Marktschwärmerei startet in Burgthann

Markt schließt Lücke

Verbraucher und Produzenten näher zusammenbringen: Das ist ein Ziel der Marktschwärmerei, die nun auch wöchentlich in Burgthann stattfindet. | Foto: Magdalena Gray2020/10/Burgthann-Marktschwaermerei-Schild-scaled.jpg

Burgthann. Lebensmittel lokaler Produzenten online bestellen und einmal wöchentlich im Gemeinschaftshaus abholen: Mit ihrer Marktschwärmerei bringt Kristina Weber Verbraucher und Erzeuger in Burgthann näher zusammen.

Auf den Tischen im Dorfgemeinschaftshaus in Ezelsdorf stapeln sich Kartoffelsäcke, Radieschen schimmern appetitlich rosa in grünen Gemüsekisten, Räucherfisch und Rindfleisch warten in Kühlboxen auf ihre Abnehmer, Brot und Bienenwachs wetteifern darum, wer am besten duftet. Seit Donnerstag hat Burgthann seinen eigenen Bauernmarkt. Nur bestellt und bezahlt der Kunde seine Lebensmittel bei der Burgthanner Marktschwärmerei vorab online und holt sie am Markttag nur noch beim Erzeuger ab.

Das einfache Konzept des digitalisierten Wochenmarktes kommt gut bei den Burgthannern an. „Super organisiert, echt klasse“, lobt eine Kundin die erste Veranstaltung. „So etwas hat uns hier wirklich gefehlt“, freut sie sich über das Angebot. Sie ist nicht die einzige. „Wir hatten glatt 90 Bestellungen beim ersten Mal. Ich hatte tatsächlich mit einem Drittel gerechnet“, staunt Organisatorin Kristina Weber. Die 22-Jährige studiert Management in der Biobranche an der TH-Außenstelle in Neumarkt und hat vier Monate auf Donnerstagabend hingearbeitet (wir berichteten).

Organisatorin Kristina Weber ist zufrieden mit dem ersten Marktabend im Dorfgemeinschaftshaus in Ezelsdorf. Foto: Magdalena Gray2020/10/Burgthann-Marktschwaermerei-Weber-1-scaled.jpg

Zwölf Erzeuger bieten Ware feil

Die Mühe hat sich gelohnt. Zwölf Erzeuger sind mittlerweile mit im Boot und bieten online ihre Ware feil. Honig, Wachstücher und Felle gibt es etwa vom Demeterhof Igelhaut aus Burgthann, Kartoffeln von der Familie Schrammel aus Mimberg, Brot und Backwaren aus Berg und Kaffee aus der Kaffeewerkstatt Kucha. Neu in der Direktvermarktung ist Biobäuerin Vera Wittmann aus Pühlheim. Sie bietet Rind-, Lamm- und Ziegenfleisch an. „Es ist eine wahre Herausforderung, gerade mit der Kühlkette“, berichtet sie von ihren ersten Erfahrungen. „Aber die Idee ist gut und einen Fuß in der Tür zu haben, kann nie schaden“, findet sie.

Ihr gegenüber hat Mathias Flachenecker seinen Tisch mit Gemüse aus dem Knoblauchsland. Er ist als alter Markt-Hase überrascht von der Menge der Bestellungen. „Grandios, super. Da kann man nicht meckern. Es ist viel mehr als wir bei den anderen Schwärmereien in Nürnberg und Erlangen verkaufen“, sagt er. Ähnlich geht es Monika Dandemoraju von Natürlich gut aus Wendelstein, die ebenfalls Schwärmerei-Erfahrung mitbringt. Sie hat Tee, heiße Schokolade, Gewürze, Salz und Bienenwachskerzen für ihre Kunden dabei. „Fürs erste Mal war das wahnsinnig viel. Sehr schön, dass das Interesse so groß ist“, freut sie sich.

Drei Gründe für den Erfolg

Woher kommt der Überraschungserfolg? Kristina Weber führt ihn auf drei wesentliche Punkte zurück: Zum einen habe sie buchstäblich eine Marktlücke geschlossen, da es bislang in Burgthann keinen Wochenmarkt oder Ähnliches gegeben habe. „Zum anderen hat uns die Dynamik der kleinen Gemeinde geholfen. Hier kennt jeder jeden. Die Leute sind neugierig und wollen dabei gewesen sein“, erklärt sie. Der dritte Grund sei die demographische Struktur der Gemeinde. Es gebe viel Zuzug junger Familien, die sich für Nachhaltigkeit und regionale Produkte interessieren. „Die Nachfrage steigt stetig“, sagt Weber.

Trotz dieser Hauptzielgruppe möchte die 22-Jährige den Markt auch für die ältere Generation zugänglich wissen. „Er soll wirklich für jeden offen sein. Keiner darf außen vorgelassen werden“, bekräftigt sie. Um das Prinzip des digitalisierten Bauernmarktes zu erklären, plant Weber daher einen Vortragsabend – trotz der bereits hervorragend laufenden Bestellungen. „Es geht nicht darum, möglichst viel herauszuschlagen“, sagt sie. „Reich wird man damit nicht. Ich möchte Verbraucher und Erzeuger wieder näher zueinanderbringen“, erklärt sie weiter.

Unterstützung von der Gemeinde

Von Anfang an habe ihr die volle Unterstützung ihrer Familie und auch der Gemeinde Burgthann das Leben leichter gemacht. Besonders SPD und Grüne sowie Bürgermeister Heinz Meyer (CSU) seien sofort von ihrer Idee angetan gewesen, erzählt die Marktschwärmerin. „Das ist eine sehr gute Sache, die wir gerne unterstützen“, sagt Bürgermeister Meyer, der ebenfalls unter die Marktschwärmer gegangen ist und sich beim ersten Zusammentreffen ein schönes Stück Rinderbraten abholt.

Trotz großen Andrangs und Corona-Schutzmaßnahmen läuft der Abend dank trefflicher Organisation wie am Schnürchen und Weber darf sich über positives Feedback von allen Seiten freuen. „Ich bin wirklich erleichtert, dass alles so gut angelaufen ist. Ich hatte das ehrlich gesagt etwas chaotischer erwartet“, resümiert sie. „Jetzt hoffen wir nur noch, dass es auch so weiter geht.“

INFO
Interessierte finden Informationen im Internet unter www.marktschwaermer.de. Kristina Weber ist zudem per E-Mail an [email protected] erreichbar. Markt im Ezelsdorfer Dorfgemeinschaftshaus ist immer donnerstags von 19 bis 20.30 Uhr.

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