die Leute haben viel Abstand gehalten und die Hygienevorschriften eingehalten“, fügt er hinzu.

Von Alltag noch weit entfernt

Die weiteren Lockerungen der Sicherheitsbeschränkungen begrüßt Winkler. Dennoch sei die Kirche recht weit entfernt vom normalen Alltag. „Während sich die übrige Gesellschaft nur noch etwa 20 Prozent einschränkt, sind es bei der Kirche 50 Prozent“, schätzt er. Das schlage vielen Gläubigen noch immer aufs Gemüt. Grundlegend lebe jede Form der Religion von der gemeinsamen Nähe der Menschen. So zumindest sei das vorherrschende Gefühl. „Ich persönlich glaube, dass Formen von Gemeinschaft auch mit Abstand möglich sind. Aber dazu braucht es Fantasie“, erklärt er.

Zu Pfingsten hatte die evangelische Kirchengemeinde etwa einen Erlebnisweg initiiert, der vor allem Familien mit Kindern Vergnügen bereitete. Auch die nach norddeutschem Vorbild veranstalteten Autogottesdienste seien gut angekommen.

Taufen an der Sophienquelle

Ein romantischer Nebeneffekt der Krise: Taufen finden bis auf weiteres an der Sophienquelle statt. Die Alternative zum Gotteshaus stößt auf Begeisterung bei Eltern und Täuflingen. „Wir fanden die Idee cool. Besser hätten wir das gar nicht treffen können“, erinnert sich Timo Bärthel an die Taufe seines Sohnes Marvin im Mai. „Nach der Taufe von Marvin überlege ich tatsächlich, wieder in die Kirche einzutreten. Das ist eine Kirche, die zu uns passt“, schwärmt er in einem Beitrag des Sonntagsblatts.

„Sich ständig Neues einfallen zu lassen, macht Spaß. Mitunter ist es aber auch frustrierend, wenn einem langsam die Ideen ausgehen und Geplantes vom Landratsamt nicht genehmigt wird“, beschreibt Pfarrer Winkler seine Situation. „Ich sehe uns mal wieder an dem Punkt, wo wir Kirche neu denken müssen. Das hat in der Vergangenheit zu heilsamen Prozessen geführt. Warum sollte das jetzt nicht auch möglich sein“, sagt er hoffnungsvoll. „Wir bleiben mutig und lassen uns nicht unterkriegen.“

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