Konzert in Burgthann

Stimmungsvolle Burgserenade

Frauen-, Männer- und Kinderchor auf einer Bühne, dirigiert von Leiterin Tatjana Kwint.2015/07/burgthann_burgserenade_roesler_chor.jpg

BURGTHANN – Es regnete einen bunten Strauß von Liedern, aber auch Lebensweisheiten aus der Feder von Hans Sachs in einem perfekt inszenierten Theaterstück. Das alles in einer lauen Sommernacht im Burgthanner Burghof. Man füllte diesen mit vielen Stühlen, keiner davon blieb unbesetzt. Kein Wunder: Der Gesangverein (GV) tischte unter dem Motto „Klänge, die das Herz erfreuen“ reichlich auf.

Ein schöneres Bild hätte es im Innenhof nicht geben können: Im Hintergrund das satte Grün mit der Treppe direkt neben dem kleinen Burgkeller. Neben der Bühne vervollständigten Blumenstöcke das Bühnenbild.

Man wich dem nicht so idyllischen Anblick des Käfigs mit dem rostigen Stahlgerüst auf diese Weise aus. Auf den Brettern dirigierte die Chorleiterin Tatjana Kwint und führte gut gekonnt die Damen und Männer des GV durchs musikalische Programm, begleitet am Klavier von Norbert Hiller. Fröhlich stimmten alle ein „Musik macht gute Laune“ – oh wie wahr.

Beim „Kriminaltango“ zeigte überraschend ein Tanzpaar seine exzellenten Tanzkünste inmitten der Zuschauermenge. Mit „Das muss ein Stück vom Himmel sein“ und dem Lagerfeuerromantik-Song „Spiel Zigeuner“ beschloss der GV Burgthann seinen ersten Liedblock. Anschließend formierte sich der Frauenchor vor dem begeisterten Publikum. „Mr. Sandman“ setzten sie mit witzelnder Gestik und Mimik so gut in Szene, dass selbst die Zuschauer schmunzeln mussten.

Musik macht schlau

„Kinder mit verstärktem Musikunterricht verfügen nicht nur über einen messbar höheren Intelligenzquotienten als diejenigen mit regulärem Musikunterricht. Auch das Sozialverhalten und die Konzentrationsfähigkeit sind deutlich stärker ausgeprägt“, klärte Karl Schaller auf und wies dabei auf die wissenschaftliche Langzeit-Bastian-Studie hin. Der Kinderchor vom Haus der Musik in Unterferrieden unter der Leitung von Brigitte Urdaneta verführte zu Beginn der Urlaubssaison mitten aufs Meer mit dem Dampfschiff „Die tolle Lotte“ nach Brasilien gen Rio de Janeiro: „Die Ausfahrt nach Rio“. Dabei erfuhr man viel über „Das schöne Matrosenleben“.

Im zweiten Teil des Abends besangen die Kinder auf musikalische Art und Weise ihr Seeabenteuer. Wie sie „Die großen Stürme“ überstanden mit ihren Regenjacken und welche „fremden Häfen“ sie anfuhren bis sie letztendlich „Hafenurlaub in Rio“ machen konnten.

Die Acoustic Affairs, unter der Leitung von Erhard Feil, kredenzten swingenden und jazzigen Sound jeweils zu Beginn und nach der Pause. Sie setzten ein Zeichen in Form von rhythmischen Glanzlichtern. Mit Stücken wie „ATijuana Taxi“ oder „Big Spender“ begeisterten sie das Publikum.

Nachdem man kulinarisch gestärkt in den zweiten Teil überging, stand auf der Bühne ein Tisch mit Flaschen, die „Lasterarzenei“ darstellten. So heißt das Stück von Hans Sachs, in dem es um menschliche Verfehlungen und deren Behandlung geht und das die Theatergruppe des Gesangvereins vortrug.

Ganz aufgeregt kam die Eifersüchtige (Heike Trautner) in die Praxis zum Arzt (Anton Jäger) und berichtet über ihre Krankheit. Sie schleiche hinter ihrem Mann her und wolle immer wissen, mit welchen Frauen er sich so herumtreibe. Der Doktor belehrte sie, denn dieses Laster kommt schleichend.

Die Geizige (Silvia Distler) ist noch schlimmer dran, denn sie mag überhaupt nichts essen. Es hungern die Seele und der Leib. Sie hat zwar ein großes Gut und viel Vermögen, hat aber Angst, all das zu verlieren. Fast schon verzweifelt betrat die Neidische (Angela Lorenz) die Praxis. Ihr gehe es dann gut, wenn ein Unglück bevorstehe. Ihre Gefühlswelt tickt genau andersherum als bei „normalen“ Menschen.

Als dann noch ganz in Rage versetzt der Zornige (Klaus Hoffmann) wutentbrannt mit Fieber das Behandlungszimmer stürmte, waren alle Patienten ganz entsetzt und selbst der Doktor hatte Schwierigkeiten, die Behandlung fortzusetzen. Doch schließlich hatte der Mediziner für alle ein altbewährtes Hausmittel: Das Selbstbewusstsein muss gestärkt werden und viel Entspannung ist vonnöten. Das kann man am besten beim „Goldenen Hirschen“ bei einer frischen Maß Bier.

Nach diesem belehrenden Szenario ging es mit Ohrenschmaus-Klängen weiter. Passend zum dämmrigen Sommerabend versetzte der Gesangverein seine Fans in afrikanische Stimmung mit „Rakanaka Vangeri“ und „Siyahamba“. Aus der Operette „Maske in Blau“ ertönte altbekanntes Liedgut. Am Ende einer sehr gelungenen und atmosphärisch kaum zu toppender Burgserenade gesellte sich zum Chor noch der Kinderchor. Peter Maffays Lied aus Tabaluga „Ich wollte nie erwachsen sein“ bildete den krönenden Abschluss.

Nachdem Vorsitzender Anton Jäger sich bei der Gemeinde für die kostenlose Überlassung der Burg und dem Burgverein für die gute Zusammenarbeit bedankte und die Zuschauer mit kräftigem Applaus andeuteten, dass die Serenade wieder ein durchaus gelungenes Ereignis war, hatte der Gesangverein unter Mitwirkung der Acoustic Affairs noch ein Dankeschön für so zahlreiches Erscheinen parat: „Vielen Dank für die Blumen“ von Udo Jürgens.

Der Gesangverein Burgthann schenkte nicht nur Stunden voller Harmonie, sondern bewies einmal mehr, dass Musik Menschen verbinden kann. Schade nur, dass manch technische Störung zu zeitlicher Verzögerung geführt hat, was jedoch charmant von Moderator Karl Schaller überbrückt werden konnte. Sabine Rösler

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