Online bestellte Lebnsmittel im Gemeinschaftshaus abholen

Schwarm mit Charme

Kristina Weber informiert sich auf dem Demeter-Hof von Stefan Igelhaut über dessen Bio-Honig. Der Imker aus Oberferrieden ist einer der ersten Erzeuger, den die 22-Jährige als Marktschwärmer gewonnen hat.Foto: Christian Geist2020/07/Burgthann-Marktschwaermer-Weber-Igelhaut-3-scaled.jpg

BURGTHANN – Im Prinzip ist eine Marktschwärmerei nichts anderes als ein Wochenmarkt. Mit einem entscheidenden Unterschied: Der Kunde bestellt und bezahlt seine Lebensmittel vorab via PC oder Smartphone und trifft sich mit dem Produzenten nur noch zu Abholung und Austausch.

„Das Ziel ist, einen kompletten Wocheneinkauf abdecken zu können. Am besten mit Produkten aus einem Umkreis von 25 Kilometern. Wie lange es dauert, bis wir dort ankommen, ist natürlich die Frage“, sagt Kristina Weber. Die 22-Jährige studiert Management in der Biobranche an der TH-Außenstelle in Neumarkt und organisiert die Marktschwärmerei Burgthann. Bevor diese eröffnen kann, braucht sie mindestens 150 registrierte, potenzielle Kunden. Binnen fünf Tagen hatte sie bereits mehr als die Hälfte beisammen. Die höhere Hürde stellt die Zahl der Erzeuger. Zwischen ihren Klausuren verbringt die Studentin und Mutter deshalb viel Zeit am Telefon, spricht mit Landwirten, Dorfläden und anderen Produzenten. Beteiligen kann sich im Prinzip jeder Betrieb, sagt Weber, „es muss nicht alles bio sein, aber ein gewisser Respekt zu Mensch und Tier sollte gegeben sein“. Zugesagt haben ihr bereits die Kaffeewerkstatt Kucha, der Tee- und Gewürzladen Natürlich-Gut aus Wendelstein sowie die Imkerei Igelhaut aus Oberferrieden. Bei einer Bäckerei aus der Region ist Weber ebenfalls guter Dinge. „Wir haben schon viel Feinkost, jetzt brauchen wir natürlich noch Grundnahrungsmittel wie Obst, Gemüse, Milchprodukte“, erläutert Weber und gibt offen zu, dass es nicht ganz einfach ist, alteingesessenen Landwirten ihr Konzept nahe zu bringen. „Ich komme aber sehr gerne vor Ort vorbei und erkläre die Idee. Man kann als Erzeuger ja nichts verlieren. Wenn keiner etwas kauft, muss man auch nicht hinfahren.“ In der Tat können Erzeuger eine Mindestabnahmemenge festlegen. Wird diese durch die Bestellungen der Verbraucher nicht erreicht, muss der Landwirt auch nicht zum Markt kommen. Und natürlich kann es ihm bei diesem Marktkonzept auch nicht passieren, dass er seinen Hänger volllädt und sich anschließend bei Wind und Wetter die Beine in den Bauch steht. Was er liefert, wird ihm auch abgenommen. Zu dem Preis, den er selbst ansetzt.

Auf dem Sofa lümmeln und nebenbei den Wocheneinkauf zusammenstellen, ohne Abo, ohne Mindestbestellmenge, bezahlt via Überweisung, Kreditkarte oder Paypal: So simpel sich dieses Prinzip eines digitalisierten Bauernmarktes für den einen anhört, so kompliziert wirkt es auf den anderen. „Die ältere Generation abzuholen, bereitet mir noch etwas Bauchschmerzen“, sagt Weber, „schließlich soll der Markt wirklich für jeden geöffnet sein“. Deshalb erwägt sie einen Vortragsabend zum Auftakt. Und natürlich steht sie als Bindeglied zwischen Käufer und Verkäufer für Fragen zur Verfügung.

Im Gespräch mit der 22-Jährigen wird schnell klar, dass der Markt mehr sein soll als nur ein Umschlagplatz für Lebensmittel. Weber möchte die Treffen im Dorfgemeinschaftshaus zu einem Event machen, zu einem „sozialen Treffpunkt, an dem man gerne zusammenkommt“. Die 22-Jährige möchte Verbraucher und Erzeuger wieder näher zueinanderbringen, den Bezug zu Lebensmitteln herstellen, wo er abhanden gekommen ist. „Wenn man im Supermarkt die abgepackte Wurst vor sich liegen hat, dann ist das doch kein Tier mehr“, sagt sie. Marktschwärmer hingegen wüssten, wo, wie und von wem ihre Lebensmittel hergestellt werden. „Dass Verbraucher und Erzeuger zusammenkommen, das finde ich toll und auf jeden Fall unterstützenswert“, lobt auch Demeter-Imker Stefan Igelhaut die Idee der jungen Frau und will auf dem Markt künftig zweierlei Honig sowie Bienenwachs anbieten.

Die Idee der Marktschwärmerei stammt aus Frankreich. Dort gibt es rund 750 dieser Einzelinitiativen. In Deutschland sind es aktuell knapp 140. Mitnichten handelt es sich dabei um einen Trend der (Groß-) Stadt. In der Landeshauptstadt München gibt es beispielsweise noch keine einzige Schwärmerei, dafür gleich drei in deren Umland. Für Burgthann hat sich Weber aus zwei naheliegenden Gründen entschieden. Zum einen gibt es in der weitläufigen Gemeinde noch keinen Wochen- oder Bauernmarkt. Zum anderen stammt sie aus Schwarzenbruck, ihr Partner aus Burgthann. Wie viele junge Familien ziehen auch sie in Kürze in die Gemeinde von Bürgermeister Heinz Meyer. Der sei dem Projekt von Anfang an sehr aufgeschlossen gegenüber gestanden, berichtet Weber. So stellt die Gemeinde der Marktschwämerin zu ihrer großen Freude nun auch mietfrei das Dorfgemeinschaftshaus zur Verfügung.

Die Arbeit, die Weber investiert, ist bislang ehrenamtlich. Sie verdient mit der Initiative erst etwas, wenn der Markt tatsächlich eröffnet und Waren verkauft werden. Dann gehen laut eigenen Angaben zehn Prozent des Umsatzes an das Unternehmen Marktschwärmer und 8,35 Prozent an sie. Je eher Weber genug Erzeuger beisammen hat, desto eher kann es losgehen. Und sollte sich das Konzept in Burgthann am Ende doch nicht durchsetzen? Dann hat die Management-Studentin immerhin schon ein Thema für ihre Bachelorarbeit.

Info

Interessierte Verbraucher und Produzenten finden Informationen im Internet unter www.marktschwaermer.de. Kristina Weber ist zudem per E-Mail an [email protected] erreichbar. Markt im Ezelsdorfer Dorfgemeinschaftshaus soll immer montags von 17.30 bis 19 Uhr sein.

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