Verein statt Genossenschaft

Projektagentur endlich auf die Schienen stellen

Die Energiethematik bleibt auch im Landkreis ein heißes Eisen2015/02/a-nn-ha-20140310_121103-6_01.jpg

NÜRNBERGER LAND – Es soll endlich weitergehen mit der Gründung einer Energie-Projektagentur im Landkreis, die die Energiewende vor Ort bewerkstelligen soll. Dies war die fast einhellige Meinung der Landkreisbürgermeister auf ihrer letzten Dienstbesprechung, nachdem Dr. Friedrich Kneuper von PricewaterhouseCoopers und der Sprecher des Landkreis-Arbeitskreises, Manfred Liebel, einen Bericht über den Stand des langwierigen Vorhabens gegeben hatten.

Zur Erinnerung: Nach der Reaktor-Katastrophe in Fukushima hatte sich in Winkelhaid eine Bürgerinitiative gegründet, die sich die Energiewende von unten auf die Fahnen geschrieben hatte. Die Skepsis gegenüber eines von Politik und Wirtschaftskonzernen entwickelten Konzepts führte die Mitglieder zu der Entscheidung, die Energiewende müsse dezentrale Formen annehmen und gehöre in Bürgerhand.

Die Konsequenz war die Ausarbeitung eines Drei-Säulen-Modells im Landkreis: Eine Projektagentur solle mögliche Projekte ausfindig machen, die Bürgerenergiegenossenschaft solle das Kapital dafür einsammeln und die Projektgesellschaft damit die Projekte verwirklichen. Jeder, der sich an der Genossenschaft beteiligen möchte (Kommunen, Landkreis, Stadt-/Gemeindewerke), zeichnet Anteile für 5000 Euro je Stück, nach dem erfolgreichen Betrieb soll es für die Anteilseigner eine Rendite geben.

Im Frühjahr des vergangenen Jahres hatten sich immerhin neben dem Landkreis bereits 23 Kommunen mit ins Boot holen lassen, 140.000 Euro waren im Topf. Mittlerweile haben sich zwei wesentliche Dinge getan, wie Landrat Armin Kroder vorab erklärte: Die N-Ergie in Nürnberg habe sich bereit erklärt, die Geschäftsführung zu übernehmen, was Kroder für eine sehr begrüßenswerte Entwicklung hielt. Als weniger positiv hätten sich allerdings juristische Entwicklungen herausgestellt, die die Gründung und Betreibung einer Genossenschaft erschweren würden. Diese Hürden seien so hoch – man müsste sich mehrere Prüfungen unter anderem durch die BaFin gefallen lassen –, dass man zum Geldsammeln lieber einen Förderverein gründen möchte, was rechtlich unproblematischer sei, erläuterte Dr. Kneuper.

Die Bürgerinitiative nun ist von dem angestrebten Konsortialvertrag mit der N-Ergie wenig begeistert. Man lege sich zu sehr auf die Ziele der N-Ergie fest, heißt es, schließlich war der Verzicht auf die Beteiligung eines Großkonzerns eine der Grundprinzipien der angestrebten Bürgerenergiegenossenschaft.

Manfred Liebel skizzierte das weitere Vorgehen für seinen Verein: Man wolle zunächst die etwa 30 interessierten Mitstreiter befragen, anschließend möchte man mit den Ergebnissen auf die Bevölkerung zugehen und im Dialog entscheiden, wie es weitergehen kann. Die Bürgermeister, die sich nach dem Sachstandsbericht zu Wort meldeten, waren alle voll des Lobes über das große Engagement der Bürgerinitiative und speziell ihres Sprechers Liebel.

Dennoch hatte man den Eindruck, dass sie langsam ungeduldig werden und das Prozedere gern beschleunigen möchten.

Robert Ilg, Hersbruck, wollte wissen, wie viel Geld denn im Pott sei und wie lange man damit arbeiten könne. 150.000 Euro stünden derzeit zur Verfügung, berichtete Bernd Hölzel, Leiter der Kreisentwicklung, die für etwa zwei Jahre reichen könnten. Heinz Meyer, Burgthann, warb mit Nachdruck dafür, den jetzt anstehenden Vertrag durchzuziehen, „wenn wir es denn noch wollen“. Man müsse den schließlich noch in den Gremien prüfen und danach feststellen, wer bei der Stange bleibt. An Manfred Liebel wandte er sich direkt: „Bitte gründe den Verein bald, sonst wird’s noch mehr zerredet.“

Skeptisch äußerte sich allein Michael Schmidt: „Mir wird die ganze Sache immer abstrakter“, kritisierte er, legte aber Wert darauf, dass seine Kommune auch beteiligt sei. Anders sah das aber der Bürgermeister von Neuhaus, Josef Springer, der auch auf eine schnelle Gründung der Agentur drängte: „Sonst verändern sich die Bedingungen wieder.“

Die verschiedentlich geäußerte Kritik, die 5000 Euro Einlagen, die jede Gemeinde zu zahlen hat, könnten sich nicht rentieren, wurde von vielen zurückgewiesen mit der Begründung, dies sei eine verhältnismäßig moderate Summe auch für die Landkreis-Gemeinden.

In diesem Sinne fasste Landrat Kroder zusammen, man solle so bald wie möglich den Entwurf für den Vertrag ausformulieren und dann den Gemeinde- und Stadträten noch einmal zur Entscheidung vorlegen.

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