Burgthanner Burg

Landesamt forderte alternatives Brandschutzkonzept

Die auf die Mauern führenden Treppen finden Burgbesucher zwar toll, weil man von oben einen schönen Blick ins Schwarzachtal hat. Die meist gestellte Frage in diesem Zusammenhang ist aber: Warum umbaute man die Treppen mit Käfigen?2015/05/burgthannburgkaefig_New_1431436502.jpg

BURGTHANN – Die Denkmalschützer vom Landesamt für Denkmalpflege waren mehrfach auf der Burgthanner Burg und haben deutlich gemacht, dass sie das jetzt realisierte Konzept ablehnen. Ausdrücklich haben die Münchner darum gebeten, für die Burg ein anderes Brandschutzkonzept zu entwickeln. Doch in Burgthann ließ man sich auf die Empfehlungen der Münchener Behörde nicht ein. Die sind auch nicht bindend. Entscheidend ist beim Bauantrag das, was die Denkmalschützer am Landratsamt in Lauf dazu sagen.

Die dortige Denkmalschutzstelle legt Wert auf die Feststellung, dass sie an der Entwicklung der umstrittenen Flucht- und Rettungswege mit beteiligt war und die Pläne gebilligt hat. Das Landesamt in München allerdings hat sein Einvernehmen mit der Baumaßnahme nicht erteilt. Zwar wurden dessen Vorschläge im Innenbereich der Burg vom Burgthanner Planer aufgegriffen und umgesetzt, die Ausführung der Außentreppen lehnen die Denkmalschützer in München aber rundweg ab. „Die nun umgesetzte Lösung führt jedoch zu einer Beeinträchtigung im überlieferten Erscheinungsbild der Burganlage und greift an einigen Stellen massiv in die historische Substanz ein“, sagt Generalkonservator Mathias Pfeil.

Lösung enttäuschte

Der Leiter des Landesamts für Denkmalpflege hält mit seiner Enttäuschung über die Burgthanner Lösung nicht hinter dem Berg. Vor Ort habe man die Empfehlungen des Landesamts offenkundig ignoriert. So hat die Münchner Behörde unter anderem Alternativen zur bestehenden Planung gefordert und vorgeschlagen, ein zweites Brandschutzgutachten einzuholen. Hier hätten sich möglicherweise für die Burg ganz andere Lösungen ergeben.

Ganz wichtig für Pfeil: „Das Erscheinungsbild des Denkmals sollte möglichst authentisch erhalten bleiben.“ An der Notwendigkeit des Brandschutzes freilich zweifelt der Generalkonservator nicht. Aber: Die Planung müsse „einfühlsam“ sein, ist sie das nicht, schadet das dem Baudenkmal.

Auch das Landratsamt als untere Denkmalschutzbehörde war in den Prozess mit eingebunden, hat am Ende aber anders als das Landesamt „im Abwägungsprozess“ dem Konzept zugestimmt. Als Grund für die positive Entscheidung nennt Landratsamts-Sprecher List unter anderem die ehrenamtliche Unterstützung und Instandhaltung durch den Burgverein.

Eine Reihe von Mitgliedern steht den Brandschutzmaßnahmen allerdings kritisch gegenüber. Die Burgvereinsvorsitzende Betty Pünzner wies in einem nicht gesendeten Interview mit dem Bayerischen Rundfunk darauf hin, dass sie und ihre Mitstreiter zu keiner Zeit in die Planungen mit einbezogen oder im Vorfeld auch nur informiert wurden. Auch Eppelein-Festspiel-Intendant Helmut Buchner und seine Mannschaft blieben außen vor und wurden wie die Leute vom Burgverein am Ende vor vollendete Tatsachen gestellt.

Aus dem Landratsamt gibt es jetzt eine neue Mitteilung, die aufhorchen lässt: Die hinzugefügten Bauteile in der Burg seien so konzipiert, dass sie jederzeit wieder zurückgebaut werden können. Dies sei dem Denkmalschutz ein wichtiges Anliegen, schreibt LRA-Sprecher List an die Redaktion des Boten. Jetzt mag man darüber rätseln, was geschehen muss, damit die Bauten tatsächlich wieder entfernt werden. Möglich ist es also, auch wenn Bürgermeister Heinz Meyer nach der Fertigstellung versicherte, genau so, wie sie derzeit aussieht, werde die Burganlage auch bleiben. Wie berichtet, werden die Sicherheitsmaßnahmen in der Öffentlichkeit sehr kontrovers diskutiert, viele Bürger fordern einen Rückbau, andere dagegen finden die moderne Verkleidung der Treppen gelungen.

Grundsätzlich sei es ja ein vielfach angewendetes Mittel, Burgruinen mit kontrastreichen Neubauten zu ergänzen, so Dorothee Ott, Sprecherin des Landesamts für Denkmalpflege in München. Der Wahl einer modernen Architektursprache stehe das Landesamt auch offen gegenüber. „Der Grundkonflikt liegt jedoch vielmehr im Rettungswege-Konzept.“ Konkret: Bei der Anzahl, der Breite und dem Standort der Treppenanlagen.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten/Gisa Spandler